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Oscars 2017 Hollywood macht Front gegen Trump: "Zeit, sich zu zeigen"

Beverly Hills am Freitag. Die United Talent Agency (abgekürzt UTA) ist eine der größten Agenturen Hollywoods, die unter anderem Schauspielstars wie Angelina Jolie vertritt. Normalerweise feiert die Agentur im Rahmen der Oscar-Vergabe eine große Party. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Demo statt Feier und Protestschilder statt Sektgläser. Mittendrin Stars wie Michael J. Fox sowie die Oscar-Preisträgerin Jodie Foster, die die Politik des US-Präsidenten Trump hart kritisiert: "Wir sind dran, unseren gewählten Volksvertretern zu sagen, dass sie ihre Arbeit machen müssen, dass wir Untauglichkeit, Chaos und Kriegstreiberei nicht tolerieren werden. Und dass wir die Gesundheit unseres Planeten sowie unserer Bürger nicht aufgeben. Und wir werden unsere hart arbeitenden Amerikaner nicht verkaufen, um die zu bereichern, die an der Macht sind." Der Protest zeigt die aktuelle Stimmung in Hollywood. Die Filmbranche in Los Angeles gilt als eher linksliberal. Sie sieht durch Trump nicht nur die Weltoffenheit sondern auch die Freiheit der Kunst und der Meinungsäußerung in Gefahr. Gespannt darf man nun auf die Oscar-Nacht gucken. Denn es werden weitere starke politische Meinungsäußerungen erwartet.
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Im Ringen um einen Oscar mögen sie Konkurrenten sein, in ihren Ansichten zu Donald Trump sind sie aber einer Meinung: Mit mehreren Aktionen gehen Schauspieler und Regisseure die Politik des US-Präsidenten an.

Kinostars wie Jodie Foster (54) und Michael J. Fox (55) haben sich bei einer Protestkundgebung in Beverly Hills für Pressefreiheit sowie die Rechte von Einwanderern und Minderheiten engagiert. Zu der Aktion "United Voices" hatte die Künstleragentur United Talent Agency (UTA) eingeladen, mehr als 1500 Menschen beteiligten sich am Freitag (Ortszeit). Der von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreisestopp für Menschen aus bestimmten Ländern war für die Agentur Anlass, ihre traditionelle Oscar-Party abzusagen und das Party-Budget für Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen zu spenden.

Oscar-Preisträgerin Foster, die sich im allgemeinen aus der Politik raushält und dies auch während ihrer kurzen Ansprache noch einmal betonte, rief schließlich aus "Aber es ist jetzt alles anders. Es ist Zeit, sich zu zeigen!" Fox, der selber erst vor 20 Jahren nach 8-jähriger Wartezeit den US-Pass erhalten hat, sagte, dass Einwanderer heutzutage abgewiesen würden, sei "ein Angriff auf die menschliche Würde." Neben Foster und Fox war auch Komiker Keegan-Micahel Key dabei. Er sagte, die Kundgebung solle die wachsende Sorge der kreativen Gemeinschaft über die aktuelle einwanderungsfeindliche Stimmung in den USA verdeutlichen.

Protest gegen Donald Trump: "Klima von Fanatismus und Nationalismus"

Die Kundgebung war nicht die einzige Protestaktion: Die deutsche Oscar-Anwärterin Maren Ade (40) veröffentlichte mit den anderen für den Auslands-Oscar nominierten Regisseuren ein Statement für Weltoffenheit. Die Filmemacher verurteilen darin "das Klima von Fanatismus und Nationalismus, das wir heute in den USA und in so vielen anderen Ländern sehen, in Teilen der Bevölkerung, und, was am bedauerlichsten ist, unter führenden Politikern".

Zu den Unterzeichnern gehört der iranische Regisseur Asghar Farhadi ("The Salesman"), der auch zu den UTA-Klienten zählt. Aus Protest gegen die Trump-Dekrete hatte er seine Teilnahme an der Preisverleihung abgesagt. Am Freitag wurde er per Videobotschaft aus Teheran zur Kundgebung geschaltet. Er freue sich über die Unterstützung und die Solidarität der Filmgemeinschaft, sagte Farhadi.

Kein bestes Land, bestes Geschlecht, keine beste Religion oder Hautfarbe

Neben ihm und Ade unterzeichneten der Däne Martin Zandvliet, Hannes Holm aus Schweden sowie die für den australischen Beitrag nominierten Regisseure Martin Butler und Bentley Dean das am Freitag veröffentlichte Statement. Die sechs Filmemacher werden in der Nacht zum Montag in Konkurrenz um den Oscar für den besten ausländischen Film stehen.

Aber egal, wer gewinne, Grenzen im Kopf dürfe es nicht geben, heißt es in ihrem Statement: "Wir glauben nicht, dass es ein bestes Land, bestes Geschlecht, eine beste Religion oder Hautfarbe gibt. Wir wollen, dass diese Auszeichnung ein Symbol der Einheit zwischen den Nationen und der Freiheit für die Künste ist."

Der Oscar-Nacht nicht beiwohnen können wir übrigens der Kameramann Chaleb Chateeb. Der Syrer, der am nominierten Kurz-Dokumentarfilm "The White Helmets" mitgearbeitet hat, wurde vom Heimatschutzministerium in letzter Minute die Einreise verwehrt. In einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AP vorliegt, hieß es, es seien "nachteilige Informationen" gefunden worden. Was damit konkret gemeint sei, teilte das Ministerium nicht mit.

dho mit DPA

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