Henning Mankell Leid und Weltschmerz des Kurt Wallander

Die Figuren des schwedischen Krimiautors Henning Mankell leiden an der Welt. Das sei der Grund, warum sie so populär sind, meint der Autor. Für die ARD will er in den nächsten Jahren 13 neue Drehbücher schreiben.

Der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell sieht sein Erfolgsgeheimnis im Leid und Weltschmerz seiner Romanhelden. "Ich glaube, einer der Gründe, warum meine Figuren so populär wurden, ist, dass sich die Leute mit ihren Leiden identifizieren können", sagte der Schöpfer des auch in Deutschland sehr beliebten Kriminalkommissars Kurt Wallander am Donnerstagabend am Rande der Vorab-Premiere der ARD-Verfilmung seines Romans "Die Rückkehr des Tanzlehrers" in Wien.

"Nicht nur ich selbst, jeder muss oft Kummer ertragen", betonte der Schriftsteller. "Das ist der Sinn des Lebens, mit Schmerz und Leid fertig zu werden." Besonders viel Resonanz von seinen Lesern habe er erfahren, als er seinen bereits von der Verrohung der schwedischen Gesellschaft und persönlicher Einsamkeit geplagten Helden Wallander in einem Roman auch noch an Diabetes erkranken ließ, berichtete Mankell. Es freue ihn am meisten, wenn Leser sagten, sie würden in die Welt seiner Romane regelrecht hineingezogen. "Das ist dann der Triumph eines Autors."

Thomas Moretti und Maximilian Schell in den Hauptrollen

In "Die Rückkehr des Tanzlehrers" erkrankt seine neue Kommissarfigur Stefan Lindman an Zungenkrebs. In dem ab Gründonnerstag ausgestrahlten von ARD und ORF produzierten Zweiteiler spielt Tobias Moretti den Ermittler. Einen seiner Gegenspieler spielt Maximilian Schell, der als jüdischer Emigrant nach einem halben Jahrhundert blutige Rache an einem schwedischen SS-Mann nimmt.

Bislang hatte das ZDF zusammen mit dem öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehen SVT Wallanders Fälle mit aufwendigen Romanverfilmungen wie die "Die falsche Fährte" oder "Die fünfte Frau" exklusiv fürs TV gepachtet. Für die künftige Zusammenarbeit mit der ARD sollen keine Romane verfilmt werden. Mankell schreibt exklusiv neue Geschichten für die TV-Filme: "Das wird etwas völlig neues."

Mehr als 20 Millionen verkaufte Krimis

Der preisgekrönte Autor, dessen Krimis weltweit mehr als 20 Millionen Mal verkauft wurden, arbeitet derzeit an den Plots für die zunächst 13 Filme, die vom schwedischen Privat-Sender TV4 gemeinsam mit der ARD produziert werden. Drei der 90 Minuten langen Episoden sollen in Schweden, möglicherweise auch in Deutschland zunächst ins Kino kommen, erklärt Hans Wolfgang Jurgan von der ARD-Produktionstochter Degeto.

Mankell selbst war für die Krimireihe zu erheblichen Zugeständnissen bereit. Vor dem ersten Wallander-Film hatte er erklärt, der mit ihm befreundete schwedische Schauspieler Rolf Lassgard sei der einzige Darsteller, den er sich jemals als Wallander vorstellen könne. In den neuen Fällen müssen sich die Zuschauer mit dem für die Buchfigur eher hager anmutenden Krister Henriksson mit einem gänzlich anderen Typen anfreunden, der an die Stelle des beleibten Lassgard mit seiner blonden Mähne tritt.

Allerdings müssen sich die deutschen Wallander-Fans für Mankells neue Fälle noch in Geduld üben. Voraussichtlich erst Ende 2006 sollen die neuen Filme in Deutschland auf den Bildschirm kommen. "Wir wollen die Filme möglichst blockweise zeigen", sagt Jurgan.

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