Interview Dietmar Wunder Die Stimme der Stars


Gestatten: Bond. Dietmar Bond. Dietmar Wunder ist die deutsche Stimme des 007-Agenten und für den Deutschen Synchron-Preis nominiert. Allerdings nicht als Sprecher, sondern für seine Dialogregie beim Martin-Scorsese-Film "Departed". Im stern.de-Interview berichtet er vom Leben im Schatten berühmter Schauspieler.

Am 3. April wird zum siebten Mal der "Deutsche Synchronpreis" verliehen. Für den Preis, der erstmals in Berlin vergeben wird, ist auch Dietmar Wunder nominiert. Obwohl erst 42 Jahre, ist Wunder mittlerweile schon ein alter Hase in der Synchronbranche. 1991 sprach er einen Synchronkollegen auf der Schauspielschule an. Kurz darauf stand er für eine amerikanischen TV-Serie vor dem Mikrofon: Als stotternden Charakter, was mit die größte Herausforderung im Synchronbereich ist. "Danach hatte ich das Glück, schnell größere Rollenangebote zu bekommen. So nahm das Schicksal seinen Lauf", meint Wunder. Neben "James Bond" Daniel Craig, dem Wunder diesen Herbst wieder bei "Quantum of Solace" die Stimme leihen wird, spricht der Berliner auch den US-Komödianten Adam Sandler.

Herr Wunder, am kommenden Donnerstag sind Sie nicht als Sprecher nominiert, sondern für die Dialogregie beim Martin-Scorcese-Film "Departed - Unter Feinden". Was ist anspruchsvoller - Sprecher oder Regisseur?

Anspruchsvoll ist beides. Der Unterschied: Als Sprecher ist es weniger stressig, weil du nicht der Gesamtverantwortliche bist. Für "Casino Royale" war ich fünf Tage im Aufnahmestudio - und das war's. Als Dialogregisseur dagegen musst du viel Vorarbeit leisten, um dann gemeinsam mit Cutterin und Tonmeister über einen längeren Zeitraum auf sehr vieles zu achten. Den richtigen Ton und Schnitt, die Synchronität und dass das Spiel der Filmdarsteller richtig umgesetzt wird. Ob gefühlsbetont, nervös oder vielleicht atemlos. Eine Belohnung ist es, wenn die Synchro dem Originalschauspieler am Ende regelrecht aus dem Mund zu fallen scheint. Und der Zuschauer den Eindruck hat: Wow, Jack Nicholson kann ja deutsch.

Wie hat sich Ihre Branche verändert, seit Sie begonnen haben?

Der Job ist hektischer geworden und der Produktionsdruck höher. Um die Qualität zu sichern, müssen wir heute sehr genau auf den Punkt arbeiten. Früher gab es beispielsweise mehr Zeit, um einzelne Filmszenen anzuschauen. Heute muss es deutlich schneller gehen. Manchmal ist das schwer mit dem künstlerischen Aspekt der Arbeit in Einklang zu bringen. Für Neuankömmlinge wird es zudem immer schwieriger, den Einstieg zu finden. Einfach, weil die Zeit fehlt, um sich minutiös in eine Rolle hinein zu arbeiten. Manchmal gibt es im Studio leider nur die Zeit für die Ansage: Mach' nochmal, aber anders - etwas zugespitzt ausgedrückt.

Kommt das oft vor?

Schwer zu sagen. Einerseits gibt es verstärkt Situationen, bei denen die Filme in Amerika noch nicht fertig geschnitten sind und wir schon synchronisieren. Das liegt daran, dass heute bei vielen Filmen ein weltweit zeitgleicher Kinostart angestrebt wird. Da kann es schon vorkommen, dass wir plötzlich nachsynchronisieren müssen, weil der Film in den USA noch einmal umgeschnitten wurde. Und dass, obwohl der Film schon fertig synchronisiert sein sollte - oder sogar schon die deutsche Endabmischung des Tons vorliegen sollte, mit Dialogen, Musik und Geräuschen. Das kann sehr anstrengend sein. Andererseits: Große Kinoproduktionen, bei denen du es vielleicht gar nicht erwartest, können auch absolut entspannt ablaufen. Beim ersten Teil von "Narnia", wo ich demnächst an der Dialogregie für die Fortsetzung bin, waren der US- und Europa-Start zeitgleich - und es war ein sehr sprachintensiver Film. Dennoch hatten wir zweieinhalb Wochen Aufnahmezeit. Das war alles sehr relaxed, eine sehr schöne Erfahrung. Um auf die Frage zurück zu kommen: Eine Regel gibt es da nicht.

Eine zunehmende Regel scheint zu sein, dass Stars - vor allem bei Animationsfilmen - synchron sprechen. Eine gute Entwicklung in Ihren Augen?

Das ist in der Branche sehr umstritten. Einerseits ist es nachvollziehbar. Denn es ist ein gutes Marketing-Instrument für die Werbung. Und es gibt Leute wie Thomas Gottschalk oder Anke Engelke, die das auch super machen. Aber es gibt eben auch Fälle, da hapert es doch manchmal mit dem Handwerkszeug, also der Sprechtechnik oder ähnlichem. Ob das besser klingt als routinierte Synchronschauspieler sei mal dahin gestellt - selbst da kann man geteilter Meinung sein. Manchmal sagen allerdings sogar die Zuschauer, diesen Star hätten sie sich aber sparen können. Viel schlimmer für uns ist allerdings, wenn wir als "normale" Sprecher hören, was solche Promis für Gagen bekommen. Das tut dann schon weh.

Früher galten Synchronsprecher insgesamt als die Stiefkinder der Unterhaltungbranche. Ist das Image mittlerweile ein besseres?

Auf alle Fälle. Heute wird viel mehr über Sprecher berichtet. Auch dass es seit einigen Jahren den Preis für Synchron gibt, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dass wir immer ein wenig im Dunkeln bleiben, liegt zudem an der Natur der Sache. Manche Kollegen finden das angenehm und sagen: Gut, ich habe eine Nische gefunden und will gar nicht im Rampenlicht stehen. Aber viele Kollegen finden, dass unsere Branche da ein wenig krankt. Die Anerkennung, die man als Künstler ja durchaus sucht, wird einem nicht so richtig entgegen gebracht. Ein gewisser Bekanntheitsgrad kann auch etwas Schönes sein. Ohne, dass es gleich um Starkult geht - oder darum, in der "Bunte" oder "Gala" sein zu wollen.

Was würden Sie sich anders wünschen?

Ganz ehrlich? Wenn ich zwei Wünsche frei hätte: Früher war es so, dass die Sprecher im Abspann erwähnt wurden. Ich fände es gut, wenn im Abspann auch die Namen der Synchronsprecher genannt würden - vielleicht neben denen der Schauspieler. Und dass wir es weiter schaffen, dem Zeit- und Preisdruck Qualität entgegenzuhalten.

Interview: Jörg Isert


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