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Catherine Deneuve: Zeitlose Eleganz und unterkühlte Erotik

"Wunderschön, reserviert und geheimnisvoll." Das Urteil von Luis Bunuel über Catherine Deneuve gilt noch heute. Die "Grande Dame" des französischen Films wird 60 Jahre alt.

"Wunderschön, reserviert und geheimnisvoll." Das Urteil von Luis Bunuel über die junge Hauptdarstellerin in seinem Meisterwerk "Belle de Jour" (Schöne des Tages) gilt noch heute. Die "Grande Dame" des französischen Films, Catherine Deneuve, wird am Mittwoch 60 Jahre alt. Mit ihrer zeitlosen Eleganz, unterkühlten Erotik sowie einer gehörigen Portion Disziplin und künstlerischem Wagemut hält sie sich seit vier Jahrzehnten in der schnelllebigen Filmwelt an der Spitze.

Nie auf einen Rollentyp fixiert

Ihren Durchbruch schaffte die blonde Pariserin 1963 mit den "Regenschirmen von Cherbourg" von Jacques Demy, für den sie mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde. Nie ließ sie sich auf eine Rollentyp festlegen, spielte in Polanskis "Ekel" (1965) eine Schizophrene, für Bunuel eine gelangweilte Bürgerliche, die tagsüber als Prostituierte arbeitet in "Belle de Jour" (1967). Hochgelobt war ihre Darstellung einer Pariser Theaterdirektorin während der Besatzungszeit in Francois Truffauts "Die letzte Metro" (1980).

"Mich reizte es immer, mit jungen talentierten Regisseuren zu arbeiten, die ihre Drehbücher selbst schreiben", sagte sie dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Ich mag eine persönliche Handschrift." Sie drehte mit den Autorenfilmern Lars von Trier ("Dancer in the dark"), dem portugiesischen Altmeister Manoel de Oliveira, Francois Dupeyron und mehrfach mit Andre Techine. Eine besondere Beziehung verband die Deneuve viele Jahre lang mit Truffaut.

Eine Frau mit Geheimnis

"Ich liebe ihr Geheimnis. Catherine Deneuve verschafft jeder Situation, jedem Drehbuch Mehrdeutigkeit. Ihr Verhalten, ihre Zurückhaltung erlaubt es dem Zuschauer, in ihrem Gesicht alle Gefühle zu entdecken, die er dort finden möchte", schwärmte Truffaut. Eine Oscar-Nominierung brachte ihr Regis Warniers "Indochina" ein (1991), nach Francois Ozons Erfolgsfilm "Acht Frauen" ist sie derzeit schon wieder im neuen Oliveira-Streifen "Un film parle" in den französischen Kinos zu sehen. In diesem Jahr gab sie zudem ihr Fernsehdebüt als zynische Madame de Merteuil in den "Gefährlichen Liebschaften".

Bewegtes Privatleben

Über ihr bewegtes Privatleben hält sich der vom US-Magazin "Look" 1968 zur "Schönsten Frau der Welt" gekürte Star äußerst bedeckt. Sie übe eine rigorose Kontrolle über ihr Bild in der Öffentlichkeit aus, notierte "Le Monde". Ihre Liebhaber sind Legion. Sohn Christian stammt aus einer Beziehung mit dem Bardot-Entdecker Roger Vadim, Vater ihrer Tochter Chiara war Marcello Mastroianni. Sieben Jahre hielt die Ehe mit dem britischen Modefotografen David Bailey (1965 bis 1972).

Es scheint, als verschanze die Deneuve sich hinter der Maske ihrer unnahbaren Schönheit, die sie gewinnbringend in der Werbung (Chanel) einsetzte. Distanz zu ihrer wahren Person vermittelt auch, dass Catherine Dorleac zu Beginn ihrer Karriere den Mädchennamen ihrer Mutter annahm. Ihre ältere Schwester Francoise Dorleac war ebenfalls Schauspielerin, sie starb 1967 bei einem Autounfall.

Das Altern: "Sehr, sehr schlimm"

Und mag sie auch mit 60 noch beneidenswert gut aussehen - kalt lässt sie das Älterwerden nicht. Vor ein paar Jahren nahm die Deneuve in einem Interview des Pariser Magazins "Telerama" kein Blatt vor den Mund: "Altern ist für jede Frau schwierig, für eine Schauspielerin ist es schlimm. Sehr, sehr schlimm."

Uwe Gepp