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Filmstart "R.E.D. - Älter. Härter. Besser": Die alten Eisen schießen noch

Es gibt ein Leben nach der Rente. Mit großem Staraufgebot beugt sich auch Hollywood der demografischen Entwicklung: In "R.E.D." zeigen Bruce Willis, John Malkovich und Helen Mirren der Jugend, wie man kämpft.

Von Sophie Albers

Haben Sie auch Angst vor dem Altern? Dann ist "R.E.D. - Älter. Härter. Besser." genau der richtige Film für Sie. Darin nimmt niemand Geringeres als Mister Cool Bruce Willis selbst den Zuschauer an die Hand, um ihn genau so schnell und geradewegs aus dem Klischeegarten zu führen, wie er als pensionierter C.I.A.-Agent Frank Moses Knochenbrüche verteilt.

Die auf dem gleichnamigen Comic von Warren Ellis basierende Actionkomödie beschäftigt sich mit der bisher unbeantworteten Frage, was eigentlich mit all den James Bonds, Jack Bauers und Jason Bournes passiert, wenn sie nicht mehr straff und in den besten Jahren, sondern faltig und alt sind.

Die Reflexe funktionieren noch

Für Frank Moses bedeutet die Rente ein unscheinbares Leben in einem unscheinbaren Heim in einer unscheinbaren Vorstadt. Einziger Höhepunkt in der tristen Eintönigkeit sind Telefonate mit der Pensionskasse, denn er hat sich in die Stimme der für ihn zuständigen Sachbearbeiterin verknallt.

Eines Nachts jedoch vertreibt ein Killerkommando Frank Moses aus seinem unscheinbaren Leben. Seine Reflexe funktionieren noch, und so macht er sich auf, seine Ex-Kollegen zusammenzusuchen, mit deren Hilfe er herausfinden will, wer ihm nach dem Altenteil trachtet.

Den alten Joe (gewohnt ehrwürdig: Morgan Freeman) holt er aus dem Altersheim, den durchgeknallt-paranoiden Morgan (brillant: John Malkovich) aus einem Versteck im Sumpf und die eiskalte Meisterschützin Victoria (grandios schnippisch: Helen Mirren) aus ihrem Doppelleben als Betreiberin einer noblen Pension und Auftragskillerin.

Authentische Wehmut

Auf seinen Roadtrip durch Vergangenheit und Gegenwart nimmt Moses auch besagte Sachbearbeiterin Sarah (wunderbar lustig: Marie-Louise Parker) mit, die er kidnappt - zu ihrem eigenen Schutz, wie er meint. Los geht die actiongeladene Suche nach der Wahrheit, die - wie so häufig seit dem Ende der Ära Bush - in höchsten Regierungskreisen endet.

Das Großartige an "R.E.D." - was übrigens für Retired and Extremely Dangerous (in Rente und sehr gefährlich) steht - sind die Augenblicke von Wehmut, unter deren unterhaltsamer Oberfläche blanke Verzweiflung lauert, wenn Menschen, die nach Ansicht der Werbeindustrie kaum mehr einen Cent wert sind, genau dieser Ungeheuerlichkeit in die Fratze blicken. Wenn beispielsweise Freemans Joe auf der Veranda seines beschaulichen Altersheims steht und kaum fassen kann, dass er nach all dem, was er erlebt und geleistet hat, tatsächlich hier enden soll.

Der deutsche Regisseur Robert Schwendtke ("Flight Plan", "Die Frau des Zeitreisenden") geht der Schwere des Themas glücklicherweise nicht in die Falle. Er inszeniert mit dieser hochkarätigen Besetzung spielerische Leichtigkeit. Gespickt ist das Ganze zudem mit zuweilen extrem brutalen Kampfszenen. Warum sollte sich das Jungvolk diese alten Knacker sonst auch angucken?!