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Action! - Neu im Kino: Hättest du geschwiegen

Madonnas historischer Styleberater? Eddie Murphys große Klappe? Oder doch lieber Zombies in Tschernobyl? stern.de präsentiert die Filmstarts der Woche.

Von Sophie Albers

Kinotrailer: "W.E."

Regie: Madonna
Darsteller: Abbie Cornish, Andrea Riseborough, James D'Arcy

Sie gibt einfach nicht auf, und das ist wohl auch das Geheimnis ihres Jahrzehnte währenden Erfolges. Doch im Ergebnis sind Madonnas Versuche, sich im Filmgeschäft zu etablieren, immer wieder enttäuschend - na gut, "Evita" war ganz okay. "W.E." ist die zweite Kino-Regiearbeit der Queen of Pop, und wenn man möchte, kommt sie als Gegenentwurf zum Oscarfilm "The King's Speech" daher. Im Zentrum steht die Romanze zwischen dem britischen Thronerben Edward und der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson. Ein Skandal, der 1936 dazu führte, dass Edwards kleiner Bruder Albert (der stotternde Held aus "The King's Speech") König wurde. Madonna fühlte sich offenbar für die Ehrrettung ihrer "ruchlosen" Landsmännin verantwortlich. Und so werden wir Zeuge davon, in welchen Selbstzweifeln sich die stets perfekt gestylte Frau angeblich stets gewunden hat. Und weil das nicht reicht, hat Madonna noch die Geschichte einer betrogenen Ehefrau von heute darin verflochten, die als pathologische Wallis-Simpson-Fetischistin durchs New York der oberen Zehntausend schwebt. Das Tragische an diesem Film ist jedoch nicht die erniedrigte Frau, sondern dass die Menschen auf der Leinwand keine Sekunde lang atmen. "W.E." ist ein verfilmtes Style-Book der 30er und deren aktueller Retroversion. Das sind zuweilen tolle Bilder, nur sind einem die Menschen darin herzlich egal.

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"Chernobyl Diaries"

Kinotrailer: "Chernobyl Diaries"

Regie: Bradley Parker
Darsteller: Devin Kelley, Jonathan Sadowski, Ingrid Bolsø Berdal

2007 überrannte der Computerspiel-Programmierer Oren Peli das selbstverliebte Hollywood mit einem Kinokassensturm: Sein selbstgeschriebener, selbstgedrehter, selbstproduzierter Pseudo-Doku-Horror "Paranormal Activity" hatte in der Herstellung gerade mal 11.000 Dollar gekostet. Eingespielt hat die Dämonen-im-Reihenhaus-Geschichte fast 200 Millionen. Peli ist seitdem ein gemachter Mann mit Standleitung zu Steven Spielberg. "Paranormal Activity 5" ist in Arbeit, und ihm wird Geld hinterhergeworfen, damit das Publikum die Gänsehaut gar nicht erst los wird. Das hat er unter anderem in "Chernobyl Diaries" gesteckt. Die Umsetzung seines Drehbuches hat er allerdings Nachwuchsregisseur Bradley Parker überlassen: US-Touristen fahren zwecks Extremurlaub nach Tschernobyl und lassen sich die tote Zone zeigen. Als der Wagen des Touristenführers nicht anspringt, bemerken sie, dass sie nicht allein sind. Einen Überraschungserfolg kann man schlecht wiederholen. "Chernobyl Diaries" versucht es nicht einmal und wird zum klassischen Zombiehorrortrip. Aber die Idee war genial.

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"Wanderlust - Der Trip ihres Lebens"

Kinotrailer: "Wanderlust - Der Trip ihres Lebens"

Regie: David Wain
Darsteller: Paul Rudd, Jennifer Aniston, Justin Theroux

Für Jennifer-Aniston-Fans ist diese Beziehungskomödie über ein New Yorker Powerpärchen, das aussteigt, ein Muss. Die anderen mögen vielleicht ihren wunderbaren Filmpartner Paul Rudd ("Our Idiot Brother") oder den berüchtigten Produzenten Judd Apatow ("Jungfrau (40), männlich, sucht). Die Geschichte geht jedenfalls so: George (Rudd) und Linda (Aniston) verlieren Jobs und Apartment, landen in einer Hippie-Kommune in Georgia und müssen im gutgelaunten Chaos ihr Leben und die Liebe neu ordnen. Das tun sie zuweilen mit wunderbar ätzendem Humor. Und wie immer ist nicht alles Freiheit, was nach Haschisch riecht.

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"Wagner & Me"

Kinotrailer: "Wagner & Me"

Regie: Patrick McGrady
Darsteller: Stephen Fry

Immer wieder geht der britische Schauspieler, Comedian, Schriftsteller, Dichter, Journalist, TV-Moderator, Regisseur und Fußballclubvorstand Stephen Fry auf Wissensreise. Sei es zur Entdeckung Amerikas, auf den Spuren der Buchdruckkunst oder dem besseren Verständnis von Aids. Fry geht hin, stellt Fragen und verändert immer wieder den Blickwinkel, damit der Zuschauer möglichst viel zu sehen bekommt, um sich selbst ein Bild machen zu können. Und das alles wird serviert mit feinstem britischen Humor! Diesmal hat Fry sich den umstrittenen deutschen Komponisten Richard Wagner (1813 bis 1883) vorgenommen. Die Frage lautet, ob ein Kunstwerk auch ohne seinen Schöpfer funktioniert. Wie viel Antisemitimus steckt in der Musik, die den Nazis als Propaganda-Instrument diente? Fry selbst ist seit Kindertagen ein Verehrer des Komponisten und scheut auf dem Weg nach Bayreuth keinen noch so tiefen Stich in das europäische Kulturerbe.

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"Dein Weg"

Kinotrailer: "Dein Weg"

Regie:Emilio Estevez
Darsteller: Martin Sheen, Deborah Kara Unger, Emilio Estevez

Nun hat nach Hape Kerkeling auch noch Hollywood den Jakobsweg für sich entdeckt! 80er-Jahre-Leinwandbeau und Regisseur Emilio Estevez ("Breakfast Club", "Bobby") hat den eigenen Vater in diesem Selbstfindungstrip inszeniert. Der braucht auch wirklich mal ein bisschen Auszeit bei all dem Brass mit dem ungeratenen Sohn Charlie ("Two and a Half Men"). Martin Sheen ("Apocalypse Now", "The Departed") spielt einen gutsituierten Augenarzt und Golfer, der es unerträglich findet, als sein Sohn in der alten Welt auf dem Jakobsweg nach dem Sinn des Lebens sucht. Doch als er erfahren muss, dass der Spross auf der Hälfte der Pilgerstrecke ums Leben gekommen ist, fährt er selbst hin, um den Weg zu Ende zu gehen. Und weil der Weg bekanntlich das Ziel ist, lernt der grantelige Mann viele seltsame Charaktere kennen, die ihm helfen, seinen Sohn und sich selbst besser zu verstehen ... Irgendwie war Hapes Version unterhaltsamer. Wir sind dann mal weg.

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"Noch tausend Worte"

Kinotrailer: "Noch tausend Worte"

Regie: Brian Robbins
Darsteller: Eddie Murphy, Kerry Washington, Emanuel Ragsdale

Eddie Murphy hat als "Glücksritter", "Beverly Hills Cop", "Prinz aus Zamunda" oder auch "Dr. Dolittle" die 80er und 90er zugequatscht. Der Superschwätzer war einfach nicht zum Schweigen zu bringen. Die "Shrek"-Filme haben dieser Logorroeh mit dem quasselnden Esel sogar ein Denkmal gesetzt. Erstaunlich, dass es erst jetzt den Film gibt, in dem Eddie Murphy die Worte ausgehen! Literaturagent Jack hat sich sein Leben lang rausgeredet, seine Mitmenschen waren ihm dabei weitestgehend egal. Doch dann textet er den Falschen voll: Der New-Age-Guru Dr. Sinja durchschaut Jacks Masche und verflucht ihn. Im Garten steht plötzlich ein Baum, der pro gesprochenem oder geschriebenem Wort ein Blatt verliert. Wenn keine Blätter mehr da sind, stirbt der Baum. Und auch Jack. Eddie Murphy wäre nicht Eddie Murphy, wenn er aus der Wortlosigkeit nicht alle möglichen und unmöglichen Grimassen herausholen würde. Und am Ende - nach einem sehr körperlichen Selbsterfahrungstrip - kann er den natürlich retten. So schön heile 80er ist das Kino heute selten.

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