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Filmfestspiele in Cannes 82 gegen 1688: Zwei Zahlen - ein beeindruckender Protest


Hollywood ist seit der #MeToo-Debatte so politisch wie nie zuvor. Jetzt hat eine Gruppe von Frauen die Filmfestspiele in Cannes genutzt, um auf einen gravierenden Missstand aufmerksam zu machen. 

Es war ein beeindruckendes Bild, das sich am vergangenen Wochenende auf der großen Treppe des Filmfestes in Cannes abzeichnete: 82 Frauen versammelten sich dort, um zu protestieren. Gegen eine Ungleichheit, die innerhalb der 71 Jahre, die das Filmfest in der französischen Küstenstadt stattfindet, nicht behoben wurde. Seit 1946 gab es nur 82 Regisseurinnen, deren Filme bei dem prestigeträchtigen Fest gezeigt wurden. Im Gegensatz dazu stehen 1688 männliche Filmemacher.

Cannes: Cate Blanchett und Co. machen auf Ungleichheit aufmerksam

Eine krasse Diskrepanz, die sich viele weibliche Hollywood-Größen nicht mehr gefallen lassen wollen - und auf die sie am Wochenende aufmerksam machten. Oscarpreisträgerin Cate Blanchett führte den Protest an, als sie gemeinsam mit Kristen Stewart und den drei anderen Frauen der Jury von Cannes über den roten Teppich auf die berühmten Stufen zu lief. Eingehakt, eine Einheit bildend. Dort versammelten sich die fünf mit 77 weiteren Frauen.

Starke Worte richtete Blanchett an die Schaulustigen und Kollegen, die den Protest beobachteten. "Frauen sind auf der Welt keine Minderheit und doch sieht die Realität in der Industrie anders aus", sagte sie. "Die Stufen unserer Industrie müssen für alle zugänglich sein. Los geht's!", forderte Blanchett, die in diesem Jahr der Cannes-Jury als Präsidentin vorsteht. Kämpferisch reckten die 82 Filmschaffenden ihre Fäuste in die Luft, klatschten, jubelten.

Frauen in der Minderheit

Wie ungleich die Macht von Frauen und Männern in Hollywood verteilt ist, zeigte zuletzt die Oscarverleihung im März dieses Jahres. Die Regisseurin Greta Gerwig war für ihren Film "Lady Bird" nominiert und hätte erst als zweite Frau nach Kathryn Bigelow den Regie-Oscar erhalten können. Nach dem #MeToo-Skandal lag die Hoffnung vieler Frauen natürlich auf Gerwig. Am Ende wurden sie enttäuscht, der Oscar ging auch in diesem Jahr an einen Mann. 

Dass es schlichtweg weniger Regisseurinnen als Regisseure in Hollywood gibt, ist keine Entschuldigung, sondern lediglich eine Erklärung, die das zugrunde liegende Problem aufdeckt. Denn es hakt, wie in den meisten anderen Branchen auch, noch immer an der gerechten Repräsentation der Geschlechter.

Viele Schauspielerinnen fordern, mehr Führungspositionen in Studios und Produktionsfirmen mit Frauen zu besetzen. So würden Entscheidungen in Sachen Casting und hinsichtlich der Film-Stoffe nicht mehr so einseitig getroffen werden wie bisher. Bis es soweit ist, braucht es signalstarke Proteste wie in Cannes und intensiv geführte Debatten. 

ls

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