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Der Deutsche Filmpreis: Die RAF, der Sex und die Lola

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird es beim 61. Deutschen Filmpreis wohl geben. Terrorismus, Liebe zu dritt oder Tourette-Syndrom - leicht wird es nicht für die Mitglieder der Deutschen Filmakademie.

Während "Drei"-Darstellerin Sophie Rois immer wieder um persönliche Stellungnahmen zum Thema Sex gebeten wird, freut sich Barbara Schöneberger, dass sie in diesem Jahr nicht schwanger von der Decke herabschweben muss. "Da muss in diesem Jahr natürlich was anderes passieren."

Wenn am Freitagabend zum 61. Mal der Deutsche Filmpreis Lola vergeben wird, den Schöneberger zum vierten Mal moderiert, hat vor allem Tom Tykwers Meditation über die Liebe gute Chancen auf die Frau aus Gold. Sechs Mal ist die Dreiecksgeschichte "Drei" nominiert. Allerdings ist ihm die Konkurrenz mit je fünf Nominierungen dicht auf den Fersen: Andres Veiels RAF-Drama "Wer wenn nicht wir" mit starken Auftritten von August Diehl und Lena Lauzemis; Ralf Huettners tragikomöischer Roadmovie "Vincent will Meer" mit Florian David Fitz und Karoline Herfurth; sowie Chris Kraus' Historiendrama "Poll" mit Paula Beer.

Dann wären da noch Philipp Stölzls poppiges Schriftsteller-Biopic "Goethe!" mit Alexander Fehling und Florian Cossens "Das Lied in mir" mit Jessica Schwarz auf Identitätssuche in Argentinien, mit jeweils vier Nominierungen.

1800 Gäste

Gute Chancen auf die Lola für den besten Film hat zudem die Migranten-Komödie "Almanya - Willkommen in Deutschland" von den Schwestern Yasemin und Nesrin Samdereli. Die 1200 Mitglieder der <lin kadr="http://www.deutsche-filmakademie.de/deutscher-filmpreis.html">Deutschen Filmakademie haben die Wahl.

Mehr als 1800 Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Autoren, Produzenten, Cutter, Maskenbildner, Filmkomponisten und sonstige Filmschaffende treffen sich im Friedrichstadtpalast in Berlin, um den deutschen Film zu feiern. Anders als beim Oscar gibt es für die Gewinner nicht nur eine Goldstatue, sondern auch Geld. Der von Kulturstaatsminister Bernd Neumann finanzierte Filmpreis ist mit knapp drei Millionen Euro der höchstdotierte deutsche Kulturpreis.

"Ich würde lächeln"

Für Tykwers "Drei" könnte das 500.000 Euro inklusive Nominierungsprämie bedeuten - sollte das Liebeschaos als bester Film ausgezeichnet werden. Ein Gewinner steht immerhin schon fest: Der 80-jährige Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase wird mit dem Ehrenpreis für das Lebenswerk ausgezeichnet.

Die Gala wird zeitversetzt ab 22:15 Uhr im ZDF übertragen. Moderatorin Schöneberger hat sich im Vorhinein vor allem eines gefragt: Wie guckt man eigentlich, wenn man verliert? "Würde man dann lachen, oder würde man nach unten gucken? Es ist ja gnadenlos: Da kniet so ein Kameramann direkt vor einem und hält einem dieses Ding ins Gesicht. Dann muss man schon in irgendeiner Form reagieren. Man muss wahrscheinlich lächeln. Ich würde lächeln."

sal/dpa / DPA