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Heldenüberschuss: Warum Batman ein Nacktmulch ist

2008 ist das Jahr der Edlen, Mutigen und Kostümierten. Allein ein halbes Dutzend Comicsuperhelden schwingen sich auf die Leinwand. Doch auch die Old-School-Fraktion von Bond bis Rambo tritt an. Zeit für ein "Superhelden-Death Match".

Von Sophie Albers

Welchen Helden hätten's denn gern? Den glatten, kalten Bond in der Ausgabe mit den eisblauen Augen oder lieber den rau-charmanten Rabauken mit Professorentitel in Archäologie mit dem albernen Spitznamen Indy? Wir hätten auch noch einen wiederbelebten Freiheitskämpfer der Marke Do-it-yourself auf Lager, allerdings ist Rambo nach all den Jahren schon ein bisschen ramponiert. Aber natürlich können Sie auch die Fledermaus im Ganzkörper-Plastikanzug haben. Oder vielleicht doch lieber Hellboy mit der Donnerfaust?

Selten gab es so viele Leinwandhelden auf einem Haufen wie in diesem Jahr. Aber es kann bekanntermaßen nur einen geben, deshalb ist es Zeit für ein "Superhelden-Death-Match":

Comic-Heroen hat die Welt in diesem Jahr offenbar dringend nötig, denn neben Batman und Hellboy treten auch Hulk, Iron Man, Punisher und ein Verlierer namens Hancock an, der sein schlechtes Superheldenimage mittels Imageberater aufpolieren will. Kein Platz für solche Warmduscher! Hancock wird vom Punisher auf dem Weg zum Ring in eine Gruppe von McKinsey-Beratern gestoßen, die ihn kurzerhand zerfleischen.

Und Rambo klatscht

Allerdings hält der schnelle Triumph nur kurz vor: Iron Man beschwert sich noch vor Wettkampfbeginn bei der Jury, dass Punisher kein Superheld im herkömmlichen Sinne sei, fehlen ihm doch die Superkräfte. Es folgt die Disqualifikation. Und Rambo klatscht.

Im Ring stehen sich nun Iron Man und Hellboy gegenüber. Iron Man, angespornt vom kommunistenroten Outfit des Gegners, holt zum Schlag aus, doch hat er da bereits eine Delle in der Exorüstung, ohne dass Hellboy seine neue Waffe Big Baby überhaupt zum Einsatz gebracht hat. Der Waffenindustrielle mit der unbezwingbaren Ausrüstung ruft nach seiner Sekretärin Pepper Potts, die jedoch soeben mit dem unglücklichen Punisher durchgebrannt ist. Zuviel für das ohnehin schon schwache Herz von Iron Man. Und Rambo klatscht.

Doch auch zuviel für Hellboy, denn der wird im gleichen Augenblick von Hulk aus dem Ring geworfen, der Höllenjunge habe angeblich seinen Vater beleidigt. Hellboy verwüstet die ersten drei Zuschauerreihen, um auf die Matte zurückzukehren, wo der "Klempner unter den Superhelden", wie sein Schöpfer Mike Mignola ihn einst nannte, den grünen Koloss in einem Augenblick der Überraschung kurzerhand erschießt. Die Jury muss den Wettkampf daraufhin für eine Stunde unterbrechen. Die Weltpresse ist in Aufruhr, denn ein Paparazzo hat in seinem Blog verbreitet, dass Hellboy Shrek erledigt habe. Rambo klatscht trotzdem.

Anti-Gewalt-Demonstrationen vor dem Stadion

Als das Dementi durch ist, und die Polizei mehrere Anti-Gewalt-Demonstrationen vor dem Stadion unter Kontrolle gebracht hat, steht Jumper bereits allein im Ring: Der Junge, der durch die Zeit reisen kann, ist "gesprungen", hat Rasputin und die Nazis im entscheidenden Augenblick von der Beschwörung abgelenkt und so verhindert, dass Hellboy sich durch das Tor der Hölle zwängen kann. Mignola verklagt daraufhin das "Superhelden-Death-Match" auf Schadenersatz. Rambo klatscht.

In der Zwischenzeit hat Harry Potter Batman und James Bond auf Anraten von Hermine in Nacktmulche verwandelt. Bei Indiana Jones blieb der Zauber erstaunlicherweise wirkungslos, woraufhin Potter in dem Archäölogen seinen Vater wiederzuerkennen glaubt. Jones nutzt die Verwirrung, um den Jungen in ein Bootcamp in Texas zu stecken.

Eine Profikillerin namens Fox

Rambo klatscht immer noch, was ihm diesmal die Aufmerksamkeit des Jumpers einbringt, der in die Vergangenheit reist, um die Produzenten davon zu überzeugen, dass die "Rambo"-Reihe eine ganz schlechte Idee sei. Er wird jedoch kurz vorher verhaftet, weil er just in dem Moment, als John Hinckley im Hilton-Hotel in Washington auf US-Präsident Ronald Reagan schießt, unvermittelt in der Lobby auftaucht. Rambo klatscht nicht mehr, steht ein bisschen dumm im Ring rum und geht schließlich mit Indiana Jones einen trinken.

Als sie das Stadion verlassen wollen, werden sie ohne Vorwarnung von einer Frau niedergestreckt, die irgendwie an Angelina Jolie erinnert. Mit der Profikillerin Fox hat niemand gerechnet, doch ist sie ja bekanntermaßen dazu da, die Menschen von ihrem wahren Wesen zu überzeugen. In aller Ruhe schraubt sie den Schalldämpfer von der Waffe und fliegt dann mit den Anti-Gewalt-Demonstranten nach Afrika.

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