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Cannes: "Goldene Palme" für Irland-Drama

Überraschend gewann der Brite Ken Loach - und nicht Pedro Aldomovar - die Goldene Palme in Cannes. Sein Film "The Wind That Shakes The Barley" schildert den historischen Befreiungskampf in Irland.

Die höchste Auszeichnung der Branche neben den Oscars an einen der angesehensten links-gerichteten Filmemacher Großbritanniens. Die Jury sorgte damit für eine Überraschung an der Croisette: Als Favoriten für den Hauptpreis des prestigereichsten Filmfestivals der Welt waren "Babel" des Mexikaners Alejandro Gonzales Inarritu und "Volver" des Spaniers Pedro Almodovar gehandelt worden. Die Entscheidung sei jedoch einstimmig gefallen, sagte der Hongkonger Regisseur und Jurypräsident Wong Kar-Wai. Das Werk handelt vom irischen Unabhängigkeitskrieg 1920. Es geht um zwei Brüder, die sich dem Guerilla-Krieg gegen die britischen Truppen anschließen, sich am Ende aber auf verschiedenen Seiten des Konflikts gegenüberstehen.

Vergleich mit US-Präsenz im Irak

Der 69-jährige Regisseur hatte erst kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters betont, die Geschichte des irischen Kampfes gegen die Dominanz eines Imperiums, das einem ganzen Volk seinen Willen aufzwinge, sei in mancher Hinsicht durchaus mit der heutigen US-Präsenz im Irak zu vergleichen. Der Film sei ein kleiner Schritt dahin, die Briten mit ihrer imperialistischen Geschichte zu konfrontieren, erklärte Loach nun in Cannes.

Als beste Schauspielerinnen beziehungsweise Schauspieler wurden jeweils Ensembles gekürt: Penelope Cruz und ihre fünf Kolleginnen aus "Volver", darunter Carmen Maura, Lola Duenas und Yohana Cobo. "Es ist eine Ehre, zusammen mit diesen Frauen den Preis zu teilen, sagte Cruz. Die wahre Ehre gebühre jedoch Regisseur und "Meister" Almodovar. Dieser erhielt die Auszeichnung für das beste Drehbuch. Zu den besten männlichen Schauspielern kürte die Jury Jamel Debbouze, Samy Naceri, Roschdy Zem, Sami Bouajila und Bernard Blancan. Sie sind in "Days of Glory" des algerischen Regisseurs Rachid Bouchareb zu sehen, einem Drama über die nordafrikanischen Muslime, die im Zweiten Weltkrieg in den französischen Streitkräften kämpften. Der mexikanische Regisseur Inarritu erhielt den Preis als bester Regisseur für "Babel". Den Preis der Jury erhielt die britische Regisseurin Andrea Arnold für "Red Road", mit dem Großen Preis von Cannes wurde der Franzose Bruno Dumont für "Flanders" ausgezeichnet.

Preise gingen auch nach Deutschland

Deutsche Filmemacher waren in diesem Jahr nur in den Nebenreihen nach Cannes geladen, heimsten dafür aber gleich etliche Preise ein: Für seinen Spielfilm "Pingpong" erhielt Matthias Luthardt den Drehbuchpreis des Internationalen Kritiker-Woche. Und auch die Kurzfilmer Stefan Müller ("Mr. Schwartz, Mr. Hazen & Mr. Horlocker) und Matthias Müller und Christoph Girardet ("Kristall") konnten sich in ihren jeweiligen Sektionen über Auszeichnungen freuen.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters