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Filmbranche: Das Nationalteam rettet das Kinojahr

Trotz Fußball-Weltmeisterschaft hat die Kinobranche 2006 ihren Abwärtstrend gestoppt. Neben Blockbustern wie "Ice Age 2" oder "Fluch der Karibik" war ausgerechnet die Nationalmannschaft für das gute Jahr mitverantwortlich.

"Insgesamt gehen wir davon aus, dass wir im Vergleich zum Vorjahr ungefähr fünf bis zehn Prozent mehr an Besuchern und Umsatz erreichen werden", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Filmverleiher, Johannes Klingsporn, in Berlin zur Bilanz des Kinojahres 2006. Großen Anteil am unerwarteten Erfolg hatte demnach der deutsche Film: Im ersten Halbjahr 2006 lag der Marktanteil bei knapp 20 Prozent (12,8 Millionen) und erzielte damit den höchsten Stand seit 1997.

2005 hatte die Branche die heftigsten Verluste seit zehn Jahren hinnehmen müssen: Die Besucherzahl war um knapp 19 Prozent auf 127,3 Millionen gesunken. In diesem Jahr lägen die so genannten Wochenendergebnisse - gezählt wird vom Verband der Filmverleiher von donnerstags bis sonntags - bei Besuchern und Umsatz bis zur 49. Kalenderwoche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei je rund zehn Prozent höher, wie Klingsporn sagte. Bislang seien über 85 Millionen Besucher in die Kinos geströmt und hätten für einen Umsatz von über 540 Millionen Euro gesorgt - über 49 Millionen Euro mehr als 2005. Die Wochenendergebnisse machten zwischen 70 bis 80 Prozent der Ergebnisse der gesamten Woche aus.

Blockbuster und deutsche Produktionen

Für den Erfolg verantwortlich waren neben den deutschen Filmen die Blockbuster-Produktionen "Ice Age 2" (rund neun Millionen Besucher), "Fluch der Karibik" (sieben Millionen) und "Da Vinci Code" (knapp sechs Millionen). Drei deutsche Filme haben den Angaben zufolge die Drei-Millionen-Grenze durchbrochen: "Das Parfum", "Deutschland - ein Sommermärchen" und "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug". Der Film über die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde mit fast vier Millionen Besuchern mittlerweile zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten. Auch das für den Oscar nominierte Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" habe hohen Zuspruch erfahren: Die Produktion von Florian Henckel von Donnersmarck, die erst Anfang Dezember den Europäischen Filmpreis erhielt, sahen hier zu Lande 1,5 Millionen Menschen.

Die Branche blickt auch optimistisch ins kommende Jahr. "Ich gehe davon aus, dass 2007 noch besser als 2006 sein wird", sagte Klingsporn. Es gebe keine Fußball-WM oder andere sich negativ auf Besucherzahlen auswirkende große Veranstaltungen. Zudem kämen Blockbuster wie "Harry Potter und der Orden des Phönix", "Fluch der Karibik 3", "Spider Man 3" oder "Ocean's 13" in die Kinos. Auch auf deutsche Produktionen dürfe man gespannt sein: So produziere Dani Levy den Film "Mein Führer" mit Helge Schneider in der Rolle Adolf Hitlers. Darüber hinaus komme der Animationsfilm "Lissi und der wilde Kaiser" von Michael "Bully" Herbig in die Kinos. Darüber hinaus würden die Komödie "Schwere Jungs" und die Verfilmung des Bestsellers "Vollidiot" mit Oliver Pocher in seiner ersten Kino-Hauptrolle erwartet. Die Gesamtbilanz des Kinojahres stellt die Filmförderungsanstalt immer kurz vor der Berlinale Anfang Februar vor.

AP

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