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Henry Maske als Schauspieler: "Max Schmeling" ohne jegliche Inspiration

Stehend k.o. - In Uwe Bolls misslungener Sportlerbiografie "Max Schmeling" boxt sich Henry Maske nur mit Mühe durch.

Ein Boxfilm soll es gewesen sein, der 1921 den 16-jährigen Max Adolph Otto Siegfried Schmeling aus der Uckermark dazu bewog, in den Ring zu steigen. Man kann froh sein, dass es sich dabei nicht um Uwe Bolls Kinobiografie über Schmelings Leben handelte. Denn sonst wäre dem deutschen Volk womöglich eine sportliche Erfolgsgeschichte entgangen, und der junge Max hätte sich eher einer anderen Profession, wie vielleicht Lokomotivführer, zugewandt.

So aber legte der Sohn aus einfachem Hause eine steile Boxerlaufbahn hin, die ihm Ruhm und Legendenstatus einbrachte: Bereits 1930 war er Weltmeister, heiratete drei Jahre später die Filmschauspielerin Anny Ondra und sorgte am 19. Juni 1936 mit seinem Knockout des als unbesiegbar geltenden Amerikaners Joe Louis, genannt "der braune Bomber", für eine Sensation. Die Nazis waren damals längst an der Macht, vor ihren Karren spannen ließ sich Schmeling, dem es stets um sportliche Werte ging, nur bedingt. Zur Strafe schickten sie ihn an die Front. Doch auch der Zweite Weltkrieg konnte den einfach gestrickten, aber zähen Fighter nicht in die Knie zwingen.

Und nun also Uwe Boll. Der für eilig heruntergekurbelte Videospielverfilmungen à la "Dungeon Siege" geschmähte Regisseur tritt natürlich nicht an, um ein Nationalheiligtum vom Sockel zu fegen. So inszeniert er brav und bieder ein "Biopic" nach Schema F: Ohne jegliche Inspiration wird die bewegte Schmeling-Story der Reihe nach durchexerziert. Hier ist es schon der höchste aller stilistischen Kniffe, das eigentliche Geschehen in eine Rahmenhandlung einzubetten, die den in Erinnerungen schwelgenden Schmeling und einen britischen Gefangenen auf dem Nachhauseweg aus dem Krieg zeigt. Tenor: "Das ist eine lange Geschichte."

Natürlich steht und fällt ein Film über einen Boxer mit seinen Boxsequenzen. Leider ist auch in dieser Hinsicht wenig Erfreuliches zu vermelden: Die zahlreichen Kämpfe ähneln sich wie ein Handschuh dem anderen. Selbst wenn man die Hollywood-Dynamik eines "Rocky" für spekulativ hält, hätte man sich doch etwas mehr davon bei Schmelings Einsätzen gewünscht. Gleiches gilt für die Figurenzeichnung, bei der die Nazis so sein müssen, wie die Nazis eben so sind, und der Rest des Ensembles, inklusive eines unterforderten Heino Ferch als befreundeter Trainer, eher müde aus der Wäsche guckt.

Was geradewegs zum Hauptproblem des Films führt: So schlagzeilenträchtig Bolls Coup auch war, keinen Geringeren als den ehemaligen Boxchampion Henry Maske für die Hauptrolle zu gewinnen, so sehr stellt sich diese Entscheidung als Fehlbesetzung heraus. Möglich, dass die etwas tumbe Naivität der Titelfigur im Drehbuch stand; bei Kino-Neuling Maske wirkt sie jedoch alles andere als gespielt. Dieses unfreiwillige "method acting", gepaart mit der Tendenz, die Dialoge dumpf herauszunuscheln, sorgt für ungewollte Heiterkeit. Kein Zweifel zwar: Der Mann hat Präsenz - vor allem mit freiem Oberkörper. Nur den Mund, den sollte er besser nicht aufmachen.

Andreas Dosch, APN / APN