Film "And the winner is: Hans Eichel?"


Zwar ist bei der kommenden Oscar-Verleihung offiziell nur ein deutscher Film nominiert, aber bei 46 andere nominierte Filme wurden mit Geld aus deutschen Filmfonds finanziert.

Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung ist immerhin mal wieder ein deutscher Film nominiert worden. Caroline Link kämpft mit ihrem Werk "Nirgendwo in Afrika" um die begehrte Trophäe. Ziemlich bescheiden, mag man meinen. Dabei sind die Deutschen bei weit mehr Nominierungen dabei, als gemeinhin angenommen. Genauer, der deutsche Steuerzahler. Denn nach Berechnungen des Regisseurs und Fondsexperten Uwe Boll wurden 46 der diesjährigen Oscar-Nominierungen mit Geld aus deutschen Filmfonds und damit auch des deutschen Steuerzahlers finanziert. Das könnte private Anleger der Fonds freuen, die um mehr Geld kämpfende Filmbranche dagegen weniger.

Unglaublich komplizierte Finanzierung

Das Dilemma des deutschen Kinofilms wurde nie so deutlich wie an Hand dieser Zahlen. Streifen wie "Good bye, Lenin" sind zwar hoch gelobte Filme, die Finanzierung von Produktionen wird hier zu Lande hingegen immer komplizierter. Banken halten sich angesichts der Probleme im Kreditgewerbe zunehmend zurück mit frischem Geld für Filmproduzenten. Auch TV-Stationen achten auf die Kosten. Und Gelder privater Anleger aus deutschen Medienfonds fließen immer häufiger nach Hollywood statt nach Babelsberg. Was laut Filmemacher und Fondsexperte Boll auch an der Steuergesetzgebung liegt, die US-Produktionen fördert und die deutsche Filmwirtschaft austrocknet.

Milliarden flossen in Medienfonds

In den vergangenen Jahren wurden Milliarden für Medienfonds eingesammelt. 2002 stellten Privatanleger nach Berechnungen des Fondsexperten Stephan Loipfinger 1,6 Milliarden Euro bereit, im Jahr davor etwa zwei Milliarden und im Jahr 2000 rund 2,1 Milliarden Euro. Einschließlich der von Banken bereit gestellten Fremdmittel hätten in den vergangenen fünf Jahren deutsche Medienfonds zehn Milliarden Euro investiert. 85 Prozent dieser Gelder seien aber ins Ausland geflossen und davon wiederum überwiegend nach Hollywood. Der deutsche Fiskus hat kräftig mitgezahlt, denn die steuerlichen Vorteile sind gleich.

Eichel erfolgreichster Kreditbeschaffer

Boll zufolge haben deutsche Filmfonds unter anderem sämtliche fünf Filme finanziert, die in der Kategorie "Bester Film" nominiert wurden. Deutsche Kapitalgeber hätten in Werke wie "Herr der Ringe", "Chicago" und "Gangs of New York" insgesamt 385 Millionen Dollar investiert. Da Investitionen in Filmfonds steuerbegünstigt sind, gehen mit 204 Millionen Dollar mehr als die Hälfte davon zu Lasten des deutschen Fiskus. Boll: "Es ist zu überlegen, ob auch Herr Eichel einen Oscar für die erfolgreichste Kapitalbeschaffung bekommt."

Lohnendes Investment

Der Initiator von Filmfonds hält dabei Investments in Medienfonds trotz der Unsicherheiten weiterhin für lohnend. Allerdings müsse die steuerliche Bewertung von Medienfonds wesentlich vereinfacht werden, wird Boll nicht müde zu fordern. So sollte bei "Schlüsselpersonen" wie dem Regisseur, Produzenten, Kameramann oder auch dem Drehort ein bestimmter deutscher Anteil erreicht werden. So könnte erreicht werden, dass deutsche Medienfonds auch als einheimische Produktionen steuerlich anerkannt werden, erklärte Boll, der in Deutschland als einziger Regisseur, Produzent und Fondsanbieter in Personalunion ist.

Bewertungsmodell gefordert

Boll geht davon aus, dass bei Einführung eines Bewertungsmodells "die für Deutschland effektlosen Transfers von Milliarden deutscher Steuergelder nach Hollywood" sofort aufhören. Ähnlich sieht das Loipfinger, der sich für klare Vorgaben bei der steuerlichen Förderung von deutschen Filminvestitionen ausspricht. "Hier ist der Gesetzgeber gefordert. Aber die schlafen seit Jahren."


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