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"Schröders wunderbare Welt": Sabotage im Tropenparadies

Nach "Schultze gets the blues" widmet sich Regisseur Martin Schorr wieder den ostdeutschen Antihelden. In seinem neuen Film "Schröders wunderbare Welt" geht es um ein Tropenparadies, ahnungslose Amerikaner und dörfliche Sabotage.

So viel Land und so wenig los: der sich entvölkernde Osten Deutschlands bietet nicht nur Freizeitpark-Investoren, sondern mittlerweile auch Filmemachern ein weites Feld für Luftschlösser. Und so träumt in der lakonischen Tragikomödie "Schröders wunderbare Welt" Frank Schröder von einem künstlichen Tropenparadies, das er mit Hilfe eines amerikanischen Investors aus dem kalten Boden seiner Heimat stampfen will. Allerdings gibt es ein Problem: die Eingeborenen, die nicht recht mitziehen.

Schauplatz des Films ist der östlichste Zipfel Deutschlands, das Dreiländereck zwischen Polen, Tschechien und der niederschlesischen Oberlausitz. Es ist eine Gegend "janz weit draußen", aus der Schröder einst flüchtete und nun mit großen Plänen zurückkehrt. Der alerte Jungmanager wird jedoch sogleich von seiner alteingesessenen Familie in Beschlag genommen. Im Dorf Tauchritz gehen die Uhren anders, und bevor ein Handschlag getan wird, muss der Junge erst mal richtig essen. Bei sonntäglichen Fleisch- und Knödel-Sitzungen gelingt es Frank allmählich, Vater Theo, der Bürgermeister, für sein Projekt "Lagunenzauber" zu erwärmen.

Schnapsselige "Kameradschaftsabende" und Sabotage

Doch mit am Tisch sitzt neben Vater, Oma, gluckender Mutter und eifersüchtigem Bruder auch der deutschnationale Onkel Wigbert, der seiner alten Heimat Schlesien nachtrauert. Mit der übrig gebliebenen männlichen Dorfjugend veranstaltet der alte Schwafler schnapsselige "Kameradschaftsabende". Und als Frank mühselig Kontakt aufnimmt zu polnischen und tschechischen Nachbarn, um sie zur Mitarbeit zu bewegen, stiftet Wigbert seine Truppe zur Sabotage an. Investor Gregory, der vom Hubschrauber aus alles von oben betrachtet, freut sich derweil auf die lukrative Völkerverständigung.

Michael Schorr, aus der lieblichen Südpfalz nahe Frankreich stammend, wagte sich bereits mit seiner preisgekrönten Tragikomödie "Schultze Gets the Blues" in den "Wilden Osten". Auch diesmal ist seine Faszination für die, so der Regisseur, "terra incognita" an der Ostgrenze spürbar. Das Breitwandformat verleiht den stillen Landschaften und dem verschneiten Zittauer Gebirge einen verwunschenen Zauber. Die Menschen wirken klein und verloren in dieser an Caspar David Friedrich erinnernden romantischen Einöde, in der man hinterm Horizont Sibirien zu ahnen glaubt. So fällt es Frank leicht, seinen jagdbegeisterten Chef mit der Aussicht auf Wölfe für die Investition zu ködern. Und während die Dorfjugend von drei Seiten zur Lagunenzauber-Party strömt, gehen Gregory, Frank und der überzwerche Wigbert auf die Jagd nach hypothetischen Wolfsrudeln.

Pittoreske Antihelden

Dem Film gelingen lakonisch-satirische Streiflichter auf die eingefleischten Ressentiments frischgebackener EU-Mitglieder. Denn die melancholischen Tschechen und Polen ahnen, dass noch mehr Ewiggestrige den Paradigmenwechsel vom Volk ohne Raum zum Raum ohne Volk verschlafen haben. Dass aber der Film selbst bald einschläfernd wirkt, kommt daher, dass er den Stoizismus der Provinzler übertreibt und das Unternehmen mit der doofen Karikatur eines ahnungslosen Amis (Jürgen Prochnow) zu offensichtlich auf Scheitern trimmt. Dabei beweisen die realen "Lagunenzauber"-Vorbilder, der Freizeitpark "Tropical Island" sowie das Projekt "Berzdorfer See", bei dem nahe Görlitz Abraumhalden zu einer riesigen Seenlandschaft geflutet werden, allen westlichen Unkenrufen zum Trotz, dass Luftschlösser ganz real gebaut werden können. Aber Schorr mag seine Ostdeutschen halt lieber als pittoreske Antihelden.

Birgit Roschy/AP / AP