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Farrah Fawcett stirbt mit 62: Der Engel ist jetzt ein Engel

Drei Jahre lang kämpfte Farah Fawcett verzweifelt gegen den Krebs, jetzt musste sie sich geschlagen geben. Im Alter von 62 Jahren starb die US-Schauspielerin im "Cedar Sinai"-Hospital in Los Angeles. Nicht nur in Deutschland wird sie der ewige "Engel für Charlie" bleiben.

Von Ingo Scheel

Nach Werbespots für Haarspray und Zahnpasta und kleinen Gastauftritten in TV-Serien, erlebte das All American Girl 1976 als Jill Munro in "Drei Engel für Charlie" den Durchbruch. Die Serie um den unsichtbaren Chef, der drei attraktiven Ladys Ermittlungsaufträge erteilt, beförderte die am 2. Februar 1947 in Corpus Christi (Texas) geborene Schauspielerin schlagartig ins Rampenlicht.

Mit ihrer blonden Löwenmähne und dem strahlenden Lächeln wurde sie zum Idol der 70er Jahre. "Statt schweren Parfüms verströmte sie Fitness, statt Geheimnissen versprach sie sportliche Gesundheit bis in die Haarspitzen", kommentierte ein Kritiker damals die hohen Einschaltquoten. Frauen saßen vor dem Fernseher, weil Fawcett Selbstbestimmung und Unabhängigkeit demonstrierte. Männer hatten andere Prioritäten. Ein sexy Poster der Texanerin im roten Badeanzug verkaufte sich damals zwölf Millionen Mal - bis heute eine Rekordauflage.

Ausstieg nach nur einem Jahr

So untrennbar die Schauspielerin auch mit der TV-Serie verbunden ist, gerät beinah in Vergessenheit, dass sie nach lediglich einer Staffel wieder ausstieg. In der Folgezeit absolvierte sie nur noch vertraglich festgeschriebene Gastauftritte, darüber hinaus wollte sich als Charakterdarstellerin profilieren. Die Erfolge waren zunächst nur mäßig, Kritiken für Filme wie "Cannonball Run", an der Seite von Burt Reynolds, negativ. Verheiratet war sie zu jener Zeit mit einer TV-Größe, die den Erfolg da schon eher gepachtet hatte. Lee Majors, hierzulande als "Colt für alle Fälle" in die TV-Annalen eingegangen, war der Mann an ihrer Seite, seinen Namen trug sie bis zur Scheidung im Jahre 1982 als Zweitnamen.

Prägte die attraktive Fawcett noch exemplarisch das Jahrzehnt der Blondinen, so schien sie nachhaltig bemüht, dieses Image in den 80ern korrigieren zu wollen. Nach diversen Flops sorgte sie zunächst mit dem kontroversen TV-Film "Das brennende Bett" (1984) für Aufsehen, zwei Jahre später war es wiederum ein Vergewaltigungsdrama, "Extremities", das das ehemalige Über-Babe von Charlies Engel zum Racheengel mutieren ließ.

Prügeleien, Alkohol und Drogen

Ihre persönliche Love Story war eine mit zahlreichen Hindernissen. Von 1982 an war sie mit Schauspieler Ryan O’Neal liiert, die Beziehung galt anderthalb Jahrzehnte lang als eine der wildesten Hollywood-Beziehungen: Liebe, Leidenschaft, Prügeleien, Alkohol und Drogen. 1997 trennte sich das Paar - zumindest vorläufig.

Auch der 1985 geborene gemeinsame Sohn Redmond entpuppte sich nicht eben als steter Quell der Freude. Drogen, Alkohol am Steuer, verpasste Gerichtstermine säumen bis heute den Lebensweg des archetypischen Hollywood-Sprößling. Mitte der 90er ließ sie sich, fast 50 Jahre alt, noch einmal für den "Playboy" ablichten, das Heft wurde zum bestverkauften der Dekade. Zwei Jahre später trennte sie sich von Ryan O'Neal. In der Folgezeit war sie mit dem Produzenten James Orr liiert, dessen Heiratsantrag sie 1998 jedoch ablehnte. Ein Korb mit katastrophalen Folgen. Gleich einem zynischen Widerhall ihrer 80-Jahre-Filme, schlug der abgewiesene Ex die Schauspielerin brutal zusammen. Fawcett brach jeglichen Kontakt zu Orr und seiner Familie ab und zog sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück.

Ryan O'Neal wurde wieder zum Mann an ihrer Seite, bis sie schließlich im Jahre 2006 bei einer Untersuchung die erschütternde Diagnose Darmkrebs erhält. Nicht der erste Krebsfall in ihrem Umfeld. Fawcetts Schwester starb an Lungenkrebs. 2001 wurde bei Ryan O'Neal eine inzwischen überwundene Leukämie diagnostiziert.

Kampf gegen den Krebs

Die Schauspielerin beginnt, aufopfernd gegen den Krebs zu kämpfen. Von Anfang an offen im Umgang mit der Krankheit, hielt sie ihren Kampf gegen den Krebs in einem Film fest. Die Dokumentation "Farrah's Story" (Farrahs Geschichte) wurde Mitte Mai vom US-Fernsehsender NBC ausgestrahlt.

Nach diversen Therapien heißt es 2007 kurzzeitig, sie wäre geheilt, nur wenig später werden erneut Tumore entdeckt. Während O’Neal nun ständig an ihrer Seite ist, kämpft die Schauspielerin immer verzweifelter. Enttäuscht von den Behandlungsergebnissen in den USA suchte die Schauspielerin nun in Deutschland Hilfe. Zeitweise ließ sie sich an der Frankfurter Universitätsklinik mit einer Chemotherapie und am Tegernsee mit einer alternativen Methode behandeln, die in den USA nicht zugelassen ist. Ihre Hoffnung auf Heilung führte sie sogar nach Deutschland, an die Universitätsklinik Frankfurt und zu Ärzten mit alternativer Heilkunde in Bad Wiessee am Tegernsee.

Der wohl wichtigste Beistand für den blonden "Engel" war aber der langjährige frühere Partner, Redmonds Vater Ryan O'Neal. Das einstige Paar war schon während seiner Leukämie-Erkrankung wieder zusammengewachsen, umgekehrt wich er zuletzt kaum von ihrer Seite. "Ich kann mir die Welt ohne sie nicht vorstellen." sagte O'Neal erst am Dienstag in einem Interview. Er machte ihr einen Heiratsantrag, das Ende vor Augen wollte O'Neal sie unbedingt heiraten. Die Schauspielerin sagte "Ja", zur Hochzeit kam es nun nicht mehr.

Ingo Scheel mit AP/dpa