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Filmstart "London Boulevard": Keira Knightley verbeugt sich vor dem Gangstergenre

William Monahan Erstlingswerk als Regisseur ist eine Verbeugung an Billy Wilders "Sunset Boulevard" geworden. Auch wenn der Streifen nur an dessen Rockzipfel nesteln kann - eine unterhaltsame Gangsterfilm-Hommage ist dennoch draus geworden.

Wegen Körperverletzung saß er drei Jahre im Londoner Knast, doch nun will der hübsche Kleinganove Mitch (Colin Farrell) sauber bleiben. Zumal sein neuer Job als Leibwächter einer von Paparazzi verfolgten Schauspielerin (Keira Knightley) ihm eine in jeder Hinsicht positive Zukunft verspricht. Doch Mitchs Ruf als Schläger ist in der Unterwelt noch allzu präsent - man mag ihn nicht aus den Klauen geben. Während der brutale Boss Gant (Ray Winstone) ihn also mit allen Mitteln als Geldeintreiber gewinnen will, versucht der junge Held, sich seinen Weg aus kriminellen Verstrickungen freizukämpfen.

Was wie ein klassischer britischer Gangsterfilm etwa der sechziger Jahre klingt, ist eine Hommage genau darauf. Nach dem Roman "London Boulevard" des irischen Schriftstellers Ken Bruen hat der Oscar-prämierte amerikanische Drehbuchautor William Monahan ("Departed - Unter Feinden") sein gleichnamiges Regiedebüt als stylish-lässigen, gemäßigt actionreichen Thriller samt Liebesaffäre angelegt. Obwohl der Streifen mit seinen diversen Unterhandlungen weder innovativ noch formal perfekt erscheint, gelingt Monahan das Kunststück, Unterhaltsamkeit mit einer frustrierenden Gegenwartsanalyse zu verbinden.

Als verkommen, grausam und heimatlos zeigt der 51-Jährige die Menschen in einer Welt, die unter anderem durch harte Arm-Reich-Kontraste und Voyeurismus gebrandmarkt ist. Hoch ästhetische Bilder von den Schattenseiten der Hauptstadt (Kamera: Oscar-Preisträger Chris Menges), schnelle Schnitte, drastisch-pointierte Dialoge und cooler Retro-Sound der Yardbirds, Bob Dylans und der Stones schaffen eine Atmosphäre, in der Verbrechen zum Kino-Vergnügen wird. Vom Kaliber her jedoch nicht vergleichbar ist das Werk mit Billy Wilders außerordentlichem film noir "Sunset Boulevard" (1950), der für Bruens Story Pate gestanden hat.

Den Clou in Monahans Film bildet ein Reigen von Stars, der noch aus Nebenrollen Funken schlägt. Neben dem zupackenden irischen Hollywood-Beau Farrell (35, "Miami Vice") brilliert zum Beispiel David Thewlis, der Professor Remus Lupin aus "Harry Potter". In "London Boulevard" gibt er einen kauzigen Ex-Junkie mit harten Sprüchen ("Erst war ich in einer Kindersendung und dann auf Methadon"), der Haus und Hof von Mitchs neuer Arbeitgeberin versorgt und den Zuschauer zum Schmunzeln treibt. Als charismatischer Unterweltkönig fesselt Ray Winstone die Aufmerksamkeit. Weniger überzeugt dagegen Keira Knightley (26, "Die Herzogin"); die Leinwanddiva bleibt seltsam blass.

Ulrike Cordes, DPA / DPA