HOME

Roger Willemsen schießt gegen Stromkonzern

Schweres Geschütz im Kulturkampf: Gegen ein von Energieversorger Vattenfall finanziertes Literaturfestival engagiert sich Bestsellerautor Roger Willemsen zusammen mit 50 Künstlerkollegen. Die Gegenveranstaltung kommt ohne Atomstrom aus.

Der Atomkonzern Vattenfall finanziert seit mehreren Jahren ein Hamburger Literaturfestival. Mit dem Kultursponsoring soll nach zahlreichen Pannen das angeschlagene Firmenimage aufgebessert werden. 2011 wurde erstmals eine Gegenveranstaltung initiiert. Nina Hagen und Literaturnobelpreisträger Günter Grass traten auf. In diesem Jahr wird Bestsellerautor Roger Willemsen zusammen mit Kabarettist Dieter Hildebrandt das Festival „Lesen ohne Atomstrom“ eröffnen.

Warum sind Sie bei "Lesen ohne Atomstrom" in Hamburg dabei?

Die aus der Vergangenheit bekannten Versuche, Laufzeiten doch zu verlängern und die Wende in der Energiepolitik zu revidieren, machen es nötig, dass man offensiv gegen Kernenergie auftritt. Schließlich erleben wir ja jetzt auch noch den schäbigen Versuch, die Kosten der Energiewende auf den Verbraucher abzuwälzen.

Was ist denn so falsch daran, dass ein Unternehmen wie Vattenfall Kultur fördert?

Was wäre falsch daran, wenn Heckler und Koch eine Lesung von Berta von Suttners "Die Waffen nieder" sponsern würde? Man kann nicht gut gegen eine Energieform sein, sich aber durch sie finanzieren lassen.

Grundsätzlich: Sollten Künstler sich politisch engagieren?

Klar. Politik gestaltet das Gemeinschaftsleben. Die Literatur hat oft andere Ideen. Sie sollten gehört werden. So weiß man auf der Seite der Politik wenigstens, was man anschließend übergeht. Denn übergangen werden die Kulturvertreter eigentlich immer.

Der Deutsche Kulturrat hat im vergangenen Jahr nach "Lesen ohne Atomstrom" die Frage gestellt, ob es generell "ethische Standards im Kultursponsoring" braucht: Braucht es die?

Mein Vertrauen in alles, was „ethische Standards“ heißt, ist gering. Möge jeder Künstler selbst entscheiden, vor welchem Karren er traben will. Kultursponsoring ist häufig der erweiterte Arm des Anzeigengeschäfts, und trotzdem gibt es auch unter denen, die Kultur von Wirtschaftsseite aus fördern, echte Enthusiasten. Denen ist zu danken.

Wolfgang Metzner

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo