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"The Return": Wenn das Monster in der Seele wütet

Sarah Michelle Gellar bleibt ihrer Rolle als gescheuchtes Blondchen treu: Nach dem Erfolg von "The Grudge" stolpert sie nun im Horrorfilm "The Return" auf der Suche nach ihrer Vergangenheit durch die amerikanische Prärie - und wird Spielball innerer Dämonen.

Von Andreas Klatt

Joanna (Sarah Michelle Gellar) sitzt übermüdet hinter dem Steuer ihres viel zu großen Pickups und versucht, sich mit Musik wach zu halten. Aber egal, welche Radio-Station sie einstellt, immer wieder wird die Musik von einem Rauschen unterbrochen und dann ertönt eine schräge Version von Patsy Cline's "Sweet Dreams", wie von einem kaputten Plattenspieler. Zu diesem Lied schießen ihr Erinnerungen in den Kopf, doch die Puzzlesteine passen einfach nicht zusammen: Lauter Déjà-vus von Orten, die sie nicht kennen kann, Bilder von einer anderen Frau, mit der sie sich seltsam verbunden fühlt. Schaut sie in den Spiegel, blickt sie in das Gesicht dieser Frau.

Mysteriös beginnt der neue Film mit "The Grudge"-Star Sarah Michelle Gellar. Die Angst der Filmverleiher, mit einer Fortsetzung des Gruselerfolgs verwechselt zu werden, ist groß. Dabei kommt "The Return" wesentlich stiller daher - Regisseur Asif Kapadia arbeitet mit vielen langen Aufnahmen und ohne große Worte, um den Spuk aufzubauen. Bei den meisten der amerikanischen Kritiker fiel der Film daher durch: Zu langatmig, zu wenig Handlung, klobige Dialoge, oft unlogisch.

Wer mit der Erwartungshaltung in den Film geht, einen weiteren Schocker wie "The Grudge" serviert zu bekommen, wird in der Tat enttäuscht. Diesmal geht der Schrecken auf eigene Seelenzustände zurück: "Jeder hat Angst, die Kontrolle über sich zu verlieren und von eigenen Dämonen gejagt zu werden", erklärt Drehbuchschreiber Adam Sussman seine Idee.

Weder Blutvergießen noch Geisterbahn

Mit der Darstellung des inneren Grauens der Protagonisten tritt der Film also ein wenig in die Fußstapfen von "The Blair Witch Project". Die Low-Budget-Produktion bewies bereits vor einigen Jahren, dass für einen guten Horrorfilm weder großes Blutvergießen noch die Requisiten einer Geisterbahn erforderlich sind. So ist es auch bei "The Return": In einer Szene sagt Joanna zu ihrer Freundin Michelle (Kate Beahan): "Wenn ich mich vorwärts bewege, wird mir nichts Schlimmes zustoßen." Nach dieser Devise hastet Joanna durch ihr Leben, ohne tiefe Freundschaften einzugehen. Es sind vor allem diese Nahaufnahmen der gescheuchten Sarah Michelle Gellar und die dominanten Farben eines vermoderten Waldes, die für eine gruslige Atmosphäre sorgen sollen.

Das könnte durchaus aufgehen, würde der Film nicht versuchen, gleichzeitig auch als Liebesfilm und Psychothriller zu punkten. Zu ihrem von Sam Shephard gespielten Vater unterhält Joanna ein eigentümliches Verhältnis: In Kindheits-Rückblenden wird er als fürsorglicher Beschützer präsentiert, der die schon zu diesem Zeitpunkt verängstigte Joanna tröstend in die Arme nimmt.

Identitätssuche und Vergangenheitsbewältigung

Doch spätestens als sie sich in der Gegenwart wieder treffen und entfremdet in die Leere starren, wird klar: An einem Punkt muss etwas gehörig schief gelaufen sein. Das geht sogar so weit, dass Joanna angefangen hat, sich selbst mit einem Messer zu ritzen. So streift Kapadia in seinem Film auch die Themen der Identitätssuche und Vergangenheitsbewältigung.

Dazu hat sie auf ihrer Dienstreise als Verkäuferin einer Truckfirma auch keine andere Wahl: Aus allen Ecken der überzeichnet grau dargestellten Stadt La Salle dringen Erinnerungsfetzen: Sie trifft auf den verschrobenen Terry (Peter O'Brien), dessen Frau bereits vor Jahren in dem Provinzkaff ermordet wurde: Mit seiner cowboyhaften Art ist er vom ersten Moment an dazu prädestiniert, ihren Vater zu ersetzen. Aber die Anziehung zwischen den beiden ist stärker: Sie verbindet eine gemeinsame Geschichte, von der sie nichts wissen.

In einem bisweilen bedrückend langsamen Tempo legt "The Return" diese Verbindung offen - am Ende macht er Anleihen ans Übernatürliche, die bei vielen Zuschauern auf Unverständnis stoßen dürften.

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