HOME

"Gumball 3000": Millionäre geben Gummi

Für Kritiker ist es "organisiertes Rowdytum", für Teilnehmer das "letzte wirkliche Abenteuer der Moderne": die "Gumball 3000"-Rallye. Jetzt sorgen die Snobs in ihren PS-Geschossen wieder für Angst und Schrecken auf Europas Autobahnen.

Von Klaus Bellstedt

"Eine Woche lang nonstop Party und Autofahren" haben die Organisatoren der "Gumball 3000"-Rallye den Teilnehmern in diesem Jahr versprochen. Inspiriert durch den Film "The Cannonball Run" mit Burt Reynolds von 1980 ("Auf dem Highway ist die Hölle los") versuchen 120 Teilnehmer - meist schwerreiche britische Exzentriker - seit Sonntag, einen in London begonnenen Rundkurs von über 5000 Kilometern zu bewältigen. An Straßenverkehrsregeln hält sich selbstverständlich niemand.

Die Strecke führt dieses Jahr vom Startpunkt London über Amsterdam zum Flughafen Frankfurt-Hahn, von wo die Fahrzeuge plus Entourage nach Istanbul geflogen werden. Danach geht es über Thessaloniki nach Athen, weiter über Tirana und Dubrovnik nach Bratislava und Oschersleben, und dann zurück in die britische Hauptstadt. Am 5. Mai soll der Sieger in der Londoner "Met"-Bar die begehrte Trophäe in Form eines mit einer Glaskugel bestückten Kaugummiautomaten (Gumball) erhalten.

Ferrari-Fahrer halten Geldstrafenrekord

Was die "Sunday Times" bereits im letzten Jahr als "organisiertes Rowdytum" und "schändlichsten britischen Exportartikel, der die Klassengrenzen überwunden hat" bezeichnete, sehen die Organisatoren "als letztes wirkliches Abenteuer der modernen Zeit". Zwar finden ständig irgendwelche Nachempfindungen des "Cannonball Run" statt, vor allem in den USA. Die britische Variante zeichnet sich jedoch durch eine besondere Mischung von Snobismus und Dekadenz aus.

Die meisten der Autos sind Luxusgeschosse der Typen Porsche, Ferrari, Maserati und Lamborghini oder Aston Martin. Teilnehmer der Rallye sind übrigens dazu angehalten, immer ausreichend Bargeld im Handschuhfach zu haben, weil schon mal der ein oder andere fette Strafzettel fällig wird. In diesem Jahr ist man vor allem gespannt, ob der Geldstrafenrekord des vergangenen Jahres eingestellt wird: Zwei Ferrari-Fahrer hatten insgesamt 18.000 Pfund (ca. 27.000 Euro) zahlen müssen.

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Adidas sponsort "Pimp my Ride"-Star

Und auch die deutsche Polizei kann bereits sagen, dass sie dabei gewesen ist. Sicherheitsleistungen im fünfstelligen Bereich kassierte allein die Autobahnpolizei in Rheinland-Pfalz in der Nacht zum Montag von insgesamt 62 Rallye-Rowdys, die in einer Baustelle zwischen 58 und 109 Stundenkilometer zu schnell fuhren. Die Mehrheit der Teilnehmer habe sich allerdings "diszipliniert" verhalten, sagte ein Polizeisprecher stern.de. Bei schweren Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung sind den deutschen Gesetzeshütern allerdings die Hände gebunden: "Wir können Engländern oder Amerikaner nicht den Führerschein entziehen. Das ist unser Problem."

Apropos Polizei: Noch heute lacht man in Teilnehmerkreisen über jene Szene aus dem Jahr 1999, als die französische Polizei an der Riviera einen "Gumball"-Krankenwagen stoppte, der mit Blaulicht unterwegs war. Als dann auch noch ein ebenfalls falscher Polizeiwagen anhielt, dessen Beifahrerin sich als Alexandra Aitkin, Tochter des ehemaligen britischen Verkehrsministers vorstellte, habe die richtige Polizei die Autos resignierend weitergewunken: "Das ist der echte 'Gumball'-Stil", heißt es in einem offiziellen Erfahrungsbericht.

Pikanterie am Rande: Der Herzogenauracher Sportartikelhersteller Adidas ist ins Sponsoring des "Gumball 3000" eingestiegen - und hat zwei Fahrer unter Vertrag genommen bzw. mit Schuhwerk und "Streetwear" ausgestattet. Neben Rapper Xzibit - bekannt aus der MTV-Serie "Pimp My Ride" - ist auch Autonarr und Jamiroquai-Sänger Jay Kay für Adidas mit am Start. Für Xzibit war der "Gumball"-Spaß allerdings relativ schnell vorbei. Bereits auf der ersten Etappe durch Holland verlor der Rapper seinen Führerschein, seitdem fährt der Ami nur noch als Beifahrer mit...

Wissenscommunity