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Drama: "Mean Machine"

Mathew Vaughn hat mit "Mean Machine" einen wunderbar schrägen Film abgedreht, der Gefühl, Gewalt und den englischen Sinn für Humor perfekt unter einen Hut bekommt. Der ehemalige Fußballstar Vinnie Jones spielt hier die Rolle seines Lebens.

1974 drehte Burt Reynolds den Film "The Longest Yard". In England erschien er unter dem Titel "Mean Machine". Die Deutschen übernahmen den englischen Titel 1975 und nannten den Knastschocker "Die Kampfmaschine".

Damals musste Burt Reynolds als gefeierter Quarterback in den Knast einwandern. Hier wurde er von den sadistischen Wärtern dazu gezwungen, aus den wilden Knasties ein Football-Team zusammenzuschweißen, das dann gegen die Wärter antreten muss. Die Partie soll den Wärtern nur zur Aufwärmung dienen, gerät aber schnell zur Abrechnung der Insassen mit den Wärtern.

Die moderne Variante

Ein viertel Jahrhundert später wurde der Plot noch einmal neu umgesetzt. Der Engländer Mathew Vaughn hat sich an den alten Plot erinnert und ihn neu produziert. Vaughn ist Filmfreunden kein Unbekannter. Er gehört zum Produzententeam um Guy Richie, das bereits schräge Filme wie "Bube, Dame, König, Gras" und "Snatch" auf die Leinwand gebracht hat. "Mean Machine" setzt die Reihe ungewöhnlicher Filme "Made in Great Britain" konsequent fort - und zwar auf dem gewohnten hohen Niveau der Vorgänger.

Einmal mehr spielt Vinnie Jones die Hauptrolle. Der ehemalige englische Fußballspieler macht als kantiger Schauspieler eine mehr als gute Figur und gibt den Zuschauern endlich einmal wieder ein frisches Gesicht. Jones spielt den Fußballstar Danny Meehan, der für drei Jahre in den Knast wandern muss.

Der Star hat sich dafür bezahlen lassen, bei einem Länderspiel gegen Deutschland (!) einen Elfmeter zu provozieren. Deutschland nutzte die Chance natürlich und gewann die Partie. Seitdem ist Meehan bei seinen Landsleuten unten durch. Seinen Stars und Sternchen verzeiht der Engländer ja vieles. Landesverrat auf dem Fußballfeld gehört aber nicht dazu. Als sich Meehan im Suff mit zwei Polizisten zu prügeln beginnt, ist demnach niemand traurig, als er in den Knast einfährt.

Die Geschichte wiederholt sich. Die Wärter im Gefängnis sind fies, brutal und ungerecht. Als Meehan vom fußballbegeisterten Chef der Anstalt darum gebeten wird, ein Fußballteam der Knasties zusammenzustellen, um das Team der Wärter herauszufordern, sitzt Meehan in der Zwickmühle. Die Wärter wollen das Spiel nicht und die Knastbrüder trauen dem Landesverräter nicht über den Weg.

"Mean Machine" erzählt mit Tiefgang und zugleich bemerkenswerter Leichtigkeit, wie Meehan nach und nach das Vertrauen der ziemlich üblen Einsassen gewinnt und mit ihnen zu trainieren beginnt. Das Drehbuch des Films ist exzellent und sorgt dafür, dass sich das Remake weit vom Original entfernt. Vor allem die Charaktere wissen zu überzeugen. Sie sind bis in die Nebenrollen exzellent besetzt. Ein echter Genuss ist es, Jason Statham ("Der Transporter") zuzusehen, der den irren "Mönch" spielt. Der sonst in Einzelhaft weggesperrte Massenmörder hat als Torwart sein ganz eigenes Spiel vor Augen. Am Ende muss sich Meehan seinem eigenen Gewissen stellen: Soll er das Spiel wieder türken und dafür eine schnelle Bewährung erhalten? Oder zeigt er mit seinem Team den Wächtern einmal, wie hart man beim Foulen an den Mann gehen darf?

"Mean Machine" ist großes Kino mit begeisterten Schauspielern und einer mitreißenden Handlung weit abseits des Üblichen. Ein brillantes Bild und ein exzellenter Ton werten die DVD weiter auf. Wirklich jammerschade ist nur, dass abgesehen von einigen Trailern keine Extras auf der DVD vorliegen.

Carsten Scheibe
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