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150. "Wetten, dass?"-Sendung: Italienische Grandezza im Berliner Velodrom

Versprecher und nicht immer gelungene Scherze spiegelten die Angespanntheit von Moderator Thomas Gottschalk. Die Stars der "Wetten, dass?"-Jubiläumsausgabe waren Sophia Loren und Udo Jürgens.

Ihr Auftritt war umwerfend. Mit italienischer Grandezza schritt Sophia Loren in rot glitzernder Abendrobe - tief dekolletiert und hoch geschlitzt - am Samstagabend die Treppe ins Berliner Velodrom zu "Wetten, dass..?" herab. Nicht nur Moderator Thomas Gottschalk geriet angesichts des Weltstars ins Schwärmen, wie man so schön 70 werden kann. Die Kultshow ist in die Jahre gekommen und mit ihr die Gäste.

Bei der 150. Folge von Deutschlands erfolgreichster Unterhaltungssendung waren die beiden 70-Jährigen - die Loren und Sänger Udo Jürgens - die umjubelten Stars der Jubiläumsausgabe. Das beharrliche Geplauder von Gottschalk über ihr Alter passte der Filmdiva allerdings nicht. Kühl ließ sie ihn abblitzen auf die Frage, ob Latin Lover wirklich besser seien als blonde Männer: "Das wüsste ich nicht, aber ich möchte es auch gar nicht wissen."

Korb für Gottschalk

Andere internationale Künstler hatten Gottschalk einen Korb gegeben. Die Schauspieler Ben Kingsley und Gerard Depardieu sagten ab. Dafür ist Udo Jürgens - gerade vor zwei Tagen mit einer Fernsehgala zu seinem 70. Geburtstag groß gefeiert - eingesprungen. So wirkte die Runde auf dem Talksofa fast so, als ob Gottschalk die kürzliche Aufforderung von "Superstar"-Promoter Dieter Bohlen, für die Hebung der deutschen Musikquote doch mehr deutsche Künstler bei sich auftreten zu lassen, sogleich umgesetzt hat.

Mit Schauspielerin Alexandra Maria Lara ("Der Untergang"), Sängerin Yvonne Catterfeld, den Komikern Otto Waalkes und Michael Mittermeier sowie dem Auftritt der HipHop-Band Die Fantastischen Vier räumte er ihnen viel Platz ein. Alt-Rocker Joe Cocker und Pop- Sängerin Shania Twain sorgten für Auslandsquote. Die erwarteten 15 Millionen Fernsehzuschauer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichte das Show-As damit allerdings nicht. 12,74 Millionen Zuschauer verfolgten nach ZDF-Angaben die Jubiläumssendung, was einem Marktanteil von 45,8 Prozent entspricht - geringfügig höher als die 43,9 Prozent beim Sommer-Special im Juli ebenfalls aus Berlin.

Werbung für Berlin

Kräftig Werbung für Berlin machte der Regierende Bürgermeister und Duz-Freund von Gottschalk, Klaus Wowereit (SPD), als Pate für die Stadtwette. Launig rief er die Hauptstädter auf, ausgerechnet den Alexanderplatz - am Nachmittag noch Schauplatz bundesweiter Proteste von mehreren Zehntausend gegen die Hartz IV-Reformen - in ein bayerisches Oktoberfest zu verwandeln.

Die Berliner ließen sich nicht lumpen und überboten die geforderten 100 Preußen in Trachtenkleidung mit Blasmusik gleich um das Fünffache. Beim Anzapfen des obligatorischen Bierfasses machte Aushilfsbayer Wowereit in Janker und Hut mit Gamsbart allerdings keine gute Figur. Mit sechs Schlägen brachte er das Fass fast zum Platzen, weshalb das Bier unten in Strömen herausschoss.

Mehr Glück hatten die Wettkandidaten, die den Hersteller eines Bürostuhls durch Sitzproben "erfühlten", 30 Bierkästen waagerecht gegen eine Wand stapelten oder 300 Luftballons in nur einer Minute den Garaus machten. Wettkönig wurde ein Süddeutscher, der als einziger seine Wette verlor. Alle 3000 Hallenzuschauer fieberten mit, als der Baumpfleger in der Außenwette am Potsdamer Platz versuchte, in nur fünf Minuten an einem Seil 100 Meter hochzuklettern.

Gottschalk zeigt Schwächen

Als geschlagene Wettpaten gaben Lara und Gottschalk ein Pas de Deux am schwingenden Seil. Zum Klettern reichte nach dreistündiger Sendung die Kraft nicht mehr. Auch sonst zeigte der gewohnt lockere Gottschalk Schwächen. Mehrere Versprecher und nicht immer gelungene Scherze spiegelten die Angespanntheit des 54-Jährigen. Vor dem Abspann gab Gottschalk die Erklärung. Sein väterlicher Freund, der jahrzehntelange Regisseur von "Wetten, dass..?", Sascha Arnz, der wie kein anderer die Sendung vom ersten Tag an bis 2002 prägte, war am Vortag seinem Krebsleiden erlegen.

Kirsten Baukhage/DPA / DPA