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Berlin: Elf Verletzte bei Dreh zu Tom Cruise-Film

Bei den Dreharbeiten zum Hitler-Attentat-Verfilmung "Valkyrie" sind elf Statisten verletzt worden, einige schwer. Der Film wird derzeit in Berlin gedreht und steht mit dem bekennendem Scientologen Tom Cruise in der Hauptrolle in der Kritik.

Bei den Dreharbeiten zum Film "Valkyrie" mit Hollywoodstar Tom Cruise sind in Berlin elf Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer. Sie waren bei den Aufnahmen in Berlin-Mitte in einer Kurve von einem Lastwagen gestürzt, teilte die Polizei am Montag mit. Die Dreharbeiten wurden daraufhin abgebrochen. Der Lastwagen wurde sichergestellt und soll auf technische Mängel hin untersucht werden. Ob die Dreharbeiten wie geplant am Montagmorgen weitergehen, war zunächst noch nicht bekannt.

Dreharbeiten vor Originalkulisse

In dem Film von Regisseur Bryan Singer spielt Cruise den Hitler- Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Der Streifen um das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 wird zum Teil am historischen Ort im Berliner Regierungsviertel gedreht. Am einstigen Reichsluftfahrtministerium in der Wilhelmstraße, wo heute das Bundesfinanzministerium untergebracht ist, wurden mit Statisten in Wehrmachtsuniform mehrere Szenen gedreht. In dem Film von Regisseur Bryan Singer ("Die üblichen Verdächtigen") spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Der Hollywoodstar selbst war am Tag des Unfalls nicht dabei.

Für die Dreharbeiten wurde Bereiche der Leipziger Straße sowie der Wilhelmstraße bis Montagmorgen abgesperrt. Die Aufnahmen zu dem Film "Valkyrie" hatten Mitte Juli in Brandenburg begonnen. Der Film hatte schon vor Drehbeginn für Aufsehen gesorgt, weil Cruise bekennender Anhänger der Scientology-Organisation ist. Es gab außerdem keine Drehgenehmigung für den historischen Schauplatz im Berliner Bendlerblock, wo Stauffenberg und drei Gleichgesinnte hingerichtet wurden.

Schäuble warnt vor Scientology

Die Dreharbeiten mit Hollywoodstar und Scientology-Mitglied Tom Cruise rufen Politiker und Sektenexperten auf den Plan. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnte vor der Organisation: Scientology verfolge Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und werde deshalb vom Verfassungsschutz beobachtet, sagte der CDU-Minister der Berliner Tageszeitung "B.Z. am Sonntag". Scientology wolle Grund- und Menschenrechte außer Kraft setzen und damit die freiheitliche Verfassung abschaffen, sagte Schäuble. Den Film mit US-Schauspieler Cruise wolle er sich dennoch ansehen, wird der Minister zitiert. Der Berliner Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche, Thomas Gandow, warf Cruise in der "Rheinischen Post" vor, nach Deutschland gekommen zu sein, um die Bewegungsfreiheit der Organisation auszudehnen.

Stauffenberg-Enkel verteidigt Schauspielrolle in "Valkyrie"

Der Enkel des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat seine Mitarbeit als Schauspieler an der umstrittenen Verfilmung hingegen verteidigt. "Meine Rolle ist winzig", sagte Philipp von Schulthess der "Welt am Sonntag". "Zwei Sätze - das war's." Die Bedenken gegen den Widerstandsfilm kann der 34-Jährige demnach nicht nachvollziehen. "Vor was haben die Leute eigentlich Angst? Dass es ein Scientologywerbefilm wird?" Diese Befürchtung sei lächerlich. Dass Cruise ein Scientologe ist, sei ihm egal. "Was Cruise privat macht, geht mich nichts an", betonte der Stauffenberg-Enkel.

Er finde es vielmehr großartig, dass sich ein Amerikaner der Geschichte seines Großvaters annehme. Deshalb habe er sich bei der Casting-Agentur beworben. "Natürlich wussten die, dass ich der Stauffenberg-Enkel bin", sagte er. "Das war gewissermaßen mein Ass im Ärmel." Die Mutter des 34-Jährigen, Konstanze von Schulthess Rechberg, ist die jüngste Tochter des Hitler-Attentäters. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Philipp von Schulthess spielt in dem Film einen Adjutanten.

DPA/AP / AP / DPA