HOME

CANNES: Goldene Palme für Nanni Moretti

Die 54. Internationalen Filmfestspiele in Cannes endeten mit einer Verbeugung vor dem Kino Europas.

Die 54. Internationalen Filmfestspiele in Cannes endeten mit einer Verbeugung vor dem Kino Europas. Der Italiener Nanni Moretti gewann mit seinem bewegenden Trauerspiel »La stanza del figlio« (Das Zimmer des Sohnes) die Goldene Palme. Mit dem Großen Preis der Jury wurde der Österreicher Michael Haneke für »Die Klavierspielerin« ausgezeichnet. Der Film nach dem 1986 erschienenen Roman von Elfriede Jelinek entstand als französische Produktion.

Auch die beiden französischen Hauptdarsteller der »Klavierspielerin« wurden gewürdigt. Isabelle Huppert und ihr junger Filmpartner Benoit Magimel erhielten die Schauspielpreise. Der bosnische Regisseur und Drehbuchautor Danis Tanovic bekam für seine Kriegsfarce »No Man?s Land« den Preis für das beste Drehbuch.

Damit die US-Amerikaner, die für Stars und Glamour unter den Palmen des Boulevards La Croisette gesorgt hatten, nicht ganz leer ausgingen, vergab die Jury unter der Leitung der Norwegerin Liv Ullmann den Regiepreis zu gleichen Teilen an Joel Coen (»The Man Who Wasn?t There«) und David Lynch (»Mulholland Drive«). Nur eine kleine technische Würdigung nahmen die asiatischen Produktionen mit nach Hause. Die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Filme von Größen wie Shohei Imamura oder Hou Hsiao Hsien enttäuschten vor allem mit krausen Geschichten.

Das Hollywood-Paar Melanie Griffith und Antonio Banderas überreichte dem 47-jährigen Moretti die höchste Auszeichnung des Festivals. Der Italiener, der 1994 in Cannes den Regiepreis für seinen Film »Liebes Tagebuch« erhalten hatte, galt als Favorit unter den 23 Bewerbern im Wettbewerb. In Cannes ging an ihn außerdem noch der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmpresse.

Michael Haneke, in Cannes mit stets provozierenden Werken wie »Funny Games«, »Benny?s Video« oder zuletzt »Code Inconnu« seit langem bekannt, nahm den Grand Prix der Jury aus der Hand von Laetitia Casta entgegen. Sein mit kühlem Kopf inszenierter Film über eine sadomasochistische Klavierlehrerin, die ihre erotischen Fantasien zwischen Unterwerfung und Kontrolle mit einem jungen Schüler ausleben möchte, hatte bei den Aufführungen ein geteiltes Echo gefunden. »Ich danke Bach, Schubert und Mozart«, sagte eine strahlende Isabelle Huppert, als sie die Ehrung als beste Schauspielerin entgegennahm. 1978 hatte der Star des französischen Films diese Auszeichnung bereits einmal für ihre Rolle in Claude Chabrols »Violette Noziere« erhalten.

Erstmals während des zwölftägigen Festivals regnete es am Sonntagabend stärker, als die Prominenz zum letzten Mal die mit einem roten Teppich belegten Stufen zum Festivalpalais hinaufstieg. Als Überraschungsgast - und im vierten Monat ihrer Schwangerschaft ganz leicht gerundet - war auch Jodie Foster dabei. Die Oscar- Preisträgerin sollte ursprünglich den Juryvorsitz übernehmen, sagte dann aber wegen »anderer Verpflichtungen« bedauernd ab.

Das korsische Topmodel Laetitia Casta, wie schon am Eröffnungsabend traumhaft schön im Geisha-Look, sorgte nach der Preisvergabe noch einmal für eine Überraschung: Als Darstellerin in dem Abschlussfilm »Les ames fortes« (Die starken Seelen) erfreute Casta auch mit einer beachtlichen Schauspielleistung.