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Filmfestspiele in Venedig: Die Filmfestspiele gehen auf Nummer sicher

Beim diesjährigen Filmfestival von Venedig herrscht kein Mangel an großen Namen. Festivaldirektor Marco Müller hat ganz andere Sorgen: die Sicherheit.

George Clooney als Regisseur, Ex-Monty-Python Terry Gilliam mit einem Streifen über die Gebrüder-Grimm-Märchen, Lasse Hallström mit "Casanova", dazu jede Menge Hollywood-Stars wie Kate Winslet, Susan Sarandon, Anthony Hopkins und Gwyneth Paltrow: An großen Namen mangelt es beim Filmfestival von Venedig (31. August bis 10. September) diesmal wirklich nicht. Festivaldirektor Marco Müller hat denn auch ganz andere Sorgen: Sicherheit.

Bislang ging es am Lido, gelinde gesagt, recht lax und leger zu, doch mittlerweile zählt Italien zu den Ländern im Visier der Terroristen. Wenn das Spektakel an diesem Mittwoch mit dem martialischen chineschen Schwertkämpfer-Film "Seven Swords" von Tsui Hark beginnt, müssen Ehrengäste und Journalisten Kontrollen wie an Flughäfen über sich ergehen lassen. "Ziemlich lästig", findet Müller.

Deutsche Filme nur in der Nebenreihe

19 Filme kämpfen um den Goldenen Löwen, 14 davon sind europäische Produktionen oder Koproduktion, aber ein Deutscher ist diesmal nicht im Rennen. Dafür laufen allerdings zwei interessante deutsche Streifen in der Nebenreihe Orizzonti: Altstar Werner Herzog präsentiert "The Wild Blue Yonder", eine halb-dokumentarische Fantasy-Story über Astronauten, die im Weltall verloren gehen. Herzog soll den poetisch erzählten Streifen einen seiner aufregendsten Filme genannt haben. Ganz anders "Die Große Stille" von Philip Gröning in der selben Reihe: ein Film über Abgeschiedenheit und Schweigen in einem Kartäuser-Kloster. "Radikales Kinoereignis", heißt es vorab.

Hollywood und Goldener Löwe - das geht meist nicht gut. George Clooney, der "bekennende Italiener", der immer häufiger in seinem Haus am Comer See residiert, hat diesmal vielleicht Glück: "Goodnight and Good Luck" heißt sein Beitrag, und der verspricht einigermaßen "Amerika-kritisch" auszufallen, was bei Kritikern und Publikum in Venedig hilfreich sein dürfte: Es geht um die Kommunistenjagd in der McCarthy-Ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Clooney tritt darin auch als Schauspieler auf, gemeinsam mit Robert Downey Jr. und Jeff Daniels. Weitere Anwärter auf den Löwen: John Turturros "Romance and Cigarettes" (mit Winslet, Sarandon, Christopher Walken), Märchenerzähler Gilliam und John Madden ("Shakespeare in Love") mit "Proof" und Starbesetzung Hopkins, Paltrow und Jake Gyllenhaal.

Patrice Chéreau gilt vorab als Favorit

Als Mitfavorit gilt auch der französische Großmeister Patrice Chéreau mit "Gabrielle" mit Isabelle Huppert, natürlich eine Beziehungskrise in der besseren französischen Gesellschaft. Mit Spannung wird die britisch-kenianisch-deutsche Koproduktion "The Constant Gardener" von Fernando Meirelles erwartet, die Verfilmung von John Le Carrés gleichnamigem Weltbestseller "Der ewige Gärtner". Es geht darin um schmutzige Pharmaversuche in Afrika.

Eine andere Frage ist, ob es auch bei der 62. Ausgabe des Festivals wieder das gute, alte "Lido-Syndrom" gibt: Die besten Filme laufen außer Konkurrenz. Könnte schon sein. Außerhalb des Wettbewerbs treten Megastar Steven Soderbergh an (mit "Bubble", von dem es bisher nur verlässlich heißt, es sei ein "Mystery-Thriller"), Hallström mit "Casanova" (einem opulenten Kostümfilm offenbar, der in Italien schon vorab gefeiert wird) und Cameron Crowe mit "Elizabethtown".

Große Namen, große Erwartungen. Doch was Festivalleiter Müller (im zweiten Jahr am Lido) am meisten fürchtet, sind peinliche Verspätungen wegen der neuen Sicherheitskontrollen. Schon im vergangenen Jahr ärgerte sich das Publikum über zeitweises Organisations-Chaos - dabei gab es damals noch nicht mal Kontrollen.

Peer Meinert/DPA / DPA