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"Überreaktion auf die Realität" Film über hartes Landleben: Auf Berlinale gefeiert, in China zensiert

Menschen in China sitzen in einem Kinosaal
16 Millionen Euro spielte der Film "Return to Dust" in China bisher ein. Nun darf der Streifen nicht mehr gezeigt werden.
© ZUMA Wire / Imago Images
"Return to Dust", ein Film, der sich in China großer Beliebtheit freute, ist Opfer der Zensur geworden. Das Unverständnis und die Empörung in dem Land sind groß.

Ein chinesischer Film über eine ungewöhnliche Liebesbeziehung und das harte Leben der Landbevölkerung ist von der Zensur in China gestrichen worden. Nach seinem überraschenden Erfolg wurde "Return to Dust", dessen Weltpremiere im Februar auf der Berlinale gefeiert worden war, nicht nur aus den Kinos, sondern seit dieser Woche auch aus Streamingdiensten zurückgezogen. Das Vorgehen der Zensur stieß am Mittwoch auf Kritik und Unverständnis in sozialen Medien. Es war von einer "Überreaktion auf die Realität" die Rede.

"Was stimmt an diesem Film nicht?", fragte ein Kommentator und nannte ihn "gut und sehenswert". Die Zensur unterband aber auch jede weitere Diskussion im Internet. Beobachter wiesen auf den Mitte Oktober anstehenden, nur alle fünf Jahre stattfindenden Kongress der Kommunistischen Partei hin, die schon ihren "Sieg" über die extreme Armut im Land gefeiert hatte. Auch verlangt Staats- und Parteichef Xi Jinping, dass Kultur im Dienst der Partei zu stehen hat und ein "positives Bild" von China zeichnen soll.

Film spielte 16 Millionen Euro in China ein

In diesem Monat hatte "Return to Dust" (Yin Ru Chen Yan) des 39-jährigen Regisseurs Li Ruijun in chinesischen Kinos schon 110 Millionen Yuan, umgerechnet 16 Millionen Euro, eingespielt, wie es in Medienberichten hieß. "Ein zutiefst menschlicher Film von unaufdringlicher Zärtlichkeit", hieß es im Programm der Berlinale über den Streifen, in dem ein armer Bauer und eine körperlich behinderte Frau ihre arrangierte Ehe als Chance in ihrem schweren Schicksal begreifen. Er thematisiert Ausbeutung, Zwangsverstädterung, Armut und Verlust von Traditionen durch Entwurzelung.

"Während ich viel an dem Film auszusetzen habe, stimme ich nicht damit überein, wie er behandelt wird", schrieb der bekannte Blogger Guo Songmin und forderte: "Erlaubt die Veröffentlichung, erlaubt Kritik, erlaubt Gegenkritik – damit der rechte Weg des chinesischen Kinos ausgekundschaftet werden kann." Der in New York lebende unabhängige Filmproduzent Zhu Rikun sagte dem US-Sender Radio Free Asia: "Es geht nur um die Bedürfnisse der chinesischen Regierung, die Filme als politisches Werkzeug ansieht, das dem Regime dient."

lhi DPA

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