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Im Gespräch mit Asghar Farhadi Wenn die Zensur schon im Kopf beginnt


Asghar Farhadi gehört zu den wenigen im Iran lebenden Filmemachern, die derzeit ihre Arbeiten im Ausland zeigen können. Wie er mit der Zensur in seinem Heimatland umgeht, beschreibt der Regisseur im DPA-Gespräch mit Aliki Nassoufis.

Zensur ist für den iranischen Filmemacher Asghar Farhadi ein konstantes Thema. "Zensur heißt dabei allerdings nicht, dass bei einem Film, wenn er fertig ist, einzelne Szenen herausgeschnitten werden", sagte Farhadi im Februar während der Berlinale vor der Premiere seines Werks "Nader und Simin - Eine Trennung" in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa und anderen Medien. "Schon bevor man den Film macht und am Drehbuch arbeitet, muss man bestimmte Dinge im Kopf haben und beachten." Was das genau sein könne, dafür gebe es keine spezielle Formel. "Wenn man aber für einige Zeit im Iran arbeitet, lernt man es." Iranische Filmemacher müssten etwas cleverer sein als andere Regisseure.

In seinen Filmen wie dem Gesellschaftsdrama "About Elly" geht es immer wieder um die Schuldfrage und Gerechtigkeit - und das sind für Farhadi auch zentrale Themen. "Die Frage ist ja: Welche Maßstäbe haben wir, um zu sagen, dass jemand schuldig ist oder unschuldig? Ob jemand recht hat oder nicht", sagte Farhadi. "Sind es spezielle moralische Maßstäbe, die wir haben? Oder ist es von der Situation abhängig, in der wir uns befinden?"

Der Regisseur fand außerdem, dass das Bild, das das Ausland vom Iran habe, "nicht perfekt" ist. Zum Beispiel, was die Rolle der Frauen angeht. "In den großen Städten sind Frauen nicht nur Hausfrauen oder stehen in der Küche, sie sind Aktivistinnen in verschiedenen Teilen der Gesellschaft." Frauen seien gerade zu Beginn der revolutionären Bewegung ein wichtiger Motor gewesen.

Aliki Nassoufis, DPA DPA

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