HOME

Steven Spielberg: Wie "Indiana Jones" sein Leben prägte

Sat.1 zeigt am Samstagabend Steven Spielbergs "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels". Im stern hat Spielberg 2008 beschrieben, wie Indy buchstäblich sein Leben geprägt hat.

Von Steven Spielberg

Indiana Jones

Spätere Heirat inklusive: Kate Capshaw und ihr Regisseur 1983 am Set von "Indiana Jones und der Tempel des Todes"

Die Geschichte von Indiana Jones begann im Jahr 1977. Das war kurz vor dem Kinostart von "Krieg der Sterne", und mein Freund George Lucas stand unter ungeheurem Druck. Um zu vermeiden, dass er zu Hause die Wände anstarrt, während er auf die Einspielzahlen wartet, flogen wir nach Hawaii, starrten auf die Wellen - und warteten dort auf die Zahlen. Nachdem wir erfahren hatten, dass der Film ein Hit war, freute sich George ungefähr zwei Minuten, seufzte erleichtert und wollte dann über den Film reden, den ich als Nächstes machen wollte: einen Actiongeladenen Abenteuerfilm, so was wie James Bond. George warf mir einige Ideen an den Kopf, und ich hörte das erste Mal den Namen Indiana Smith. Der dann bald zu Indiana Jones wurde, dem schlagkräftigen Archäologen. George übernahm die Produktion des Films, und ich engagierte einen sehr talentierten, jungen Autor namens Lawrence Kasdan für das Drehbuch.

Wie immer war die Besetzung entscheidend. Wir ließen viele junge Schauspieler vorsprechen und wählten schließlich Tom Selleck, der aber leider wegen seiner Fernsehserie "Magnum" unabkömmlich war. Plötzlich standen wir ohne Helden da. Dann sah ich "Das Imperium schlägt zurück" und sagte: "George, Han Solo ist unser Indiana Jones!" George war von der Idee zunächst wenig begeistert. Natürlich mochte er Harrison, wollte aber eigentlich nicht denselben Schauspieler besetzen, der gerade in seinem letzten Film mitgespielt hatte. Aber er war einfach der Beste.

Indy wurde ein Teil der Popkultur

Der spätere, weltweite Erfolg war für uns alle eine Überraschung. Als die Leute begannen, Dialogzeilen zu zitieren, und Kinder Szenen nachspielten, begriff ich, dass er Teil der Popkultur geworden war. Den zweiten Teil, "Indiana Jones und der Tempel des Todes", wollte George deutlich abgründiger anlegen und mit der Geschichte in die düstere Welt von Menschenopfern und den Kult der Kali eintauchen. Ich war mir unsicher über diesen Ansatz und fürchtete, der Film wäre nicht kommerziell genug. Doch George war hartnäckig. Wir bekamen verheerende Kritiken und kämpften mit der Filmprüfstelle verbissen um eine Altersfreigabe ab 13.

Ich persönlich mag "Tempel des Todes" nicht besonders, wobei ich auf einige Sachen schon stolz bin, die Achterbahnfahrt in der Mine zum Beispiel. Insgesamt aber passen die einzelnen Teile irgendwie nicht zusammen. Andererseits sorgte dieser Film dafür, dass mir das Größte im Leben überhaupt passierte. Das Mädchen, das ich für die weibliche Hauptrolle der Nachtklub- Sängerin Willie Scott besetzt hatte, war Kate Capshaw. Sie wurde meine Frau. Im Oktober dieses Jahres sind wir 17 ereignisreiche Jahre verheiratet.

Für "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" wollte George, dass Indy sich auf die Suche nach dem Heiligen Gral macht, was ich anfänglich nicht so aufregend fand. Ein Becher! Das hatte was Statisches. Das Ding stand auf einem Felsen, und ich sollte es abfilmen? Selbst dass der Becher ewiges Leben verleiht, fand ich nicht fesselnd genug. Aber der Gral als Metapher für die Beziehung zwischen Indy und seinem Vater, gespielt von Sean Connery, das war was Besonderes. Wenn Indys Vater zu ihm sagt, er solle den Gral lassen, wo er ist, unser Held also schließlich Weisheit und Familie wählt statt Reichtum und Ruhm, dann - so war mein Gefühl - hatten wir die Reise dieser Figur beendet.

Trotzdem kam die Idee, einen vierten Film zu machen, immer wieder hoch. Bei jedem Interview für einen anderen Film fragten mich Journalisten nach dem nächsten "Indiana Jones", genauso wie alle anderen Leute, die ich überall auf der Welt traf. Schließlich beschlossen Harrison, George und ich die Rückkehr von Indiana. Es hat ein bisschen gedauert, aber da sind wir wieder. Ich war fest entschlossen, dem Geist der Originaltrilogie treu zu bleiben. Die Fortschritte in der Film- und Tricktechnik sollten keinesfalls das Herz des Films zerstören. Ich wollte auf echte Sets gehen und echte Stunts inszenieren.

Kaum ein Tag am Set verging, an dem nicht irgendeiner von der Crew die berühmte Titelmelodie pfiff oder einen Spruch aus einem der Filme zitierte. Das hat mich immer wieder motiviert. Die Geschichte von Indiana Jones, die einst im Dschungel von Peru begann, findet endlich ihren Abschluss in … Ich bitte Sie, Sie haben doch nicht wirklich geglaubt, dass ich Ihnen hier das Ende verrate?

"Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" läuft am Samstag, 16. Juli, um 20.15 Uhr auf Sat.1.

Bearbeitung: Matthias Schmidt, Bernd Teichmann