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Berlinale: Starfeuerwerk draußen, ernste Filme drinnen

Die 53. Berlinale ist am Eröffnungswochenende richtig durchgestartet: Während draußen auf dem roten Teppich noch internationale Stars wie Nicole Kidman, George Clooney und Nicolas Cage begeisterten, ging es in den Kinosälen um viel ernstere Themen.

Die 53. Berlinale ist am Eröffnungswochenende richtig durchgestartet: Während draußen auf dem roten Teppich noch internationale Stars wie Nicole Kidman, George Clooney und Nicolas Cage für Begeisterung sorgten, ging es drinnen in den Kinosälen schon wieder um ganz andere und viel ernstere Themen. Filme über die Todesstrafe in den USA, Depressionen, den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens und das Schicksal afghanischer Flüchtlinge erschütterten die Zuschauer. Für Festivalchef Dieter Kosslick kein zu großer Gegensatz: «Die Berlinale ist ein Arbeitsfestival mit vielen Stars», sagt er.

Der deutsche Wettbewerbsbeitrag «Good Bye, Lenin!» von Wolfgang Becker stieß unterdessen in einer ersten Aufführung vor deutschen und ausländischen Journalisten am Samstagabend auf nur wenig Resonanz: Die Zuschauer reagierten vielmehr mit irritiertem Schweigen. Am Sonntagabend sollte die offizielle Gala-Premiere stattfinden.

Eindeutige Favoriten für den Goldenen Bären sind also noch nicht auszumachen. Dennoch dominierte Hollywood in den ersten Tagen den offiziellen Wettbewerb der bis zum 16. Februar dauernden Internationalen Filmfestspiele Berlin. Vor allem Nicole Kidman bezauberte die Festivalgäste. Viel Applaus erhielt am Sonntag der bereits für einen Oscar gehandelte Film «The Hours» von Stephen Daldry, in dem Kidman die depressive Schriftstellerin Virginia Woolf spielt.

«Ich selbst hätte mich eigentlich nicht für diese Rolle ausgewählt», gestand die blond gelockte Schauspielerin. Sie habe zunächst gedacht, Meryl Streep werde die englische Autorin verkörpern. In «The Hours» wird auf raffinierte Art das Leben und Werk von Virginia Woolf mit dem Schicksal einer in den 50er Jahre lebenden Hausfrau (Julianne Moore) und einer in der Gegenwart lebenden Lektorin (Meryl Streep) verknüpft. Erst für den Film habe sie sich intensiver mit Woolf beschäftigt, sagte Kidman. «In der Schule habe ich Virginia Woolf gehasst, damals liebte ich die Bronte- Schwestern.»

George Clooney kam mit gleich mit zwei Filmen zur Berlinale: In Steven Soderberghs Neuverfilmung von Andrej Tarkowskijs Science- Fiction-Drama «Solaris» spielt er die Hauptrolle - um die Karten für diese Filmvorstellungen prügelten sich die Clooney-Fans fast. Mit «Confessions of a Dangerous Mind» über die amerikanische Fernsehlegende Chuck Barris gibt der Frauenschwarm am Montag außerdem sein Regiedebüt.

Zwischen Club-Besuch und einer großen «Solaris»-Party im Backwerk am Prenzlauer Berg sprach der Star dann auch von den Schattenseiten des Berühmtseins: «Privatheit existiert nicht», meinte Clooney. «Die Menschen haben eine sehr persönliche Beziehung zu mir, weil sie mich aus dem Fernsehen kennen, wo sie mich ab- und anstellen können wie sie wollen», meinte der durch die Krankenhausserie «Emergency Room» bekannt gewordene Schauspieler. Da komme es dann schon vor, dass die Leute auf der Straße einfach auf ihn zugingen und umarmten.

Nicolas Cage wurde für seine Leistung in Spike Jonzes schwarzer Komödie «Adaption» gefeiert. Das Spielen einer Doppelrolle in dem Film um einen Drehbuchautor mit Schreibblockade und seinen Zwillingsbruder habe ihn allerdings sehr viel Nerven gekostet, meinte Cage. «Ich habe fast den Verstand verloren, weil ich immer zwischen den beiden Figuren hin und herspringen musste.» Kevin Spacey beeindruckte in dem Psychothriller «Das Leben des David Gale» von Alan Parker als Aktivist gegen die Todesstrafe, der selbst zum Tode verurteilt wird.

Nach der Star-Parade rückt zum Wochenbeginn dann endgültig der deutsche Film in den Mittelpunkt des Interesses. Nach der «Good Bye, Lenin!»-Premiere am Sonntagabend geht am Dienstag Hans-Christian Schmids Episodenfilm «Lichter» an den Start.

Von Elke Vogel, dpa