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Eichinger-Porträt: "Filmemachen, das ist mein Leben"

Die Filmwelt trauert um Bernd Eichinger. Der deutsche Produzent starb im Alter von 61 Jahren überraschend in Los Angeles. Viele einzigartige Filme tragen seinen Stempel.

Bernd Eichinger war ein Vollblut-Filmemacher. Sein Name ist verbunden mit Werken wie "Das Mädchen Rosemarie", "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" oder "Das Parfum". Er nahm unzählige Preise entgegen und sogar bei den Oscars fieberte er mehrfach mit - etwa als der Hitler-Film "Der Untergang" und das RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" für die Goldtrophäe nominiert waren.

Wer dem Münchner Produzenten begegnete, erlebte einen Filmbesessenen; einen, der die Arbeit an seinen Werken mit vollem Herzen vorantrieb. In 30 Jahren produzierte Eichinger mehr als 70 Filme. Dass er so erfolgreich werden konnte, lag nicht zuletzt an seinem feinen Gespür für gute Stoffe und an seiner Leidenschaft. Eichinger beschrieb sich selber als "filmsüchtig". "Ich liebe Filmemachen, das ist mein Leben", sagte er noch im vergangenen April, als er den Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises erhielt. Die damalige Auszeichnung mit der Lola war ein Höhepunkt in seinem Leben.

Mit "Christiane F." kam der Durchbruch

Eichinger wurde am 11. April 1949 im bayerischen Neuburg an der Donau als Sohn eines Landarztes geboren. Die Umgebung war streng katholisch, mit elf kam er ins Internat. Wie schlimm diese Zeit war, verarbeitete er in seinem ersten Film. Ein Junge geht darin ins Internat, wo eine Glocke das ganze Leben einteilt - wecken, Kirchgang, Mittagessen, Schlafenszeit. Nach Jahren geht der Junge zum Glöckner, der ein Sadist ist, und ersticht ihn. Mit dem Film unter dem Titel "Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues" schaffte er es auf die Filmhochschule in München. Hätte es nicht geklappt, wäre er Dorflehrer geworden, sagte Eichinger. Bald nach der Filmhochschule kam der Durchbruch. Es habe damals, Mitte der 70er Jahre, nur Filme gegeben, die ihn nicht interessierten. Deshalb habe er dann "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gemacht. Es war der erste große Erfolg Eichingers und er gelang ihm mit dem Filmunternehmen Constantin Film, bei dem er kurz vorher eingestiegen war.

"Er hat etwas Maßloses"

Eichinger lebte seine Leidenschaft für die bewegten Bilder als Produzent, Drehbuchschreiber, Regisseur und sogar in einer kleinen Rolle als Schauspieler aus. "Er hat etwas Maßloses", charakterisierte ihn einmal sein guter Freund und Regisseur Uli Edel. Eine Eigenschaft, die die Arbeit mit ihm nicht immer leicht machte, denn die Rolle des reinen Geldbeschaffers behagte ihm nicht. Er wollte künstlerisch mitarbeiten, den Filmen seinen Stempel aufdrücken, schrieb gerne selber an Drehbüchern mit, beteiligte sich an der Schauspielerbesetzung und war auch beim Filmschnitt dabei.

Doch seine vielen Erfolge gaben ihm recht. Internationale Literaturverfilmungen wie "Der Name der Rose" waren auch in den Kinos ein Erfolg, ebenso wie die Kassenschlager "Der bewegte Mann" mit dem damals noch recht unbekannten Til Schweiger oder "Der Schuh des Manitu", mit dem Michael "Bully" Herbig seinen Kinodurchbruch feierte.

Dabei hätte manches schief gehen können angesichts von Eichingers Risikobereitschaft. 30 Jahre war er alt, als er die damals finanziell angeschlagene Verleihfirma Constantin Film übernahm. Innerhalb weniger Jahre sanierte er das Unternehmen, durchlitt Höhen und Tiefen, hatte immer aber auch Zeit für die künstlerischen Aspekte seiner Arbeit. 2006 gab Eichinger seine Anteile endgültig ab, blieb Constantin aber weiter als Produzent erhalten.

Fall Kampusch war sein nächstes Filmprojekt

Wie leidenschaftlich Eichinger bei seinen Filmen war, zeigte vor allem "Der Baader Meinhof Komplex", bei dem Uli Edel Regie führte. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Film so mitnehmen, so angreifen würde", gestand Eichinger in einem Interview. Die Beschäftigung mit dem Stoff habe ihn plötzlich sehr traurig gemacht, er sei in eine regelrechte Depression verfallen. Doch dieses Tief habe ihn gestärkt. Auch sein nächstes Projekt wäre harte Kost geworden: Er wollte 2012 die Geschichte des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch ins Kino bringen.

Öffentlich gab sich Eichinger oft geheimnisvoll. Zwar ließ er sich auch gerne auf dem roten Teppich bei einer Filmpremiere blicken oder vergnügte sich beim Deutschen Filmball, gerne mit seiner Tochter Nina oder seiner Ehefrau, der Journalistin Katja Hoffmann. Gleichzeitig war er zurückhaltend und gab nur wenig Einblick in sein Privatleben. Trotzdem umgab ihn immer eine Aura des Glamours - hübsche Frauen wie die Schauspielerinnen Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint oder Corinna Harfouch standen ihm nahe. Mit Eichingers Tod hat Deutschland einen seiner berühmtesten Filmschaffenden verloren.

mad/Cordula Dieckmann, DPA/Ralf Isermann, AFP / DPA