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"The Da Vinci Code": Keine Hand rührte sich zum Applaus

Selten war ein Film schon vor seiner Weltpremiere so umstritten. Doch als "The Da Vinci Code" ("Das Sakrileg") bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt wurde, gab es statt Applaus Kopfschütteln und unbeabsichtigte Heiterkeit bei den Kritikern.

Der mit Spannung erwartete Film "Das Sakrileg" ("The Da Vinci Code") ist bei seiner weltweit ersten Pressevorführung weitgehend durchgefallen. Keine Hand rührte sich zum Applaus nach der Präsentation des zweieinhalb Stunden langen Thrillers am Dienstagabend vor der internationalen Filmpresse in Cannes. Bei den Filmfestspielen in der französischen Stadt wird "Das Sakrileg" nach dem gleichnamigen Bestseller von Dan Brown an diesem Mittwochabend als Eröffnungsfilm präsentiert.

Statt Beifall gab es in der Pressevorführung eher Kopfschütteln und unbeabsichtigte Heiterkeit. "Viel Lärm um nichts", meinte ein amerikanischer Kritiker in einem Interview nach der Vorstellung. Er bezog sich damit auf die intensive öffentliche Diskussion von Film und Buch und die Proteste der katholischen Kirche.

"Gotteslästernd", "Ketzerei"

Der Vatikan und der Erzbischof von Canterbury hatten den Film schon vor seiner Weltpremiere verurteilt, in den USA wollen christliche Gruppen vor den Kinos protestieren. Auch die orthodoxe Kirche Griechenlands hat ihre Mitglieder aufgefordert, sich den Film nicht anzusehen. Auf den Färöer Inseln wird "Das Sakrileg" überhaupt nicht gezeigt. 90 Prozent der insgesamt 48.000 Einwohner der zu Dänemark gehörenden Inseln sind evangelisch. Allerdings gibt es nur zwei Kinos - einer der beiden Besitzer, Jakup Eli Jacobsen bezeichnete den Film als "gotteslästernd".

Schon während der Dreharbeiten formierte sich der Widerstand. So verweigerte die Westminster-Abtei in London dem Filmteam die Dreherlaubnis. Als der Regisseur Ron Howard mit seiner Truppe daraufhin zur Kathedrale von Lincoln auswich, demonstrierte dort eine Nonne zwölf Stunden lang gegen die "Ketzer" aus Hollywood. Seitdem sind die Proteste nicht mehr abgerissen - und je näher der Tag der Premiere rückt, desto schärfer wird der Streit.

48 Millionen könnten sich beeinflussen lassen

In dem Film kommt der Harvard-Professor Robert Langdon dahinter, dass Jesus mit Maria Magdalena verheiratet war und mit ihr ein Kind hatte, dessen Nachkommen heute noch leben. Die katholische Kirche hat zweitausend Jahre lang mit allen Mitteln versucht, dies zu vertuschen, und trachtet auch jetzt noch allen nach dem Leben, die das Geheimnis ergründen wollen.

Kein namhafter Theologe oder Historiker - egal ob gläubig oder ungläubig - nimmt dieses Szenario ernst. Doch der Vatikan ist beunruhigt, denn immerhin hat das Buch eine Auflage von 48 Millionen, und der Film könnte der größte Kinoerfolg dieses Jahres werden. Eine Umfrage unter amerikanischen Katholiken, die das Buch kennen, ergab, dass sich fast jeder Dritte davon in seiner Meinung über die Kirche beeinflussen ließ.

Opus Dei will Hinweis im Vorspann

Die katholische Organisation Opus Dei, die im "Da Vinci Code" als mörderische Sekte dargestellt wird, bat den Regisseur darum, im Vorspann darauf hinzuweisen, dass alles frei erfunden ist. Doch Oscar-Gewinner Howard weigerte sich mit der Begründung: "Spionage- Thriller fangen einfach nicht mit einer derartigen Erklärung an." Am vergangenen Wochenende stellte Hauptdarsteller Tom Hanks klar: "Wenn man einen Film - und noch dazu eine Hundert-Millionen-Dollar Produktion - für bare Münze nimmt, macht man einen großen Fehler."

In einem Interview mit dem US-Magazin "Entertainment Weekly" führte Hanks aus: "Ich glaube, dass der Film den Kirchen am Ende noch nützen kann. Wissen Sie, wenn man ein Schild aufhängt, wo draufsteht 'Am Mittwoch diskutieren wir über das Evangelium', kommen zwölf Leutchen. Aber wenn auf dem Schild steht 'Am Mittwoch diskutieren wir über den Da Vinci Code', kommen 800."

Jesus Partythema

Und da könnte er Recht haben. Der Chef von Opus Dei, Bischof Javier Echevarria, kann sich schon jetzt kaum noch retten vor Interviewanfragen. Die Zahl der Besucher seiner Website ist auf monatlich drei Millionen gestiegen. Die protestantische US-Pastorin Felisky Whitehead empfindet den "Da Vinci Code" fast als Geschenk des Himmels: "Jetzt ist es endlich völlig in Ordnung, auf Cocktail-Partys über Jesus zu plaudern." Und so werden wohl jegliche weitere Boykottaufrufe Buch und Film zu noch mehr Popularität verhelfen.

Christoph Driessen/DPA / DPA