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Matt Damon: Ich bin total überzeugt von Barack Obama

In "Der gute Hirte" spielt Matt Damon einen wortkargen CIA-Agenten, dem der Dienst fürs Vaterland wichtiger ist als sein Privatleben. Im stern.de-Interview erzählt Damon, wie wichtig ihm Politik ist und wie er in Hollywood ein Privatmann bleibt.

Herr Damon, wie war es für Sie, mit Robert De Niro zu arbeiten?

Am Anfang war ich unglaublich aufgeregt und nervös. Er hat mich das sofort vergessen lassen. Ich hatte keine Zeit, mich richtig vorzubereiten. Bob (Robert De Niro, d. Red.) beruhigte mich, er hätte schließlich acht Jahre an diesem Film gearbeitet und eine genaue Vorstellung von dem, was er will. "Vertrau mir einfach", sagte er, "wir können jeden Augenblick anfangen und es wird gut." Wenn mir Robert De Niro so etwas sagt, dann glaube ich das. Was mich an Bob so fasziniert, ist diese Diskrepanz zwischen seiner unglaublichen Arbeit, dieser Aura, die ihm vorauseilt, und dem, wie er als Mensch ist: nämlich unglaublich nett und umgänglich. Wir alle haben ihn bewundert. Trotzdem schafft er diese entspannte Arbeitsatmosphäre. Mit ihm an etwas zu arbeiten, das ihm so wichtig ist, war ein großartiges Erlebnis für mich. Die ganzen Dreharbeiten über saß er ganz nah an mir dran. Er stand dicht neben der Kamera und hat jedes noch so kleine Detail überprüft.

Wie schwer war es für Sie, diese Emotionslosigkeit, die den CIA-Mann Edward Wilson auszeichnet, zu spielen?

Bob hat einfach nur die Hand gehoben und eine gerade Linie gezeichnet. Damit wollte er mir zeigen, dass ich mich ruhig halten soll. Weil Edward sich so wenig bewegt und auch kein Wort spricht, hat jede noch so kleine Bewegung eine große Bedeutung. Man muss sich stark zurücknehmen. Wenn man das Schauspielen sieht, hat man schon verloren. Dann ist es übertrieben. Man muss in die Figur einsteigen. Das hat auch Robert De Niros Karriere geprägt. Man würde nie sagen, Robert De Niro war gut in "Taxi Driver", sondern man spricht von Travis Bickle. Er lässt diese Charaktere entstehen, sie leben, weil er so sehr auf die Details achtet. Es gibt diese Figuren, aber man weiß nichts von De Niro und seinem Privatleben. Er ist ein wahrhaft großer Schauspieler.

Am Anfang ist Edward 18, am Ende 42. Wie haben Sie diese Bandbreite an Alter verkörpert?

Ich bin jetzt 36, es ist viel schwerer für mich, einen 18-Jährigen zu spielen als einen 42-Jährigen. 42 ist nicht weit weg. Im Drehbuch gab es sehr klare Anweisungen: Seine Schultern hängen immer mehr, als ob er das ganze Gewicht der Welt tragen müsste. Wir wollten es nicht übertreiben und haben nicht so viel Make up verwendet, nur meinen Haaransatz ein wenig nach vorne und nach hinten gesetzt. Vor allem aber haben wir an Kleinigkeiten in der Darstellung gefeilt.

Haben Sie sich zur Vorbereitung kundig gemacht über die Geschichte des CIA nach dem Zweiten Weltkrieg?

Ich hatte Kurse darüber in der Uni. Es ist ein Abschnitt der Geschichte, der mich sehr bewegt. Auch diese Geheimbundgeschichten der "Skull and Bones Society", eine geheime Bruderschaft, aus der dann heraus die CIA gegründet wurde. Diese Männer-Clique hatte so viel Macht. Bis sie sich überschätzten und an der Schweinebucht scheiterten. Das ist ein wenig vergleichbar mit dem Irak. Das ganze basierte auf einer falschen Einschätzung, man dachte, wenn man da ist, wird ein Wunder geschehen. Diese Art von Ideologie endet immer im Desaster.

Hat die Tatsache, dass Sie einen CIA-Agenten gespielt haben, Ihre Meinung über Sicherheit und Überwachung verändert?

Nein. Die Frage wie viel seiner persönlichen Freiheit man für nationale Sicherheit aufgibt, beschäftigt uns ständig, gerade heutzutage. Mittlerweile plaudern die Mitglied der "Skull and Bones Society" selbst ihre Geheimnisse aus. Aber sie haben immer noch die Macht in der Gesellschaft: 2004 kamen beide Präsidentschaftskandidaten von Yale, sie waren beide Mitglied bei "Skull and Bones", und auch unser jetziger Präsident Bush ist Mitglied. Den großen Einfluss kann man nicht verleugnen.

Eigentlich wird es nach der Schweinebucht erst richtig spannend mit der Geschichte der CIA. Die Zeit der Unschuld ist vorbei. Warum haben Sie da aufgehört?

Bob will weitermachen, der nächste Teil soll dann nach der Schweinebucht mit dem Bau der Berliner Mauer starten und bis zum Fall der Mauer gehen. Der Schah, Chile - all das würde da mit reinkommen. Ein dritter Teil soll 1989 beginnen und bis heute gehen. Das könnte eine große Trilogie amerikanischer Geschichte aus der Sicht der CIA werden.

Würden Sie sich als politisch denkenden Menschen bezeichnen?

Es ist schwer, sich in Amerika nicht für Politik zu interessieren. Besonders wenn man die vernichtenden Konsequenzen sieht, die aus Entscheidungen resultieren, die ganz oben getroffen werden.

Wer ist Ihr Favorit als nächster Präsident?

Ich bin total überzeugt von Barack Obama. Er ist großartig, der erste Politiker in meinem Leben, hinter dem ich wirklich stehe. Unserem Land fehlt schon lange eine gute Führung, wir brauchen jemanden, der so überzeugend und brillant ist wie er.

Gerade haben Sie mit Martin Scorsese "The Departed" gedreht. Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit mit Scorsese und der mit De Niro?

Es ist sehr unterschiedlich. Marty erzählt dir eine Geschichte, wie er das Ganze sehen will. Es gibt wenige Regisseure, die so arbeiten. Steven Soderborgh ist so, Steven Spielberg auch, sie reden mit dir und haben schon eine Vorstellung im Kopf, wie es gedreht wird. Bob ist in erster Linie ein Schauspieler. Er fängt jede Szene damit an, sie erst ein paar Mal zu proben. Dann kommt Bob Richardson, der große Filmset-Fotograf. Für ihn spielen wir die Szene, Bob und er gucken sich die Fotos an und entscheiden, wie das Licht gesetzt wird.

Es gibt kaum Frauen in "Der gute Hirte". Die Hauptrolle spielt Angelina Jolie. Wie war es, mit ihr zu arbeiten?

Immer wenn sie da war, lungerten 50 Fotografen am Set herum. Und sie schafft es, das alles hinter sich zu lassen, sobald die Kamera läuft. Das ist beeindruckend. So etwas wie diese Rolle hatte sie noch nie gemacht. Ich kenne Angie schon eine Weile, sie ist eine sehr starke Frau, eine große Individualistin. Natürlich musste ich lachen, dass sie dieses Hausmütterchen spielt. Dass sie das schafft, zeigt, was für eine großartige Schauspielerin ist.

Für den dritten Teil der "Bourne"-Filme haben Sie gerade in Berlin gedreht.

Ich liebe Berlin, es ist toll. Ich wäre gerne länger geblieben, aber wir haben nur eine Woche gedreht. Vielleicht kommen wir noch mal zurück. Wir haben nur nachts gedreht, in einem Supermarkt und am Bahnhof. Lauter Actionszenen, ich musste von einem Zug zum anderen springen. Es war zwar kalt, aber mir ist dabei ziemlich warm geworden.

Sie spielen so viele, so unterschiedliche Rollen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Ich bin auf dem Boden geblieben, das ist mir sehr wichtig. Ich halte mich aus diesen ganzen Hollywoodgeschichten raus, bin nicht oft in den Schlagzeilen. Wenn die Paparazzi vor meinem Haus stehen, bleibe ich einfach drin, bis sie weg sind. Da kann ich ziemlich stur sein. Und meistens merken sie, dass es sich nicht lohnt, auf mich zu warten. Denn wenn sie mir folgen, bekommen sie nichts von mir. Ich beschimpfe sie nicht, ich greife sie nicht an. Ich verhalte mich normal. Es ist so einfach: Wenn man mit seinen Bodyguards ins Restaurant geht, ist es klar, dass man auffällt. Geht man einfach nur rein mit seiner Frau, dann folgen einem die Leute auch nicht.

Interview: Kathrin Buchner
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