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Satire: Radiosender boykottieren "Postal"-Werbespots

Der umstrittene deutsche Regisseur Uwe Boll hat wieder Ärger mit seinem Film "Postal": Verschiedene Radiosender weigern sich, Werbung für die politisch inkorrekte Satire zu spielen. Die Spots bestehen aus witzig gemeinten Nachrichten von Osama bin Laden - und die Sender haben Angst.

Von Ralf Sander

Rockmusik im Hintergrund. Ein Mann sagt auf Deutsch, mit imitiertem arabischen Akzent: "Hallo, ich bin Osama bin Laden, und Dick Cheney ist nicht der einzige Mann, der mit Condoleeza Rice geschlafen hat."

Oder Osama sagt: "... und wenn ich nicht gerade dabei bin, Ungläubige umzubringen, trinke ich gerne ein Tässchen Kaffee, mit zwei Stück Zucker und ein bisschen Milch".

Oder: "... und fünf Prozent von dem Profit von 'Postal' gehen an die Al Kaida"

Elf Sekunden dauert jeder dieser Radiowerbespots für den Film "Postal", die politisch inkorrekte Brachialsatire des deutschen Regisseurs Uwe Boll. In dem Film spielen unter anderem eine Karikatur bin Ladens und Gruppe grenzdebiler Taliban mit.

Die meisten Radiokonsumenten in Deutschland werden diese Spots nicht zu Gehör bekommen. Viele Stationen weigern sich, die Werbung abzuspielen. Bolls Kommunikationsberater Hasso Mansfeld nennt sieben boykottierende Stationen und Senderketten, darunter das WDR-Jugendradio 1Live und Radio Hamburg. Laut Mansfeld laute die Begründung für die Ablehnung: Angst vor islamistischen Protesten. Zwei Sender - Kiss FM in Berlin und Charivari in München - würden die Werbung laufen lassen, allerdings werde derzeit geprüft, ob die Rundfunkkampagne unter diesen Bedingungen überhaupt gestartet werden sollte, so Mansfeld.

Eine Sprecherin von Radio Hamburg (RHH) sagte gegenüber der Nachrichtenagentur DDP, die Spots seien "geschmacklos", und als Privatsender wolle RHH nicht mit "solchen Terrorgeschichten" in Verbindung gebracht werden. Außerdem könne nicht ausgeschlossen werden dass Hörer tatsächlich glauben, bin Laden habe sich mit einer geheimen Botschaft in Programm geschlichen. Boll-Sprecher Mansfeld dazu: "Das ist absurd: Wenn dieser Spot zwischen Werbung für Nutella und Feinstrumpfhosen läuft, soll den jemand für echt halten? Am Ende wird doch sogar gesagt, dass es sich um einen Film handelt."

Regisseur Boll lässt mitteilen, er halte den Boykott für "einen unerhörten Skandal, dass in Deutschland zum wiederholten Male aus Angst vor Reaktionen von intoleranten Demokratiefeinden kulturelle Selbstzensur geübt wird".

Stefan Hoppe, Verkaufsleiter bei Hamburgs Radiovermarkter more Radio, sagt zum Thema:"Wir lehnen sehr selten Werbung ab. Von 100 Werbespots ist vielleicht einer dabei, der nicht unsere Kriterien erfüllt. Dann geht es immer um Sex, Gewalt oder Politik."