HOME

Cohen alias Borat: Nationalgetränk Pferdepisse

Der Comedian Sacha Baron Cohen, auch bekannt als Ali G, tritt der politischen Korrektheit in den Hintern - so fest er kann. Zum Beispiel in seinem neuen Film "Borat", einer rabenschwarzen Satire über Kasachstan.

Von Hannes Ross

Warum Kasachstan? Vielleicht klang das Wort dem Comedian Sacha Baron Cohen einfach hinterwäldlerisch genug für seine Absichten. Und weit genug weg. Kasachstan, dachte er vielleicht, das kennt kein Mensch! Niemand wird sich aufregen, wenn ich Kasachstan verarsche!

So kann man sich täuschen.

Bei seinem Staatsbesuch in den USA vor ein paar Wochen hat sich Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew angeblich bitter bei George W. Bush über Sacha Baron Cohens Dokumentar-Satire "Borat" beschwert (in Deutschland ab dem 2. November im Kino zu sehen). Darin spielt Cohen den kasachischen Fernsehreporter Borat Sagdiyev. Und der ist nicht unbedingt ein Vorbild-Kasache: wäscht sich das Gesicht in der Kloschüssel, pinkelt vor dem Supermarkt und erzählt ahnungslosen Amerikanern mit der lautersten Miene der Welt, dass das Nationalgetränk in Kasachstan Pferdepisse sei. Ostblock"-Klischees ins Absurde gedreht.

Man könnte den 35-jährigen Briten Sacha Baron Cohen als eine Mischung aus Hape Kerkeling, Stefan Raab und Bully Herbig beschreiben. Von Kerkeling hat er das Verwandlungstalent, von Raab die Unverschämtheit, von Herbig die Lust am spätpubertären Kalauer.

Der Unterschied ist nur: Er übertrumpft sie in allen Kategorien.

Zu sehen ist das in seinem 17 Millionen Dollar teuren Kinofilm "Borat". Die simple Handlung: Borat fährt mit einem ausrangierten Eiswagen von New York nach Los Angeles, um dort seine Traumfrau Pamela Anderson zu heiraten. Er ist offiziell unterwegs im Auftrag der Regierung von Kasachstan, die vom American Way of Life lernen will.

Zu 82 Minuten politischer Realsatire über den Geisteszustand Amerikas wird der Film, wenn Reporter Borat seinen ahnungslosen Gesprächspartnern ihren Rassismus, ihren Antisemitismus und ihre Vorurteile entlockt. So fragt er in einem Waffengeschäft höflich nach der besten Waffe, "um einen Juden zu erschießen". Der Besitzer zuckt nicht mal mit der Wimper, dreht sich nur zur Waffengalerie um und reicht ihm ein Schießeisen über die Theke. Und bei einer Rodeoshow ruft Reporter Borat dem Publikum zu: "Möge George Bush all das Blut von jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind im Irak trinken." Das Publikum antwortet dem Agent Provokateur mit Applaus.

Warum macht Cohen, selbst Jude, Witze über Juden? stern-Redakteur Hannes Ross hat Sacha Baron Cohen getroffen. Im aktuellen stern lesen Sie das vollständige Porträt des derzeit provokantesten Komikers der Welt.

print