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Papst mit Urinfleck und Co.: Ist das noch Satire oder schon Schmähkritik?

Nicht nur Jan Böhmermann langt kräftig hin - die deutsche Mediengeschichte ist voll von satirischen Grenzerkundungen. Hier die spektakulärsten Fälle.

Von Karoline Böhme

Papst Benedikt XVI. auf dem "Titanic"-Cover

Das ging im wahrsten Sinne des Wortes unter die Gürtellinie: 2012 druckte das Satire-Magazin "Titanic" eine Fotomontage von Papst Benedikt XVI zum Thema Vatileaks-Affäre. Zur Schlagzeile "Halleluja Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden" zeigte das Magazin den Papst - mit einmontierten Urin- und Kotflecken auf dem Gewand. Papst Benedikt XVI. klagte vor dem Landgericht Hamburg und hatte Erfolg. Das Gericht sprach eine einstweilige Verfügung aus. "Titanic" legte nach und veröffentlichte ein neues Cover mit der Aufschrift "Titanic verboten - Der Papst im Freudenrausch". Benedikt XVI. hält nun zwei Fanta-Flaschen in der Hand, bekanntlich eines seiner Lieblingsgetränke. Damit unterstrich "Titanic" seine anfängliche Behauptung, bei dem gelben Fleck handele es sich um Fanta. Der Vatikan zog schließlich seine Klage zurück.

"Was darf Satire? Alles!", sagte Kurt Tucholsky 1919. Aber das stimmte eigentlich noch nie. Auch Satire wird durch Gesetze beschnitten, die Freiheit der Kunst ist nicht total, sondern relativ. Das jüngste Beispiel: Jan Böhmermann. Weil er sich ziemlich derbe über den türkischen Präsidenten Erdogan lustig machte, droht ihm ein Verfahren nach Paragraph 103 Strafgesetzbuch, das die Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern unter Strafe stellt. Maximal können fünf Jahre Freiheitsstrafe verhängt werden - was nun wahrlich kein Pappenstiel ist.

Aber: Ein Blick in die deutsche Mediengeschichte zeigt, dass die Gerichte im Zweifelsfall meist für die Meinungs-, Presse- unter Kunstfreiheit entschieden haben. Auch in Fällen, die nicht weniger provokant sind als Böhmermanns Gedicht an Erdogan. Hier eine Sammlung der spektakulärsten Fälle.