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Bruce Allmächtig: Wenn der Schöpfer mal Urlaub macht

Leichte Sommerkost aus Hollywood mit Jim Carrey in der Hauptrolle: Gott ernennt einen arbeitslosen Fernsehreporter zu seiner Urlaubsvertretung, der zunehmend Gefallen an seiner neuen Rolle findet. Ab dem 12. Juni in den Kinos.

Mal angenommen, Sie wären der liebe Gott und dazu noch ein Schwarzer: Würden Sie dann ausgerechnet einem weißen Schlaks mit unkontrollierbaren Gesichtsmuskeln für eine Woche Prokura geben? Hollywood hat das möglich gemacht, und das Ergebnis ist in der am 12. Juni anlaufenden Kinokomödie "Bruce Allmächtig" zu sehen. Zwei Stars des amerikanischen Films sollen die unglaubliche Geschichte glaubwürdig machen, der Komiker Jim Carrey und der Charakterdarsteller Morgan Freeman.

Carrey spielt den strebsamen, aber in einem entscheidenden Moment seiner Karriere gescheiterten TV-Nachrichtensprecher Bruce Nolan im provinziellen Buffalo. Freeman ist der Schöpfer von Himmel und Erde, der sich auch einmal Urlaub gönnen will. Als Putzmann getarnt, lockt Gott Nolan in das seltsame Büro eines Lagerhauses. Dort machen sich die beiden Männer bekannt. Der schwarze Gott, der einen leuchtend weißen Anzug trägt, muss schon einige Zauberkunststückchen darbieten, um den völlig verblüfften Nolan von seiner Identität zu überzeugen.

Nach diesem Treffen wird aus einem arbeitlosen Medienmenschen also jener „Bruce Allmächtig„. Nach verständlichen Anlaufschwierigkeiten bekommt der Auserkorene immer mehr Spaß an seiner befristeten Rolle. Auch als Liebhaber vollbringt er bei seiner Freundin Grace, dargestellt von Jennifer Aniston, große Taten. Und beruflich geht es plötzlich wieder steil aufwärts. Aber Nolan ist eben nur Gott auf Zeit, dazu wird er auch mit den Schattenseiten seiner befristeten Allmacht konfrontiert...

Reizvolle Idee, aber die Gags und Dialoge flachen im Laufe des Films ab

Regisseur Tom Shayac, mit Carrey eng verbunden, hat den leider viel zu harmlos ausfallenden Kinospaß inszeniert. Die nicht ganz neue Grundidee ist zwar durchaus reizvoll. Aber je länger der Film läuft, desto flauer werden die Gags, Dialoge und Aktionen auf der Leinwand. Die besten Szenen hat "Bruce Allmächtig" in der ersten Hälfte. So lange kann man das wieder einmal übertriebene Gezappel des gebürtigen Kanadiers auch noch ganz gut ertragen. Doch sobald der Handlung die Ideen ausgehen, mag man auch Carrey nur noch mit Mühe bei der Arbeit zusehen.

Gewiss gibt es einige gelungene Szenen in dem Film, zum Beispiel die Tomatensuppe, die sich vor Bruce auf dem Teller teilt wie einst das Rote Meer. Aber man entwickelt doch einen gewissen Überdruss daran, dass auch dieser US-Film wieder im Medien-Milieu spielt. Gibt es denn jenseits des Atlantiks nur noch TV-Journalisten und Anwälte? Und die Wertschätzung, die Jennifer Aniston dort genießt, bleibt doch etwas rätselhaft: Zumindest in diesem Film glänzt die Patentochter des unvergessenen Telly Savalas nicht mit ihren schauspielerischen Fähigkeiten. Freeman spielt seinen Part leicht belustigt herunter. Es ist leichte Sommerkost aus Hollywood. Aber wenn die Sonne scheint, braucht niemand für "Bruce Allmächtig" ins Kinodunkel gehen.

Wolfgang Hübner