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E-Mail von Till: Long live Synchronisation!

Beinahe hätten wir's geglaubt: Die EU will die Synchronisation von Filmen verbieten. Stimmt alles gar nicht. Dabei hatte sich Till Hoheneder schon so schöne Gedanken gemacht, was uns alles blühen würde.

Leute, mal ganz ehrlich! Die EU hat in den letzten Jahren eine solche Regulierungswut an den Tag gelegt, dass wir die folgende Falschmeldung fast geglaubt hätten: EU-Parlament fordert eine Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Synchronisierung! Alle Fernsehfilme, die hierzulande in öffentlich-rechtlichen Sendern laufen, müssten demnach im Original und mit Untertiteln gezeigt werden. Selbst die "Tagesschau" wäre davon betroffen! Wir dürften uns also auf Dabbeljuh Bush im Original und Kostproben wie "When the governor calls, I answer his phone!" freuen. Das ist gemein vor allem dem US-Präsidenten gegenüber. Denn der braucht die Synchro am nötigsten: weil er seine Muttersprache nicht beherrscht!

Aber keine Sorge: ist alles nur halb so schlimm. Tatsächlich handelt es sich nur um eine (deaktivierbare) Untertitelung aller öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme, damit auch Gehörlose dem Programm folgen können. Gut so. Denn was machten die Leute, die wie Bush kein richtiges Englisch können? Der neue Erotikthriller mit FIA-Boss Mosley zum Beispiel bedarf dringend einer guten Synchronisation, damit alle Spaß haben. Aber - es müssen die richtigen Sprecher sein! Wer kennt das nicht: Alleine im Hotel, aus Versehen hat die Rezeption die falschen Pay-TV Kanäle gesperrt und der einzige Film, der noch funktioniert ist das cineastisches Meisterwerk "Alice im Ständerland". Mit einem 20 Minuten langen Cumshot-Finale, das von Mike Krüger (war jung, brauchte das Geld) und Barbara "Golden Girl Sophia" Ratthey völlig uninspiriert "gesprochen" wird, dazu noch alles andere als lippensynchron!

Der falsche de Funès

Es muss die richtige Stimme sein! Warum? Als Kind gab es einen Moment, an dem ich feststellen musste, dass mein Vater eine Luftpumpe ist: Die "Hörzu", damals die absolute Nr. 1 der Fernsehzeitungen (sonst gab es noch den "Gong", Chefredakteur war Helmut "Focus" Markwort, schon damals der ewige Zweite), kündigte für 19.30 Uhr den Spielfilm "Der Gendarm vom Broadway" mit Louis de Funès an. Ich war außer mir vor Freude, bis der erste Satz aus Louis' Mund kam! Was ich hörte, war nicht DIE Stimme von Louis de Funès, sondern die vom schmierigen Dean Martin. Rasend vor Wut forderte ich meinen Vater, diesen nichtsnutzigem Lappen, auf, sofort die richtige Stimme von Louis einzustellen. Aber der "Resignator" meinte nur schlaff, er könne schließlich nichts dafür, wenn der Herr de Funès in diesem Film nicht die Synchronstimme von Gerd Martienzen hätte.

Im Ernst - wer kennt das nicht: Wehe, John Wayne hat nicht die Stimme von Arnold Marquis! Tom Hanks geht gar nicht ohne Arne Elsholtz, und Woody Allen besteht darauf, dass Wolfgang Draeger seine deutsche Stimme ist. Christian Brückner wird im Supermarkt an der Fischtheke nur mit "Guten Tag, Herr de Niro" angesprochen, was ihn aber weiter nicht stört, denn er glaubt mittlerweile selbst, dass er de Niro sei. Klar, ich kenne natürlich viele Kollegen, die gerne kolportieren, dass "man diesen Film unbedingt im Original sehen muss, die Übersetzung taugt nix, da geht zuviel verloren." Aber Hand aufs Herz - das sind dieselben Kollegen, die schon beim Terminator I auf Englisch für "I'll be back" ein Wörterbuch brauchen! Weil ja sonst der Witz verloren geht: Ich werde Rücken sein. Long live Synchronisation!

Bis die Tage!