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Sascha Hehn im Interview: "Ich hing in Millionen von Mädchenzimmern"

In der ZDF-Sitcom "Lerchenberg" spielt Sascha Hehn einen Schauspieler namens Sascha Hehn. Im Interview verrät er, wieviel Wahrheit in der Satire steckt - und erzählt von seiner wilden Vergangenheit.

Herr Hehn, was glauben Sie: Wie kam das ZDF ausgerechnet auf Sie für die Hauptrolle in der Sitcom "Lerchenberg"?
Ein Regisseur und ein Produzent standen bei mir vor der Tür. Nach einem kurzen Gespräch wollte ich die eigentlich rausschmeißen. Aber dann haben wir uns nochmal hingesetzt, und ich habe mit meiner Lebensgefährtin gesprochen. Ich fand das Projekt interessant: Wer hat schon die Gelegenheit, sich selbst zu spielen? Das ist eine schöne Herausforderung: Sascha Hehn spielt Sascha Hehn, der er eigentlich nicht ist. Manchmal muss er das aber sein, nämlich dann, wenn er sympathisch wirkt, denn ganz unsympathisch darf er in der Rolle auch nicht sein.

Haben Sie keine Bedenken, dass Sie viele Zuschauer mit Ihrem Film-Alter-Ego verwechseln?

Da hab ich kein Problem. Die Satire ist ja klar erkenntlich.

In der Rolle heißt es, Sie hätten zu "Schwarzwaldklinik"-Zeiten zahlreiche Affären gehabt. Dazu sagen Sie: "Meine Güte Sibylle, das waren die Achtziger." Sie galten damals als Sexsymbol: Wie waren die Achtziger denn bei Ihnen?

Damals hat die "Bravo" ein Poster von mir gemacht, einen Starschnitt à la Burt Reynolds, quer über meinen Lenden lag ein Handtuch. Das hing in Millionen von Mädchenzimmern.

Sie fuhren in den 80ern schnelle Sportwagen und galten als Playboy. War das Image etwa falsch?

Nein, das war richtig. Ich hab die Economy dieses Landes nach oben gehievt und dafür gesorgt, dass ein paar Arbeitsplätze in der Autoindustrie erhalten bleiben. Im Gegensatz zu heute, da hat mein VW-Bus schon über 200.000 Kilometer auf dem Tacho. Das war eine andere Zeit, ein anderer Mensch.

Gab es einen Wendepunkt in Ihrem Leben, wo Sie sich plötzlich zurückgezogen haben?
Das war ein ganz normaler Prozess. Ich bin auf dem Lande groß geworden, habe dann 23 Jahre in der Großstadt gelebt, bin dann im Gesundungsprozess zurückgegangen. Großstädte haben sicher einen besonderen Reiz, weil man hier alles haben und erreichen kann. Aber die Hetze nach schöner, reicher, größer - da habe ich mich dann irgendwann ausgeklinkt.

Arrogant, selbstherrlich, eitel, realitätsfern - welche der Eigenschaften des Film-Sascha-Hehn trifft am ehesten auf den echten zu?

Darüber kann ich Ihnen keine Auskunft geben. Kein Kommentar.


Eine sehr diplomatische Antwort.
Es hat sehr viel Spaß gemacht, diese Rolle zu spielen. Es bleibt eine fiktive Geschichte - obwohl sie sehr viel Wahrheit beinhaltet. Das ist der Witz daran.

Der Film-Hehn beklagt fehlenden Anspruch seiner Drehbücher. Gab es in der Vergangenheit bei Ihnen Drehbücher und Rollen, auf die das zutraf?

Sicher, es gab Drehbücher, wo man sich fragt: Was wollen die hier eigentlich machen? Solche Sachen lehnt man dann ab, denn Arbeitszeit ist Lebenszeit. Wir haben eine unglaubliche Masse an Programmen. Über 50 Kanäle, 2200 Fernsehprogramme über Satellit. Das ist qualitativ nicht zu füllen. Problematisch wird es, wenn Formate wie das "Dschungelcamp" als preiswürdig erachtet werden, wo ehemalige Protagonisten, deren Selbstachtung ad acta gelegt worden ist, für ein paar Kröten reingehen, weil sie sich eine zweite Karriere erhoffen. Da muss man dann irgendwann Stopp sagen: Wo wollen wir eigentlich hin? Wenn das die Vorbilder für unsere Jugend darstellen sollen, dann haben wir ein echtes Problem. Deswegen arbeite ich fast ausschließlich für öffentlich-rechtliche Sender. Denn die halten sich an Werte.

Sie sehen sich als Vorbild?

Ob ich selbst als Mensch ein Vorbild bin, weiß ich nicht. Das ist auch nicht meine Aufgabe. Aber was Unterhaltung angeht: ja. .

Der Vergleich mag etwas gewagt klingen: Lange Zeit galt Heino als uncool …

(lacht) Bitte nicht.


Mit seinem neuen Album ist er plötzlich hip geworden. Es bestehen da gewisse Parallelen zu Ihnen: Durch die Rolle in Lerchenberg könnten auch Sie ein ganz neues, junges Publikum gewinnen. Sind Sie so etwas wie der Heino des Schauspielens?

Zu Heino: Ich mach das nicht auf Kosten anderer. Was "Lerchenberg" angeht: Alles was neu und innovativ ist, ist erst mal lobenswert. Ich bin ein Fan von neuen Formaten und möchte damit auch ein neues Publikum ansprechen, das sonst vielleicht nicht ZDF guckt.

Sie haben langjährige Erfahrung mit dem ZDF. Ist die Anstalt halbwegs realitätsgetreu wiedergegeben?
Der neue Intendant hat gesagt, diesen Beruf kann man nur mit Humor ertragen. Da hat er Recht. Ich bestehe aber auf der Feststellung, dass wir eine fiktive Sitcom gemacht haben. Die sehr viel Realität beinhalten könnte.

Interview: Carsten Heidböhmer