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Berlinale Update: Nazis im Mond

Keine Berlinale ohne Filme über Nazis. Nach dem letztjährigen Festivalskandal um "Jüd Süß - Film ohne Gewissen" ist es diesmal die nette Komödie "Mein bester Feind". Der Web-Aufreger "Iron Sky" läuft im Markt. Und Uwe Boll musste draußen bleiben.

Sophie Albers, Berlin

Was machst du gerade? Entdecken, dass der Himmel blau ist

Energiepunkte:

Bin wieder bei satten 100 Prozent. Danke Adlon-Schokokekse!

Film des Tages:

"Mein bester Feind" ist der diesjährige Berlinale-Film zum traditionellen Thema Drittes Reich. Wolfgang Murnbergers nette Komödie ist der Gegenentwurf zum Festival-Aufreger des vergangenen Jahres: Oskar Röhlers schrillem "Jüd Süß - Film ohne Gewissen". Praktischerweise spielt auch wieder Moritz Bleibtreu mit. 2010 war er Propagandaminister Joseph Goebbels, diesmal ist er "der Jude" Victor Kaufmann, Galeristenspross und bester Freund von Haushälterinnensohn Rudi (Georg Friedrich), der seine Freundschaft und Loyalität jedoch an die SS verkauft. Gemäß "Kleider machen Leute" verdreht eine Uniform schließlich das Opfer-Täter-Gefälle. Dann gibt es noch eine Verlobte, die beide Männer lieben, und eine echte Michelangelo-Zeichnung, die Hitler Mussolini schenken will, die aber Vater Kaufmann gehört. Wegen der holt Rudi einen (erstaunlich wohlgenährten und entspannten) Victor nach fünf Jahren wieder aus dem KZ.

Was die Welt nicht braucht:

Prügelnde Menschen vor Kinosälen. Es ist nur ein Film!

Was die Welt dringend braucht:

Humor

Sichtung des Tages:

Die Aura von Ehrenbär-Preisträger Armin Mueller-Stahl. Manche Leute haben es einfach - andere eben nicht

Zitat des Tages:

"Die Uniformen waren geil" ("Mein bester Feind"-Schauspieler Georg Friedrich über die Macht der SS-Uniform)

News des Tages:

"Kosslick tritt zurück" ist ein Gerücht, das tuschelnd, wispernd, raunend die Runde macht. Manche wollen sogar wissen, dass er kommende Woche "den Gottschalk macht". Aus dem unmittelbaren Umfeld des Festivalchefs heißt es jedoch: "Seit zwei Tagen geht das rum, aber es stimmt nicht. Keine Ahnung, wo es herkommt."

Und mal so nebenbei:

Der seltsamste Nazi-Film der Berlinale läuft nur im Markt. "Iron Sky" ist eine zehn Millionen Dollar teure finnisch-deutsch-australisch koproduzierte Comic-Fantasy über Nazis auf dem Mond, die weiterhin führertreu die Invasion der Erde planen, um die Niederlage im Zweiten Weltkrieg zu rächen. Vergangene Woche war Drehschluss. In Israel ist der Film schon länger Thema. In Deutschland wurde der Teaser auf Youtube gesperrt, sagt Produzent Tero Kaukomaa, der die zuweilen verstörten Reaktionen der Filmeinkäufer gefilmt hat. Der Verleih in Australien, Neuseeland, dem größten Teil Europas und einem Teil Asiens sei gesichert.
Und Uwe Boll will die Berlinale übrigens verklagen. Weil sein Film "Auschwitz" (ein fiktiver Film über den Alltag im Konzentrationslager) in keiner Sektion angenommen wurde, will der "Bloodrayne"-Regisseur seine Einreich-Gebühr zurück