"Tödliche Versprechen" Das Geheimnis der toten Kindmutter


Mit "Tödliche Versprechen" ist dem kanadischen Regisseur David Cronenberg ein Thriller mit ganz eigener, inzwischen unverkennbarer Handschrift gelungen. Wie er das düstere Geheimnis eines Tagebuchs enthüllt und in Szene setzt, ist spannend, manchmal schockierend gewalttätig und doch menschlich anrührend.

Es ist ein kurzes, elendes Leben, das in einem Londoner Krankenhaus endet, weil ein Baby in die Welt will. Erst 14 Jahre alt ist das Mädchen aus der Ukraine, das mit starken Blutungen eingeliefert wird und trotz aller ärztlichen Kunst nach der Geburt ihrer Tochter stirbt. Die Hebamme Anna, Tochter aus einer englisch-russischen Ehe, ist angerührt von dem traurigen Schicksal der Toten, deren Identität völlig ungeklärt ist. Anna sichert sich das Tagebuch des Mädchens, kann es aber nicht lesen, weil es in russischer Sprache abgefasst ist. So beginnt der neue Film des kanadischen Meisterregisseurs David Cronenberg, der unter dem Titel "Tödliche Versprechen" der gerade in den Kinos angelaufen ist.

In der Rolle der jungen Hebamme Anna ist die famose Naomi Watts zu sehen. Die gebürtige Engländerin, in Australien aufgewachsen, ist so natürlich und unprätentiös wie kaum eine andere Schauspielerin ihrer Generation. Sie behauptet sich gleichwohl mühelos gegenüber drei starken männlichen Mitspielern, die allesamt zur Bestform unter Cronenbergs Regie auflaufen: Der Amerikaner Viggo Mortensen spielt den undurchsichtigen und wortkargen, dabei aber stets unter gefährlicher Spannung stehend wirkenden Chauffeur Viktor.

Armin Mueller-Stahl als netter Bösewicht

Seine Chefs sind der von Armin Mueller-Stahl dargestellte Seymon, Besitzer eines russischen Restaurants, und dessen alkohol- und sexsüchtiger Sohn Kirill, den der französische Schauspieler Vincent Cassel verkörpert. Anna gerät mit dem Besitz des Tagebuchs in den Bannkreis dieses Trios, das alles andere als harmlos ist. Denn Viktor führt ein Doppelleben, Und Seymon ist nicht nur ein hervorragender Koch, sondern auch Kopf einer russischen Verbrecherorganisation in London.

Kirill hingegen hat einen Mord am Hals, der die Zweifel des Vaters an den kriminellen und charakterlichen Fähigkeiten seines Sohnes nährt. Doch vorerst hat Seymon die größere Sorge, seine Verwicklung in das Schicksal der toten kindlichen Mutter könnte durch das nachgelassene Tagebuch nachgewiesen werden. Und das bringt Anna und ihren russischen Onkel Stepan in höchste Gefahr. Dieser Onkel wird von einem berühmten Polen gespielt, dem Schauspieler, Maler und Schriftsteller Jerzy Skolimowski. Der andere "Russe" in dem Film, Deutschlands nach Hollywood ausgewanderter Grandseigneur Mueller-Stahl, hat übrigens nicht weniger künstlerische Talente.

Ein Cronenberg-Film auch für das große Publikum

Ein bedeutender Filmemacher wie Cronenberg zieht eben die edelsten Köpfe der Branche an. Davon profitieren inzwischen nicht nur die Cineasten, für die der Kanadier aus Toronto schon lange ein Idol ist, sondern bei "Tödliche Versprechen" auch das breite Publikum. Einen besseren, ebenso tiefgründigen wie fesselnden Thriller kann sich dieses überhaupt nicht wünschen. Cronenberg bietet großes Kino, das niemand versäumen sollte.

Wolfgang Hübner/AP


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