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Tag 1: Wo sind die Stars?

Die 54. Internationalen Filmfestspiele Berlin, wie die Berlinale offiziell heißt, beginnen vertraut. Mit der Frage nach den Stars.

Kommt sie? Nee, die hat doch längst abgesagt. Aber er kommt. Na klar! Ich hab gehört er kommt jetzt doch nicht. Wirklich? Nee, der kommt. Die 54. Internationalen Filmfestspiele Berlin, wie die Berlinale offiziell heißt, beginnen vertraut. Mit der Frage nach den Stars. Mit der Frage nach ihr, Nicole Kidman, und ihm, Jude Law. Die Hauptdarsteller im Eröffnungsfilm "Unterwegs nach Cold Mountain". Der Film: Eine kleine Enttäuschung. Die Stars: Eine größere, denn weder Kidman noch Law ließen sich blicken. Es dauerte denn auch nicht lange, bis auf der Pressekonferenz zu "Cold Mountain" jemand angesäuert die wichtigste Frage des Tages stellte. Warum sind sie nicht da? Was soll das?

Doch so leicht lässt sich der schwergewichtige Harvey Weinstein nicht aus der Ruhe bringen. Die mafiöse, aber grundsympathische Produzentenlegende, gleichzeitig Boss der oscarträchtigen Filmschmiede Miramax, versuchte die starhungrigen Medien zu besänftigen. Jude Law drehe im Moment mit Regisseur Mike Nichols, an einem Ort, der nicht immer für Filmarbeiten zur Verfügung stehe. Weinstein: "Ich habe angeboten, der Produktion einen ganzen Drehtag zu bezahlen. Ihn praktisch herauszukaufen." Ging nicht.

Vielleicht komme Law am Mittwoch nach Berlin. Nicole Kidman müsse wegen eines familiären Notfalls absagen. Und Renée Zellweger, der dritte Star des Bürgerkriegsepos, arbeite an der Fortsetzung von "Bridget Jones" in London, und die wären schon 12 Tage über der Zeit. "Sie kennen meinen Ruf", grinste Weinstein. "Wenn ich sie nicht hierher kriege, dann bekommt niemand sie hierher." Gelächter, Diskussion beendet.

Charlize Theron kommt aber wohl, Jack Nicholson ist schon da, aber Nick Nolte hat auch abgesagt... Es scheint, als bräuchte eine Riesenveranstaltung wie die Berlinale, die in den nächsten zehn Tagen 394 Filme aufführen wird, gerade in den Anfangstagen die Präsenz der Hollywood-Prominenz. Um sich ihrer Wichtigkeit im Wettstreit mit Venedig und Cannes zu vergewissern. Und um die nötige Prise Glamour über den grauen Alltag der Hauptstadt zu streuen.

Vergesst Praxisgebühr und Arbeitslosenstatistik, ab ins Kino. Ab nach North Carolina, wo "Cold Mountain" angesiedelt ist (gedreht wurde allerdings in den Karpaten in Rumänien). Oder nach Petchaburi in Thailand, wo der Grundschüler Jeab sich endlich entscheiden muss, ob er lieber Rollenspiele mit den Mädchen oder Fußball mit den Jungs spielen will. Der nette, sanfthumorige Film, das Gemeinschaftsdebüt von sechs jungen thailändischen Regisseuren, heißt "Fan Chan" (Mein Mädchen) und läuft in der Nebenreihe Forum. Und während "Cold Mountain" schon übernächste Woche mit hunderten von Kopien auf unsere Leinwände gedrückt wird, gibt es "Fan Chan" wohl nie in Deutschland zu sehen. Aber dafür wird es auch nie eine Pressekonferenz geben, in der jemand angesäuert fragt: Warum sind eigentlich Chalee Trirat und Chawin Chitsomboon nicht nach Berlin gekommen?

Matthias Schmidt