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Filmstart "Confession of a Child of the Century": Doherty spielt sich selbst nicht gut

Viel schauspielern müsste er eigentlich nicht: In "Confession" spielt Pete Doherty einen an der Liebe zweifelnden und von Dekadenz überwältigten Schönling. Doch sein Debüt bleibt hölzern.

Wenn Pete Doherty am Anfang von "Confession" mit verwuscheltem Haar und traurigen, verlorenen Augen herumirrt, von der Geliebten betrogen, beim Duell verletzt und von Alkohol- und Sexexzessen betäubt, dann sieht man in dieser Figur zu allererst Doherty. Der Musiker, der mit seiner Beziehung zu Supermodel Kate Moss, Drogen-Skandalen und Gefängnis-Aufenthalten vor allem in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen sorgte.

Etwas hölzern spielt er an der Seite der großartigen Charlotte Gainsbourg diesen romantischen Helden Octave in Sylvie Verheydes Verfilmung des autobiografischen Romans "Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen" von Alfred de Musset (1810-1857). Schauspielerisch mag Doherty darin nicht brillieren, und doch scheint ihm die Rolle auf den Leib geschrieben.

Verheydes bildgewaltiges Epos erzählt von der schmerzhaften Beziehung von Octave (respektive de Musset) zu der um ein paar Jahre älteren Witwe Brigitte (Gainsbourg), die im wahren Leben George Sand hieß, die Schriftstellerin, mit der de Musset jahrelang eine leidenschaftliche Beziehung führte.

Keine Geldsorgen, dafür rauschende Feste

Octave ist ein verlorenes Kind seiner Zeit: keine Geldsorgen, keine richtige Arbeit, dafür rauschende Feste und flüchtige Liebschaften. Doch nachdem er sich von seiner Geliebten Elise (Lily Cole) betrogen fühlt, kann er nicht mehr an die Liebe glauben. Zum Sterbebett seines Vaters aufs Land gerufen, lernt er dort Brigitte kennen. Nach anfänglichem Zögern finden sich die beiden und wissen doch, dass auch diese Liebe nicht halten wird. Und so ist "Confession" vor allem die Erzählung nicht nur einer quälenden Liebe, sondern auch einer sich ankündigenden schmerzvollen Trennung. Octave kann nicht mehr an die Liebe glauben, sein zynischer, dandyhafter Freund Desgenais (August Diehl) schon gar nicht.

Verheyde lässt ihre Figuren zwischen Liebe, Hoffnung und Enttäuschung taumeln und wählt dafür schwelgerische Bilder: Halbnackte Körper liegen übereinander, leere Weingläser stehen neben exotischen Früchten und prunkvollen Kerzenleuchtern, hier blitzt eine nackte Brust aus dem Korsett hervor, dort schläft ein berauschter Liebhaber mit offenem Mund. In einer Schlüsselszene liegen Octave und Brigitte in weißen Laken im Bett eines lichtdurchfluteten Zimmers. Octave liest ihr Tagebuch, spielerisch albern die beiden miteinander, ein Glück, das trügt und vergänglich ist.

Dohertys Leistung ist dabei nicht unbedingt überzeugend. Doch man muss sich einlassen auf die Bilder und die Unmöglichkeit der Liebe in einer dekadenten, übersättigten Welt, um diesen melancholischen Rausch erleben zu können.

Britta Schmeis, DPA / DPA