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"Simpsons"-Jubiläum: "Gelbe Gefahr" in der 350. Folge

Homer hat einen Dachschaden und letztlich kann nur Stephen Hawking helfen - so geht's zu in der 350. "Simpsons"-Folge, die nun ausgestrahlt wird. So richtig zum Feiern zumute war den Machern bei der Jubiläumsshow aber nicht.

Von Niels Kruse

Es ist nicht verbürgt, ob sich der Familienvater Igor Smykow jemals von China bedroht gefühlt hat. Und auch nicht, wie er im Allgemeinen und besonderen zu dem Riesenreich steht. Eine "gelbe Gefahr" hat der Russe dennoch ausgemacht: Er wittert sie viele tausend Kilometer weiter westlich, in den USA. Genauer: in Springfield.

Von dort aus propagiere nämlich eine fünfköpfige Familie "Gewalt, Brutalität, Drogenkonsum und Homosexualität". Und das jeden Tag, Punkt 19 Uhr via Fernsehen. Einen äußerst schlechten Einfluss übe die Serie auf seinen neunjährigen Sohn aus, glaubt Smykow, weshalb er drei Jahre lang versucht hat, die Ausstrahlung der "Simpsons", um die es hier natürlich geht, gerichtlich verbieten zu lassen. Erfolglos versteht sich.

Und wenn man Matt Groening, dem Schöpfer der amerikanischen Vorzeige-White-Trash-Familie glauben darf, dann wird sich Igor Smykow noch eine ganze Weile Sorgen um das seelische Wohl seines Kindes machen müssen. "Ich glaube die Show hat gerade ihre Halbzeit erreicht", sagte er anlässlich der 350. Folge, die ProSieben jetzt in Deutschland zeigt. "Das bedeutet noch weitere 17 Jahre", so Groening. Vermutlich meint er das tatsächlich als Drohung.

"Der eingebildete Dachdecker" heißt die Jubiläumsfolge und sie nachzuerzählen, würde genauso lange dauern, wie die Sendung selbst. Obwohl: Nach fast zwei Jahrzehnten hat sich die Erzählstruktur der "Simpsons" verändert. Während die früheren Folgen im Grunde nur eine Aneinanderreihung möglichst absonderlicher Geschehnisse waren, sind die Macher in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, nur noch ein bis zwei "echte" Geschichten zu erzählen.

So auch in der Jubiläumsshow: Homer hat diesmal ein Dachproblem, lernt aber praktischerweise sofort den Dachdecker Ray kennen (übrigens Ray Romano aus der bekannten Serie "Alle lieben Raymond"), der ihm auch aus der Patsche helfen will. Leider ist Homer der einzige, der den hilfsbereiten Handwerker zu Gesicht bekommt. Deshalb zweifelt die Familie Simpson am Geisteszustand des Vaters und schickt ihn zur Elektroschock-Therapie ins Krankenhaus. Dort wird er erfolgreich von Dr. Hibbert behandelt - nur, Ray taucht trotzdem wieder auf. Letztlich kann nur einer helfen: Physikerstar Stephen Hawking.

Der bekennende "Simpsons"-Fan war vor einigen Jahren schon einmal zu Gast in Springfield, neben einer Reihe von Stars und Prominenten, deren Aufzählung Seiten füllen würde. Auf ihnen finden sich Namen wie Mick Jagger, Kirk Douglas, Neil Amstrong und Harry-Potter-Erfinderin J.K.Rowling.

Gaststars mit unfreiwilliger Selbstironie

Nicht selten betteln Musiker, Schauspieler und selbst Politiker darum, mit den Simpsons auftreten zu dürfen - nur um ihr eigenes Schaffen vor einem Millionenpublikum lächerlich zu machen. Denn Einfluss auf den Inhalt haben sie nicht den geringsten. So lernt Homer in einer Folge im Irrenhaus einen Mitinsassen kennen, der sich für Michael Jackson hält. Und tatsächlich: Die Figur wird vom King of Pop gesprochen. Als Lohn für den Springfield-Besuch winkt immerhin Prestige. Die Karriere der Akte-X-Hauptdarstellerin Gillian Anderson zum Beispiel kam erst nach ihrem Gastauftritt richtig in Schwung.

Den weltweiten Erfolg verdanken die "Simpsons" ihrem kruden und bösen Humor, der mit Vorliebe auf politisch-korrektes Gutmenschentum und die bizarren Ungereimtheiten ihres Heimatlandes USA zielt. Eine Großteil der Zuschauern verbucht das hahnebüchene Treiben unter der Rubrik Satire. Andere wiederum glauben steif und fest, die "Simpsons" würden im Grunde nichts anderes als die nackte Wahrheit erzählen.

Doch nicht immer helfen Gastauftritte über maue Ideen hinweg. So auch in der 350. Episode. Sie gehört nicht gerade zu den besten, nicht einmal zu den guten. Die eindimensionale Handlung plätschert vor sich hin und nur die Auflösung von Homers "Ray-Problem" ist halbwegs originell.

"Don't fear the roofer", wie die Folge in Original heißt, war allerdings nie als Jubiläumssendung gedacht. Ursprünglich sollte "Das große Fressen" die 350. Episode werden. Doch deren Ausstrahlung musste wegen des Todes von Papst Johannes Paul II. verschoben werden - was allerdings am Sendeplan lag und nichts mit dem Inhalt zu tun hatte.

Vielleicht geht den "Simpsons" dann doch langsam die Luft aus. Verwunderlich wäre das nicht, nach all den Jahren. Auch ein anderer Dauerbrenner hat nur wenige Folgen mehr geschafft: "Dallas" lief insgesamt 357 Mal. Vielleicht bewahrheiten sich ja auch die Gerüchte, nach denen die 500. Folge die letzte sein und als Kinofilm produziert wird - zumindest ein russischer Vater würde sich über das Ende der "gelben Gefahr" freuen.