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Danny Trejo in "Machete Kills": Vom Knast zum Kultstar

Lebensgeschichten wie die von Danny Trejo sind selbst in der Traumfabrik selten. Der Mann mit der Gangster-Visage verbrachte früher etliche Jahre im Knast, jetzt ist er der Star in "Machete Kills".

Von Patrick Heidmann

Gesichts-Prominenter - so bezeichnete kürzlich ein deutsches Magazin den Schauspieler Danny Trejo. Das klingt auf den ersten Blick despektierlich. Doch eigentlich trifft es die Sache ganz gut. Denn tatsächlich ist Trejo einer dieser Darsteller, von denen die meisten Kinogänger keine Ahnung haben, wie sie heißen, obwohl man ihr Gesicht schon dutzende Male gesehen hat. Und das Gesicht von Trejo ist in der Tat ... nun ja ... prominent, mit seinen Pockennarben und dem ewigen Walross- oder Hufeisenbart. Selbst, wer es normalerweise schafft, sich von Vorurteilen frei zu machen, denkt beim Anblick des Amerikaners unwillkürlich: was für ein finsterer Geselle! Doch Danny Trejo sieht nicht nur aus wie ein Gangster und spielt deswegen ständig welche. Sondern er war auch einer.

Danny Trejo saß in der Jugend hinter Gittern

Geboren wurde Danny Trejo 1944 als Sohn eines aus Mexiko stammenden Bauarbeiters in Echo Park, einem nicht gerade noblen Stadtteil von Los Angeles. Die schiefe Bahn begann mehr oder weniger direkt vor der Haustür. Schule spielte für den jungen Danny kaum eine Rolle, das Leben auf der Straße umso mehr. Prügeleien zwischen Gangs, Alkohol und Drogen – ausgelassen hat er als Teenager nichts. "Ich war ein fauler, egoistischer Sack", sagt er heute im Rückblick. "Statt mich selbst ins Zeug zu legen und etwas zu erreichen, habe ich im Zweifelsfall lieber jemanden überfallen, wenn ich etwas haben wollte." Der Tiefpunkt war wohl der Tag, als er einem Zivilpolizisten 100 Gramm Koks verkaufte, die in Wahrheit nichts als Zucker waren.

Die Sechziger Jahre verbrachte Trejo mehr oder weniger dauerhaft unter staatlicher Aufsicht, sei es in Erziehungs- und Besserungsanstalten oder in den unterschiedlichsten kalifornischen Gefängnissen. Die letzte Strafe saß er in San Quentin (bekannt nicht zuletzt Dank Johnny Cash) ab, fünf Jahre lang. Ein Aufenthalt, der ihn veränderte. Er begann im Knast mit dem Boxen und gewann mehrfach die Gefängnismeisterschaft. Aber vor allem ging er endlich das Thema Sucht an und wurde mit Hilfe des Zwölf-Schritte-Programms tatsächlich clean. Als er Anfang der Siebziger Jahre entlassen wurde, war Trejo ein neuer Mann.

Vor die Kamera dank Zufall und Freundlichkeit

Jobs als Hausmeister, leidenschaftliches Engagement in der örtlichen Drogenberatungsstelle, mehrere Kinder von verschiedenen Frauen - Trejos Leben hätte problemlos bis ans Ende seiner Tage in diesen halbwegs geordneten, aber schlichten Bahnen verlaufen können und er wäre nie zu Hollywoods ungewöhnlichstem Quereinsteiger geworden. Doch dann bekam er 1984 einen Anruf, der sein Leben veränderte. Einer seiner Schützlinge meldete sich aus Angst, wieder rückfällig werden zu können. Der Mann arbeitete als Aushilfe bei einer Filmcrew - und so verschlug es Trejo zu den Dreharbeiten des Films "Runaway Train". Dort fiel er auf, mit seinen Tätowierungen, den Narben und besagtem Gesicht. Spontan bot man ihm eine Statistenrolle an. Und als Drehbuchautor Edward Bunker, seines Zeichens selbst ein verurteilter Bankräuber, in Trejo seinen früheren Mithäftling erkannte, verhalf er ihm auch noch zu einem Job als Box-Trainer von Hauptdarsteller Eric Roberts.

Dass Trejo in den bald 30 Jahren seither mehr als 250 Rollen in Film und Fernsehen gespielt hat, verdankt er übrigens ebenfalls seinem alten Freund Bunker, wie er stern.de kürzlich im Interview verriet: "Er sagte mir: dein Lebenslauf ist nicht der eines netten Menschen und dein Gesicht sieht auch nicht danach aus. Also liegt es an dir, dein Gegenüber sofort mit einem zweiten Eindruck zu entwaffnen. Deswegen bin ich mittlerweile ein Meister darin, meiner finsteren Außenwirkung von vornherein durch Freundlichkeit entgegenzuwirken. Nur so habe ich es in Hollywood zu etwas bringen können."

Zwischen coolem Kult und DVD-Trash

Zu den Filmen, die Trejo weltweit den Status eines Kultstars eingebracht haben, gehören "From Dusk Till Dawn", "Anchorman", "Con Air", "Anaconda" oder "Desperado". Meist hatte er da kaum mehr als zwei oder drei Szenen, auch in Serien wie "Akte X", "Sons of Anarchy" oder "Desperate Housewives" reichte es selten für mehr als Gastrollen. Umso erfreulicher ist es, dass sein Kumpel Robert Rodriguez ihm die Figur des Bad-Ass-Rächers Machete auf den Leib geschrieben hat. Mit Auftritten in den "Spy Kids"-Filmen und einem inzwischen legendären Fake-Trailer im Rahmen des "Grindhouse"-Projekts von Rodriguez und Quentin Tarantino fing alles. Inzwischen läuft mit "Machete Kills" schon die zweite Action-Trash-Parodie im Kino, in der Trejo ganz allein im Mittelpunkt steht und von Lady Gaga bis Mel Gibson jeden aus dem Weg räumt, der ihm in die Quere kommt.

Der inzwischen 69-Jährige mag längst in Comics, Videospielen wie "Call of Duty: Black Ops" oder Songs mexikanischer Rockbands verewigt sein. Doch die meisten der bis zu zehn Filme, die er im Jahr dreht, bekommt das gewöhnliche Kino-Publikum trotzdem nie zu Gesicht. "Sushi Girl", "Death Race: Inferno" oder "Poolboy: Drowning Out the Fury" heißen diese Produktionen dann, bei denen Trejos unverwechselbares Gesicht auf dem DVD-Cover prangt, selbst wenn er mal wieder nur ein paar Sätze zu sagen hat. Doch auf den Luxus, wählerisch zu sein, verzichtet er nur zu gerne: "Ich liebe meinen Job wahnsinnig, deswegen spiele ich so viel und so oft ich kann. Auch wenn sich manche Rollen ähneln und ich meistens nicht mehr tun muss als grimmig gucken und wenig sagen. Jeden Tag, den ich vor der Kamera stehe, bin ich einfach nur dankbar, nicht mehr im Knast zu sein."

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