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TV-Tipps 30.12.: "The Player" und "Charade": Wie Hollywood den Bossen ans Bein pinkelt

Immer nur Stars und billige Happy Ends. Robert Altman hatte genug vom System Hollywood - und drehte 1991 mit "The Player" eine ätzende Abrechnung mit all den Studiobossen, Managern und Erbsenzählern.

Hassobjekt für Autoren: Griffin Mill (Tim Robbins) entscheidet, welche Drehbücher weiter geleitet werden und welche nicht.

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"The Player"
20.15 Uhr, Servus TV
SATIRE Man kann sich gar nicht vorstellen, wie angepisst Robert Altman gewesen sein muss, um diesen Film zu machen. Altman war in den Siebzigern einer DER großen Namen der US-Filmszene gewesen, hatte mit "MASH", "Nashville" und "McCabe & Mrs. Miller" einige der stilbildenden Filme der New-Hollywood-Bewegung gedreht. Doch das traditionelle Hollywood schlug zurück, und Altman wurde immer mehr an den Rand gedrängt, in den 80er Jahren gelang ihm kaum noch Nennenswertes. Doch 1992 kam er plötzlich mit "The Player" um die Ecke. Eine ätzende Abrechnung mit dem System Hollywood - und alle machten mit: Whoopi Goldberg, Tim Robbins, Harry Belafonte, Burt Reynolds, Patrick Swayze, Bruce Willis, Julia Roberts, Susan Sarandon, John Cusack, Cher, Jeff Goldblum, Jack Lemmon, Andie MacDowell, Malcolm McDowell, Teri Garr und und und.

Ganz Hollywood, das alte wie das neue, schien auf diese Möglichkeit gewartet zu haben. Endlich konnten sie all den Studiobossen, Managern und Erbsenzählern mal so richtig ans Bein pinkeln (und sich ein wenig auch über die eigene Exaltiertheit lustig machen). Gemeinsam traute man sich zu sagen, was sonst nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert oder besoffen auf Partys gelallt wurde. Altman gab Hollywood die Möglichkeit, sich die Frustration darüber von der Seele spielen, dass die Kunst den Bossen letztlich schnurzpiepeegal ist. Warum auch Risiken mit schlauen Geschichten eingehen, wenn man das Publikum mit Starrummel und billigen Happy Ends in die Kinos treiben kann. Und mit Julia Roberts und Bruce Willis in den Hauptrollen.

Klar, "The Player" ist gealtert. Gerade weil es im Film vor Anspielungen nur so wimmelt, wird es von Jahr zu Jahr schwieriger, all die Insider zu verstehen und die Cameos der Stars von einst als solche zu erkennen. Aber die Grundbotschaft trifft noch immer ins Herz. Wohl jeder, der in einem dieser sogenannten kreativen (höhö) Berufe arbeitet, stößt sich irgendwann an den großen Zahlen, die über allem stehen - ganz egal, ob sie in Form von Klickzahlen im Internet, Quoten im oder Besucherzahlen im Kino daherkommen. Und weil die Zahlen meistens gewinnen, tut es einfach gut, dass "The Player" da ist. Nicht, weil der Film wirklich etwas am System ändert. Aber weil er all unseren Frustrationen ein Sprachrohr bietet, das die Zeiten überdauert.

Auf diesem Promobild sind die Rollen noch klar verteilt: Cary Grant hält eine verängstigt dreinblickende Audrey Hepburn im Arm. Im Film begegnen sich die beiden aber auf Augenhöhe - zum Glück.

Auf diesem Promobild sind die Rollen noch klar verteilt: Cary Grant hält eine verängstigt dreinblickende Audrey Hepburn im Arm. Im Film begegnen sich die beiden aber auf Augenhöhe - zum Glück.

"Charade"
0:15 Uhr,
SCREWBALL-THRILLER. Es ist schon zum Mäusemelken mit diesem Fernsehen. An manchen Tagen läuft rein gar nichts und zu den Festttagen überschütten uns die Sender mit großartigen Filmen noch und nöcher. Neben "The Player" läuft heute nicht nur "Lawrence von Arabien", einer der berühmtesten Monumentalfilme (Hand aufs Herz - immer noch nicht gesehen), sondern auch Tarantinos Heist-Movie "Jackie Brown" und "Schnappt Shorty" (ein Klassiker auf seine Weise).

Trotzdem möchte ich Ihnen eine kleine Perle ans Herz legen, die die ARD im Nachtprogramm versteckt hält. "Charade" von 1963 erinnert einerseits an die Suspense-Filme eines Alfred Hitchcock und steht gleichzeitig in der Tradition der alten Screwball-Comedies. Suspense mit Haha-Einlage? Das klingt erst einmal nach einer ganz schlechten Idee. Funktioniert aber trotzdem hervorragend, weil Regisseur Stanley Donen die Hauptrollen erstklassig besetzt hat.

Die bezaubernde Audrey Hepburn spielt die US-Amerikanerin Regina Lampert, die sich eigentlich von ihrem reichen Mann scheiden lassen will. Doch ein Mörder kommt ihr zuvor: Zurück aus dem Skiurlaub findet Regina die gemeinsame Wohnung ausgeräumt vor und den Gatten eiskalt und starr bei der Pariser Polizei. Als plötzlich ein Haufen grimmiger Männer bei der Beerdigung auftauchen und 250.000 Dollar von ihr fordern, wird die Sache brenzlig. Gut, dass ihre schmucke Urlaubsbekanntschaft (grandios lakonisch: ) zur Stelle ist, um der Dame in diesen schweren Zeiten beizustehen.

Kurz nach dem Attentat auf John F. Kennedy kam dieser Film in die US-amerikanischen Kinos - das letzte Aufbäumen eines untergehenden Kino-Zeitalters. In "Charade" spielt das alte, glamouröse ein letztes Mal auf - mit Cary Grant, Walter Matthau und Audrey Hepburn. Und die großen Namen liefern ab.

Trotz des erheblichen Altersunterschieds knistert es gewaltig zwischen den beiden Hauptcharakteren: Grant und begegnen sich auf Augenhöhe, wenn sie miteinander flirten und sich schlagfertige Wortduelle ("Weißt du, was die CIA ist?" "Ich nehme mal an, keine Fluggesellschaft") liefern. Die erotische Spannung zwischen beiden ist deutlich spürbar, auch wenn außer dem berühmten Kuss am Filmende nichts auf der Leinwand zu sehen ist. (Es sei denn, Sie stehen auf einen pudelnassen, Anzug tragenden Cary Grant in der Dusche.) Und trotz all dieser Leichtigkeit, die die beiden in den Film bringen, bleibt er doch zuallererst ein Thriller. Regisseur Donen hält die Spannung bis zum Ende aufrecht - und nestelt damit zumindest an Hitchcocks Rockzipfel.

Zwei TV-Tipps von Jens Wiesner, freier Autor beim stern. Wer mag, kann ihm auf Facebook oder Twitter folgen

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo