Gina Lollobrigida wird 80 Glücklich in der Rolle der Hässlichen


Während Gina Lollobrigida als Schauspielerin in den 50er und 60er Jahren große Erfolge feierte, war ihr in ihrem Privatleben kein Glück beschieden. Heute widmet sie sich Bildhauerei und Fotografie - und hofft noch immer auf ihr Happy End.

Erst neulich hatte Gina Lollobrigida wieder so einen kleinen Auftritt, wenn auch nur auf der Bühne der Klatschseiten. Das war, als ihre Hochzeit mit einem 34 Jahre jüngeren Spanier platzte. Der junge Mann habe einfach dem Druck der Medien nicht mehr standgehalten, ließ sie sich vernehmen. "Ihm geht es wirklich schlecht, wann wird die Presse aufhören, Menschen zu zerstören?" Solche kleinen Einlagen liebt sie, große Filmrollen sind ihr ja schon lange nicht mehr vergönnt, wie sie mitunter bitter vermerkt. Am Mittwoch, 4. Juli, wird Gina Lollobrigida 80 Jahre alt - einer der ganz großen Stars war sie allemal.

Dabei hatte "die Lollo" es nie so ganz leicht. Rasch wurde sie zu ihren Glanzzeiten, den eher prüden 50er und 60er Jahren, mit den Attributen "vollbusig" und "Männerschwarm" belegt - ihre schauspielerische Leistung drohte mitunter zu einer zweitrangigen Beigabe zu werden. Sehr zum Ärger der Italienerin. "Meine Lieblingsrolle war die alte Jungfer im Film 'Närrisches Meer' (1963) mit Jean-Paul Belmondo. Ich war ungeschminkt, hässlich hergerichtet, und trotzdem fühlte ich mich in meinem Element."

Von Altersmilde keine Spur

Ein weiteres Problem: Kaum war sie zum Star geworden, hatte sie mit einer mächtigen Konkurrentin zu kämpfen - Sophia Loren. Manche Kinofans sahen sie vornehmlich als "Busenfeindin der Loren". "Uns trennen Welten", meinte "Gina Nazionale" vor ein paar Jahren einmal. "Unsere Welten sind ganz unterschiedlich." Wenn man sich einmal träfe sage man "Buongiorno". Viel mehr nicht. Von Altersmilde keine Spur.

Dabei hat Gina Lollobrigida geschafft, wovon viele alternde Filmschauspielerinnen träumen, nämlich den Rollenwechsel, die "zweite Karriere". Seit Jahren arbeitet sie als Bildhauerin und Fotografin. Sie fotografierte Prominente wie Fidel Castro, das Fußballidol Pelé, Ronald Reagan und Salvador Dalí. Selbst die deutsche Fußballnationalmannschaft ließ sich vor ein paar Jahren von ihr ablichten. Auch mit dem Bildhauern hat sie Erfolg. "Meine Werke verkaufen sich mittlerweile." Dabei seien ihre Bronzeplastiken "sündhaft teuer", wie sie augenzwinkernd einräumt.

Erfolgreiche Teilnahme an Miss-Wahlen

Überhaupt, Schauspielerin sei "die Lollo" eher zufällig geworden, wird in Italien kolportiert. 1927 im malerischen Gebirgsdorf Subiaco in Latium geboren, studierte die Tochter eines verarmten Möbelfabrikanten nach dem Krieg Bildhauerei und Malerei in Rom. Außerdem liebäugelte sie mit einer Gesangskarriere und beteiligte sich erfolgreich an Miss-Wahlen. 1946 wurde sie dann buchstäblich auf der Straße entdeckt, 1947 engagierte sie der Produzent Mario Costa für seinen Film "Opernrausch".

Dann ging alles ganz rasch: Mit "Sturmglocken" feierte sie den ersten großen Erfolg, ihren internationalen Durchbruch schaffte sie 1952 mit "Fanfan, der Husar" und "Die Schönen der Nacht". Für "Pane, Amore e Fantasia" (1953) erhielt sie in Berlin den "Goldenen Bären". Zu ihren Welterfolgen zählt "Der Glöckner von Notre Dame", in dem Streifen spielt sie die bildhübsche Esmeralda. Kritiker meinten, sie habe ihren Partner Anthony Quinn förmlich an Wand gespielt.

Nie bekam sie einen Oscar

Sie war an der Seite von Stars wie Humphrey Bogart, Marcello Mastroianni, Sean Connery und Alec Guinness und arbeitete mit Regisseuren wie Howard Hughes und René Clair. Doch einen Oscar, im Gegensatz zur "Busenfeindin" Sophia Loren, bekam die Lollobrigida nie. Dafür wurde sie aber in Washington persönlich empfangen. Dennoch bekannte sie vor wenigen Jahren: "Ich habe über 60 Filme gemacht, aber ich bin alles andere als zufrieden mit meiner Karriere."

"Weniger Glück als andere" hatte sie nach eigenen Angaben "in Herzensangelegenheiten". 1949 heiratete sie den jugoslawischen Arzt Milko Skofic, nach ihrer Scheidung sagte man der "Lollo" Affären mit Hughes, dem Politiker Henry Kissinger und dem Herzverpflanzer Christiaan Barnard nach. Einmal seufzte sie: "Ich hoffe, dass das Glück mir noch hold ist, ehe ich 80 werde." Nach der abgesagten Hochzeit mit dem jungen Spanier muss sie nun doch weiter warten.

Peer Meinert/DPA DPA

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