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Kabarett: Nachwuchs gesucht

Nach 23 Jahren ist Schluss, der 144. "Scheibenwischer" ist für Dieter Hildebrandt der letzte. Ein Interview.

Herr Hildebrandt, der letzte von 144 "Scheibenwischern": Haben Sie Lampenfieber?

Nö. Aber Bedenken, dass es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle. Wir spielen vor fremdem Publikum. Vor Leuten, die uns bisher nur am Fernseher zuschauten. Der Bundestagspräsident ist dabei und so was alles. Ich weiß nicht, wie die reagieren, muss mich in Sekundenschnelle auf sie einstellen.

Welcher "Scheibenwischer" war Ihnen der wichtigste?

Wichtig sind sie mir alle, wenn auch für die Fernsehveranstalter vielleicht alle unwichtig waren. Mein Liebster ist, als wir in einem Dorf ein Zigeunertreffen spielten, zeitgleich mit einem SS-Jubiläum. Und der über die Kanalisierung des Altmühltals.

Werden Sie "Scheibenwischer" vermissen?

Ich hätte schon in den letzten Jahren keine Zeit mehr fürs TV gehabt, wenn mir diese Truppe nicht so viel Spaß gemacht hätte. Mein Terminkalender ist übervoll. Bis Mitte 2004 bin ich ausgebucht. Ich mache weiter Kabarett, ziehe über die Lande, trete jeden Abend auf einer anderen Bühne auf.

Hat Kabarett angesichts der Comedy-Inflation überhaupt noch Zukunft?

Wir tun uns gegenseitig nicht weh. Nach meinem Eindruck wird den Menschen dieses nervige Comedy-Spektakel aber allmählich zu laut. Mein Publikum zieht das klassische Kabarett vor. Beim Nachwuchs registriere ich sogar gewisse Mangelerscheinungen. Wir brauchen junge Leute.

Was macht Dieter Hildebrandt nach Ende der Vorstellungen auf dem Land?

Er schreibt an seinem Buch über die Erlebnisse eines reisenden Kabarettisten in Hotels, in der Bahn und mit Menschen, die ihm begegnet sind.

Interview: Rupp Doinet