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John Cleese: Des Ministers Geburtstag

Er gehört zum Ministerium der unsinnigen Gangart, ist der Vater der "Monty Python's"-Kultfilme und einer der Komiker, die den englischen Humor so einzigartig machen: John Cleese. Jetzt feiert er seinen 65. Geburtstag.

John Cleese hat Highlights britischen Humors ins Fernsehen und auf die Kinoleinwand gebracht. Die komischste seiner Karikaturen des typischen, steifen, unterkühlten Briten ist der Mann mit Melone und Aktentasche aus der Kult-Serie "Monty Python’s Flying Circus", der zum Ministerium der unsinnigen Gangarten ("Ministry of Silly Walks") gehört.

Das junge Publikum von heute kennt den Schauspieler eher als "Fast Kopfloser Nick" aus den Harry-Potter-Filmen und als Tüftler des Geheimagenten James Bond, aber sein Witz scheint bei allem durch, was er tut. Am Mittwoch feiert Cleese seinen 65. Geburtstag.

"Ein Komiker kennt kein Mitleid. Nicht mal mit sich selbst"

"Die Briten können nie sagen, was sie fühlen, deshalb sagen sie fast alles auf eine ironische Art", erklärte er einmal. In seiner bekanntesten Kinorolle in "Ein Fisch namens Wanda" lässt er den in ein Gangsterliebchen verschossenen Rechtsanwalt erklären, die Briten fürchteten vor allem, lächerlich zu wirken. Wie daraus Komik entsteht, zeigt die nächste Filmszene: Der völlig entkleidete Anwalt wird beim Schäferstündchen von der Familie überrascht, die eigentlich noch verreist sein sollte. Seine Blöße bedeckt er rasch mit einem Familienfoto vom nächstbesten Tisch.

Der "Monty-Python"-Humor, ab 1970 in der BBC zu sehen, entsprach mit Tabu- und Geschmacksverletzungen der aufmüpfigen Stimmung der revolutionären Jugendbewegung. John Cleese hatte als Student zusammen mit den Cambridge-Kommilitonen Graham Chapman und Eric Idle, den Oxford-Absolventen Michael Palin und Terry Jones und dem seit 1967 in London lebenden Amerikaner Terry Gilliam die Comedy-Truppe gegründet. In ihren Sketchen tänzelte zum Beispiel eine schwule Soldateneinheit im Gleichschritt, stritten Hausfrauen in Kittelschürzen über die Philosophen Jean-Paul Sartre und Sören Kierkegaard oder schlossen Büro-Angestellte Wetten darauf ab, wer aus der Firma sich als nächstes aus dem Hochhaus zu Tode stürzen würde. "Ein Komiker kennt kein Mitleid. Nicht mal mit sich selbst", sagte Cleese.

Seine größte Passion: das Schreiben

Die Zuschauer reagierten begeistert - auch auf die Kinofilme "Monty Python’s: Wunderbare Welt der Schwerkraft", "Die Ritter der Kokosnuss" (Persiflage auf das Ritterfilmgenre) und "Das Leben des Brian" (Parodie auf das Genre der Bibelverfilmungen). Synchronisiert hat ihn in diesen Filmen der viel beschäftigte Sprecher Thomas Dannenberg, der auch die deutsche Stimme von Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Dan Aykroyd, John Travolta oder Nick Nolte ist.

Ende der 70er Jahre gingen die Monty-Python-Komiker mehr oder weniger getrennte Wege. John Cleese wurde TV-Serienstar mit "Fawlty Towers". An den Erfolg mit der Gangsterkomödie "Ein Fisch namens Wanda" schloss er mit "Fierce Creatures", einer Satire auf die Freizeitindustrie, noch einmal in einer Hauptrolle an. Im übrigen beschränkte sich John Cleese auf kleine, aber feine Nebenrollen. Er erklärte: "Es gibt so viele andere Dinge im Leben, die ich lieber tue als Filme machen... Die große Passion meines Lebens ist das Schreiben."

Inge Treichel/AP / AP