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Trailer im Netz: Trash-Regisseur Boll provoziert mit Auschwitz-Film

Der Regisseur gilt als Trash-Ikone. Und nun will ausgerechnet Uwe Boll das KZ Auschwitz zeigen, wie es wirklich war. Allein der Filmtrailer sorgt für Empörung, Verwirrung und Panik.

Von Sophie Albers und Matthias Schmidt

Man sollte es besser machen als in der Diskussion um Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab", dessen Thesen diskutiert wurden, bevor das Buch überhaupt vollständig gelesen worden war. Von "Auschwitz" existiert bisher nur ein Trailer im Internet. Laut Regisseur Uwe Boll befindet sich der Film in der Postproduktion. Nächstes Frühjahr soll er in die Kinos kommen. Aber es ist so: Die Worte Auschwitz und Uwe Boll in einem Satz lassen das Schlimmste befürchten.

Der für - dem Trash-Genre zugeordnete - Filme wie "Blood Rayne" und "Far Cry" berüchtigte deutsche Regisseur, der eigentlich gerade für sein Boxer-Biopic "Max Schmeling - Eine deutsche Legende" werben will, hat einen Film über das Konzentrationslager Auschwitz angekündigt. Den Ort, der als menschengemachte Hölle in die Geschichte eingegangen ist, den Ort, der für alle Zeiten für die industrielle Tötung von Menschen steht, dessen Name Synonym für die systematische Vernichtung der europäischen Juden ist.

Aufklärer statt Provokateur

Boll ist derzeit in Kanada, wo er wegen der günstigen Kosten produziert, und kommt Ende des Monats für die "Schmeling"-Weltpremiere nach Berlin. Der Verdacht, dass das Reizwort Auschwitz auch Aufmerksamkeit für den Boxer liefern soll, liegt nahe. Der angriffslustige Regisseur, der einst Kritiker in öffentlichen Boxkämpfen verprügelte, der seine Werke mit eigenen Filmfonds finanzierte und der mit einem beeindruckenden Selbstbewusstsein ausgestattet ist, sieht sich allerdings als Aufklärer: Sein Film zeige das Konzentrationslager Auschwitz erstmals, "wie es wirklich war. Wir zeigen alles", so Boll in einem Radiointerview, das auf Youtube zu hören ist. Zuviel für die meisten Augen und Ohren zeigt schon der Trailer: Menschen werden vergast, verbrannt und verstümmelt.

Von Stanley Kubricks Meinung, dass eine wahrheitsgetreue Darstellung der Shoah nicht möglich sei, weil unerträglich, hält Boll wenig: "Das kann Kubrick so sehen, aber klar kann man den Horror zeigen", erklärt Boll im Interview mit dem stern. "Einen Film, der sich eben nicht darum kümmert, ob das zu schlimm ist oder zu brutal. Der einfach mal zeigt, wie dort massenhaft Leute vergast wurden, wie sie umgebracht wurden wie Vieh in einer Fleischfabrik." Mit "irgendwelchen Sophie Scholl-Filmen" erreiche man die Jugendlichen nicht mehr. "'Nacht und Nebel', die berühmte Doku von Alain Resnais, ist auch superbrutal, und trotzdem das Beste, was zu Auschwitz existiert."

"Kein Folterporno wie 'Saw'"

Gegen den von zahlreichen Boll-Gegnern vorgebrachten Vorwurf der Respektlosigkeit gegenüber dem Thema verteidigt der Filmemacher sich mit dem Argument, auch dokumentarisch gearbeitet zu haben: "Sobald die Leute den fertigen Film sehen, werden sie merken, dass mein 'Auschwitz' kein Gewalt verherrlichender Folterporno wie 'Hostel' oder 'Saw' ist. Das Töten dauert nur 20 Minuten, der Rest besteht aus Lagerroutine und einem Dokumentarteil, für den ich an deutschen Schulen junge Leute zum Thema Auschwitz interviewt habe. Erstaunlich, wie wenig die wissen!"

Spätestens im Frühjahr ist also erneut mit einer Diskussion zu rechnen über das, was das Kino zeigen darf und was nicht. Aber das "Dürfen" hat Boll noch nie interessiert.

Lesen Sie das ganze Interview mit Uwe Boll am Donnerstag im stern.