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BESTSELLER: Wallanders letztes Abenteuer

Der schwedische Kommissar hat Henning Mankell zum meistgelesenen Autor Deutschlands gemacht. In »Die Brandmauer« schickt Mankell seinen melancholischen Helden noch einmal auf Verbrecherjagd. Nächste Woche beginnt der Vorabdruck im stern

Von Walter Wüllenweber

Es begann mit einem Fehlstart, wie er im Buche steht. Keiner interessierte sich für ihn, die Feuilletons nicht, das Fernsehen nicht. Die Manager vom Zsolnay-Verlag waren einigermaßen deprimiert, als sie das Resultat der Frankfurter Buchmesse analysierten: Die Reaktion auf ihren neuen Autor, den Schweden Henning Mankell, war kaum messbar. Null. Ein Flop. Wenige Wochen später sollte Mankell in einer Münchner Buchhandlung auftreten. Die Lesung wurde abgesagt, weil keiner ihn hören wollte. Das war im Herbst 1998.

Neulich war Mankell wieder zu einer Lesung in München. Zuerst glaubten die Organisatoren, das Literaturhaus mit 350 Plätzen wäre ausreichend. Wegen des Ansturms mussten sie auf einen Hörsaal der Uni ausweichen. 600 Plätze, und trotzdem schickte die Polizei viele Fans weg, weil der Saal restlos überfüllt war. Das war Januar 2001, zwei Jahre nach dem Fehlstart.

Ohne Werbung zum Erfolg

Dazwischen liegt ein lawinenartiger Erfolg. Nie zuvor wurden in Deutschland so viele Bücher eines Autors in so kurzer Zeit verkauft: über 4,5 Millionen ? von Ende 1998 bis heute. Nur die Harry-Potter-Kinderbücher sind so erfolgreich. In drei Jahren haben seine Fans Mankell zum meistgelesenen Erwachsenenautor Deutschlands hochkatapultiert. Und das praktisch ohne jede Werbung. Auch die Feuilletons jubelten über Mankell erst, als sein Name bereits in den Bestseller-Listen aufgetaucht war. Der einzige Auslöser für die Lawine war die Begeisterung der Leser. Die Romane um Kommissar Kurt Wallander aus dem südschwedischen Städtchen Ystad entfalten einen Sog, dem sich kaum jemand entziehen kann. Wer einen gelesen hat, liest alle. Sieben sind inzwischen auf Deutsch erschienen ? durchweg Bestseller.

Im Sessel döst ein grauhaariger Mitfünfziger vor einer Tasse Kaffee. Könnte ein unterbezahlter Polizist sein, der wegen eines aufregenden Falls nicht dazu gekommen ist, zu schlafen, die Kleidung zu wechseln, sich zu rasieren. Das passiert Kurt Wallander andauernd. Henning Mankell sieht müde aus. »Na, weil ich müde bin. Ich habe heute Nacht noch gearbeitet. Den ganzen Tag musste ich mit Leuten reden. In Deutschland komme ich nur nachts zum Schreiben.«

Da sitzt er also nachts in einem Berliner Hotelzimmer und hämmert auf seinem Laptop. Ein Besessener, getrieben von unstillbarem Mitteilungsdrang. Seit 1991 hat er nicht weniger als 20 Romane und Kinderbücher veröffentlicht. Alle dick, alle Bestseller, etliche preisgekrönt. Zwischendurch hat er noch eine Hand voll Theaterstücke verfasst. Außerdem schreibt er Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, regelmäßige Kolumnen. Und im Hauptberuf ist er Regisseur am »Teatro Avenida« in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik.

Zwei Welten

Seit 1985 lebt er je zur Hälfte in Afrika und in Schweden. »Afrika hat mich zum besseren Europäer gemacht«, sagt er. Wie vielen Reisenden hat ihm die Ferne den Blick für die Heimat geschärft. »Europa steckt in einer Identitätskrise. Es herrscht Leere.« In Maputo führt er ein reduziertes Leben. Vorm Frühstück schreiben, tagsüber Arbeit mit dem Ensemble, danach wieder schreiben, bis er ins Bett fällt. »Ich brauche nicht viel. Das Wenige, was mir dort fehlt, kann ich bei Zwischenlandungen auf dem Frankfurter Flughafen kaufen.«

Wie einer, der seinen Erfolg, seinen Ruhm in vollen Zügen genießt, lebt Mankell jedenfalls nicht. Ab und zu schickt ihm der Verlag eine E-Mail mit den neuesten Wunderzahlen. »Die machen mich schon stolz. Es wäre Heuchelei, wenn ich das nicht zugeben würde«, sagt er. »Viel wichtiger ist für mich jedoch eine andere Dimension des Erfolges. Man hört mir zu. Denn ich schreibe über Wallander ja nur, weil ich zeigen will, was in der Gesellschaft Europas los ist.«

Was ist los? Kommissar Kurt Wallander versteht die Welt nicht mehr. Eine Welt, in der Jugendliche zu Monstern werden, in der unauffällige Nachbarn glückliche Menschen töten, weil sie deren Anblick nicht ertragen, in der ein altes Bauernpaar von Einbrechern grausam umgebracht wird wegen ein paar Kronen. Und das nicht in Chicago, Berlin oder Stockholm, sondern in Ystad, in einer schwedischen Provinzidylle, wo die Menschen ihre Türen nicht abschließen.

»In was für einer Welt leben wir eigentlich?«, fragt Wallander fortwährend. Ihn empören und schockieren die Verbrechen. Er leidet, denn er ist keiner dieser smarten, zynischen Drübersteher-Detektive. Vom vielen Fast Food ist ihm eine Wampe gewachsen, seine Frau hat ihn verlassen, zu seiner erwachsenen Tochter Linda findet er keinen Draht, Liebesleben findet nicht statt.

Durch hartnäckiges Grübeln löst Wallander seine Fälle. Aber er versteht sie nicht. Am Ende bleibt es ihm meist unbegreiflich, wie das Grauen in seine heile Welt eindringen konnte. »Wallander gehen die Umwälzungen in der Welt viel zu schnell«, sagt sein Erfinder Mankell. »So geht es wahrscheinlich den meisten. Selbst ich, der es als seine Aufgabe sieht, diese Veränderungen zu erklären, habe oft das Gefühl, ich renne hinter dem Bus her und kriege ihn nicht.«

Fast schon real

Im Bewusstsein der Schweden ist Kommissar Wallander fast schon eine reale Person. Rein rechnerisch hat jeder zweite erwachsene Schwede einen Wallander-Krimi gelesen. Die Bücher werden verfilmt. Und Henning Mankell gehört zu den zehn beliebtesten Persönlichkeiten Schwedens. Demnächst wird in der nordschwedischen Kleinstadt Sveg, in der Mankell aufwuchs, eine Brücke nach ihm benannt.

In 29 Sprachen wurden die Wallander-Krimis inzwischen übersetzt, sogar ins Färöische. Doch ? Schweden ausgenommen? ist der Erfolg nirgends so überwältigend wie in Deutschland. Dabei fehlen dem Phänomen Mankell alle Zutaten, aus denen die Marketing-Abteilungen in den letzten Jahren ihre Erfolge in der Sparte Designer-Literatur mixten: Der Autor ist nicht sexy. Sein Held ist kein Held. Shoppen, Ficken, der Zweit-Porsche und das Thema Ich-Ich-Ich spielen keine Rolle. Stattdessen macht Mankell etwas hoffnungslos Altmodisches: Er erfindet Geschichten aus der Wirklichkeit, mit Figuren, die so real sind, dass man mitunter versucht ist, sie einfach anzurufen. Derzeit versteht es niemand besser als Mankell, die gesellschaftlichen Veränderungen, die die Menschen verwirren und beschäftigen, unterhaltsam anzupacken. Ganz nebenbei sind seine Krimis so spannend wie ein Champions-League-Finale.

Vorigen Herbst hat Mankell in Schweden erstmals einen Krimi ohne Kurt Wallander veröffentlicht. »Keine Angst, das war nur ein Einzelstück. Ich brauchte eine Figur für eine Geschichte, an der ich schon lange kaue.« Ein junger Kommissar erfährt von der Ermordung eines älteren Kollegen. Die Spur führt ins Berlin der Nazi-Zeit, zu einem jüdischen Tanzlehrer. »Die Rückkehr des Tanzlehrers« ist in Schweden noch furioser gestartet als alle Wallander-Krimis. Derzeit wird das Buch ins Deutsche übersetzt.

Hierzulande erscheinen Mankells Bücher stets mit einiger Zeitverzögerung. Während die Schweden sich bereits von ihrem Kult-Kommissar verabschieden mussten, gibt es für die deutsche Fangemeinde jetzt den letzten Wallander »Die Brandmauer«, den spannenden Höhepunkt und Abschluss der erfolgreichen Serie:

Vor einem Geldautomaten liegt ein toter Mann. Zwei Mädchen ? gerade 14 und 19 Jahre alt ? haben einen Taxifahrer mit dem Hammer erschlagen. In einer Trafostation finden die Ermittler eine verkohlte Leiche. Selbstmord? Mord? Bald weiß Wallander nicht mehr genau, um was es überhaupt geht. Wie hängen die Fälle zusammen? Kann es sein, dass in seiner schwedischen Provinzstadt ein Terrorakt geplant wird, der das Bankensystem auf der ganzen Welt bedroht? Um den Fall zu klären, riskiert Wallander mehr als einmal sein Leben

Im Oktober kommt »Die Brandmauer« in die Buchhandlungen. Der stern beginnt schon nächste Woche mit dem Vorabdruck des Buches, das dann in zehn Beilagen komplett im stern erscheint.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(