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Action! - Neu im Kino: Die Harten kommen in den Garten

Eine Castingshow auf Leben und Tod? Der Preis des Ruhms? Oder doch lieber Frauen, die ihre Männer zum Frieden verführen? stern.de präsentiert die wichtigsten Filme der Woche.

Von Sophie Albers

"Die Tribute von Panem - The Hunger Games"

Kinotrailer: "Die Tribute von Panem - The Hunger Games"

Regie: Gary Ross
Darsteller: Jennifer Lawrence, Liam Hemswirth, Elizabeth Banks

Die Erwartungen lassen sogar den "Twilight"-Erfolg blass aussehen: "Die Tribute von Panem" bricht vor seinem Start alle Hochrechnungsrekorde. Mehr als 100 Millionen Dollar versprechen sich die Filmverleiher vom ersten Teil der Verfilmung der gleichnamigen Bestseller-Trilogie von Suzanne Collins. Der Hype kommt geballt, könnte aber auch daran liegen, dass die Filmbranche nach "Harry Potter" und "Twilight" nach einem neuen auspressbaren Aufreger sucht. Oder es ist doch diese Geschichte, die in ihrer Härte ihresgleichen sucht: "Die Tribute von Panem" spielt in einem postapokalyptischen Amerika. Das Land ist in zwölf Distrikte aufgeteilt, deren Bevölkerung Arbeitssklaven der luxuriösen Hauptstadt sind. Um Aufstände zu verhindern, muss jeder Distrikt einmal im Jahr zwei Kinder, Junge und Mädchen, an die Metropole liefern, wo diese 24 dann in einer Art Wald-und-Wiesen-Arena auf Leben und Tod gegeneinander antreten. Das Ganze wird als Show im Fernsehen übertragen - à la "Panem sucht den Splatterstar". "Winter's Bone"-Überraschung Jennifer Lawrence spielt Katniss, eine Mädchen aus einem besonders armen Distrikt, dass sich freiwillig meldet, um seine kleine Schwester zu retten. Der Film erzählt von ihrem Weg in die Hauptstadt, der Ausbildung, dem Überlebenskampf in der Arena sowie dessen mediale Ausschlachtung. Regisseur Gary Ross ("Big", Pleasantville") wagt einen beeindruckenden Blick in eine verdammte Zukunft.

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"Ruhm"

Kinotrailer: "Ruhm"

Regie: Isabel Kleefeld
Darsteller: Senta Berger, Heino Ferch, Julia Koschitz

"Ruhm" ist Daniel Kehlmanns schlauer Nachfolger zum Megaerfolg "Die Vermessung der Welt". Kleine Geschichten von mal mehr mal weniger bekannten Menschen befassen sich mit der realen und virtuellen Wahrnehmung von deren Bekanntheit. Mal hypochondert sich ein Autor bis zur Nervgrenze, dann geht eine verkannte Autorin in der russischen Pampa verloren, dann will eine Frau ihr Leben beenden, bis wir erfahren, dass sie eine Romanfigur ist. Das ist smart, das ist elegant, und das ist umgesetzt von begnadeten Mimen wie Senta Berger und Julia Koschitz. Und auch Autor Kehlmann darf kurz mal vor die Kamera.

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"Take Shelter"

Kinotrailer: "Take Shelter - Ein Sturm zieht auf"

Regie: Jeff Nichols
Darsteller: Michael Shannon, Jessica Chastian, Shea Whigham

Angst ist ein schlechter Ratgeber, heißt es. Aber dieser Tage fällt es schwer, nicht auf sie zu hören. Das Gefühl, dass die fetten Jahre vorbei sind, dass die menschgemachte Apokalypse kurz bevorsteht, wohnt in vielen Menschen. Und ein Blick in die Nachrichten reicht aus, um die Angst wachsen zu lassen: um sich schießende Fanatiker, Klimawandel, Arbeitslosigkeit, Pandemien, Kriege. "Take Shelter" gelingt es, dieses unbestimmte Gefühl zum Film zu machen, was vor allem auch an dem grandiosen Michael Shannon liegt, der als glücklicher Familienvater mit einem guten Leben beginnt, der Angst Tür und Tor zu öffnen und sie sein Leben bestimmen zu lassen. Sein um das schreckliche Ende wissender Blick trägt durch den Film, der davon erzählt, wie der Mann seine Familie beschützen und seine Mitmenschen warnen will vor dem, was da dräut. Doch gleichzeitig fürchtet er die Schwäche seines Geistes. Und der Zuschauer kann die um ihren abdriftenden Mann besorgte Frau genauso gut verstehen, wie die Panik, die er zu kontrollieren versucht. "Take Shelter" ist großes, packendes, brandaktuelles Kino.

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"Wer weiß, wohin?"

Kinotrailer: "Wer weiß, wohin?"

Regie: Nadine Labaki
Darsteller: Claude Baz Moussawbaa, Leyla Hakim, Nadine Labaki

Nadine Labaki ist eine frische, mutige, offene Stimme des libanesischen Kinos. Mit "Caramel" hat die Regisseurin und Schauspielerin 2007 ihre Zuschauer verzaubert, als sie fern von politischem Tumult von ganz normalen Frauen mit ganz normalen Problemen in einem Friseursalon in Beirut erzählte. Nun hat sie mit "Wer weiß, wohin?" eine grandiose Tragikomödie griechischen Ausmaßes gedreht, in der Frauen alles tun, um ihre Männer vom Krieg abzuhalten - sogar osteuropäische Stripperinnen werden in die libanesische Pampa gekarrt. Das ist wunderbares, befreiendes, klischeeloses Kino, das Hoffnung macht.

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"Das Haus der Krokodile"

Kinotrailer: "Das Haus der Krokodile"

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert
Darsteller: Joanna Ferkic, Kristo Ferkic, Christoph Maria Herbst, Vijessna Ferkic

"Das Haus der Krokodile" war eine erfolgreiche ARD-Serie in den 70ern mit dem damaligen Kinderstar Thommy Ohrner. Eine Familie zieht in ein altes Haus, und der zwölfjährige Sohn stöbert so lange durch das alte Gemäuer, bis er ein Geheimnis findet: den mysteriösen Tod eines Mädchens namens Cäcilie von mehr als 20 Jahren. Könnte auch im neuen Jahrtausend funktionieren, haben sich die Macher wohl gedacht und einen Kinofilm daraus gemacht. Christoph Maria "Stromberg" Herbst spielt in dieser immer noch spannenden, traurigen wie aufregenden Neuauflage mit, und Ohrner hat einen Gastauftritt.

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